Chronik

 

Wappen

Der Name Amönau leitet sich in seiner ursprünglichen Form von „amenouwe“ ab. Das althochdeutsche Grundwort „auwia“ oder „ouwa“ mittelhochdeutsch „ouwe“ bedeutet Land am Wasser, nasse Wiese, Insel. Ebenfalls besteht ein Zusammenhang mit dem althochdeutschen Wort „aha“ fließendes Wasser. Man unterschied ein Oberamena - das jetzige Oberndorf und ein Unteramena - das jetzige Amönau.

Eine Urkunde König Heinrichs II. ausgestellt für das St. Stephansstift in Mainz aus dem Jahre 1008, gilt für die Bewohner Amönaus als früheste Erwähnung von Amönau:

Urkunde1008

„( ), quod nos habuimus in loco Amena dicto, et quicquid ad illam curtem pertinet in pago Oberenlongenahe nominato in comitatu Gisonis comitis, per kartam nostram pro tali commutatione traderemus, ( ) nos ( ) susciperemus."

„( ), was uns in der benannten Ortschaft Amena gehört und alles, was sich in der Nähe jenes Hofes befindet, im Gau namens Oberlahn in der Grafschaft des Grafen Giso, haben wir durch unser Pergament als Austausch (für einen Hof in Buchenbach ...der Kirche des Heiligen Stephan zu Mainz) anvertraut. ( ) Dies bezeugen wir."

Die Urkunde ist von Heinrich II. abgezeichnet und von Eberhard, dem Kanzler und Vertreter des Erzbischofs Willigis von Mainz, verfasst worden und auf den 18. Mai 1008 datiert. Sie ist in einem größeren Zusammenhang eines Güterringtausches zu sehen, der sich über mehrere Urkunden zieht und in dem Reichsgut an das neu gegründete Bistum Bamberg gestiftet wurde.

Dom zu BambergGrabmal

Der Dom in Bamberg, in dem sich das Grab von Kaiser Heinrich II und Kunigunde befindet

In der Nähe liegt, je eine halbe Fußwegstunde von Warzenbach und Treisbach entfernt, die alte Gisonenburg Hollende. Die Familie der Gisonen war auch bei Gudensberg reich begütert. Sie führte später den Titel der Grafen von Hessen.

Graf Giso II. von Hollende hat Kaiser Heinrich IV. unterstützt im Kampf gegen den bayrischen Herzog Otto von Northeim um das Jahr 1070. Otto von Nordheim drang siegreich in das Erbland des Kaisers vor und errichtete zur Sicherung seiner Eroberungen an der Lahn die „Marburg". Als später Kaiser Heinrich wieder die Oberhand erhielt, gab er diese Burg und ihre Nachbarschaft dem Grafen Giso von Hollende als Lehen. Giso II. wurde 1073 auf dem Schloss Hollende ermordet, wegen einer gegen König Heinrich IV. angezettelten Verschwörung (nach dem Bericht des Chronisten Lampert von Hersfeld). Als Giso IV. im Jahre 1122 ohne Nachfolger starb, ging sein gesamter Besitz an seinen Schwiegersohn, den Landgrafen Ludwig I. von Thüringen, den Urgroßvater des Gemahls der Heiligen Elisabeth. Von 1141 - 1170 war Hollende im Besitz des Grafen Boppo von Ziegenhain. Nach dem Chronisten Riedesel soll die Burg Hollende im Jahre 1247 durch Sophie von Brabant, einer Tochter der hl. Elisabeth, zerstört worden sein, weil ihr letzter Bewohner dem Sohn Sophies, Ludwig dem Kind, nicht huldigte.

Der „Codex sancti Stephani Moguncie“ von 1133

Laut Urkunde von 1008 hatte das St. Stephan Stift in Mainz zumindest einen Hof in Amönau mit dem dazugehörigen Patronatsrecht und allen weiterem Zubehör zu eigen. Weitere zeitnahe Nachrichten über diesen Hof sind nicht erhalten bzw. nicht bekannt.

Die nächste schriftliche Erwähnung Amönaus stammt aus der Zeit um 1133. Hierbei wurde Amönau in einem Verzeichnis das die Dörfer und Zehnten, die zu der Vogtei Ebsdorf gehörten, umfasste aufgeführt. Die Vogtei Ebsdorf war zu dieser Zeit dem St. Stephans Stift zu Mainz unterstellt.

Diese Handschrift, die bereits 1819 im Staatsarchiv Darmstadt aufgefunden wurde, galt lange als verschollen und wurde erst ungefähr 140 Jahre später von Hellmuth Gensicke in der Stadtbibliothek Mainz wiederentdeckt. Sie wird aufgrund ihres Schriftsatzes auf eine Entstehungszeit um 1130 geschätzt. Auf dem ersten Blatt enthält die Handschrift folgenden Eintrag, ein Verzeichnis der zehntpflichtigen Höfe.

Urkunde1130

Die deutsche Übersetzung lautet:

„Dies sind die Höfe und Dörfer mit zehntpflichtigen gehörig zu Pfründe der Brüder im Hofe Ebsdorf: Ebsdorf, Heskem, Dreihausen, Eisenhausen (Wüstung), Udenhausen (Wüstung), Wermertshausen, Breitenborn (Wüstung), Beltershausen, Eisenbach (Wüstung), Amönau und Oberndorf, teils Wollmar, Asphe, Buddelhausen (Wüstung), Ernsthausen, Münchhausen, Warzenbach, Brungershausen, Kernbach, Kirchvers, 3 ½ Talente Ertrag und Zehnten, der Höfe bei Wittelsberg.“

Die nächste Nachricht über „amena“ ist aus dem Jahr 1212 erhalten. In diesem Jahr schenkte der Erzbischof Gerhard von Mainz das Patronatsrecht in „Amena“ dem St. Stephansstift zu Mainz.

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Zur  Geschichte des Junkergutes von Amönau

Die genauen Anfänge von Amönau liegen im Dunkeln. Es ist anzunehmen, das der Ursprung des Ortes im Bereich des heutigen Junkergutes lag, das dort der Hof oder die Hofanlage zu suchen ist, die in der Urkunde von 1008 genannt wurde. Wenngleich die dort vorhandenen Mauerreste und Kellergewölbe auf frühestens Anfang des 14. Jhr. datiert werden können, so ist der Kirchturm der Amönauer Kirche auf den Beginn des 12. Jhr. zu datieren, Frühere bauliche Zeugnisse werden wohl nicht mehr zu finden sein.

Sechs Adelsgeschlechter haben in Amönau auf dem Rittergut ihren Sitz gehabt:

1. Die Grafen von Hollende (Gisonen)
2. Die Herren von Hohenfels
3. Das Geschlecht von Rehen
4. Die Herren von Riedesel
5. Die Familie von Bodenhausen
6. Die Herren von Baumbach

Der Burgsitz Amönau wurde im Jahre 1008 von Kaiser Heinrich II. dem Stephanstift zu Mainz geschenkt. Auch der älteste Teil der erhaltenen Bauten mit seinen gewaltigen Mauern und Gewölben und altertümlichen Kaminen deutet auf das sehr hohe Alter des Burgsitzes hin. Als ein solches Merkmal sind auch die frühromanischen Schallöffnungen (fünf an der Zahl) im Kirchturm zu nennen, die von außen zugemauert, im Inneren aber noch zu sehen sind.

Die Familie von Hohenfels

Die von Hohenfels waren ein Landgrafengeschlecht des uralten Gerichtes Dautphe. Sie hatten ihren Sitz unfern der Lahn bei der Carlshütte und werden 1174 erstmals genannt.  Erstmals wird ein Ludwig v. Hohenfels 1174 zusammen mit Konrad von Marburg als Zeuge bei einer Belehnung eines Grafen von Berg unter Bestätigung des Kaisers Friedrich I., als Sophie von Brabant das Land Hessen für ihren unmündigen Sohn in Besitz nahm. Es widersetzte sich das Geschlecht von Hohenfels im Bund mit dem Erzstift Mainz, unterlag aber der Fürstlichen Gewalt. Laut einer Urkunde vom 12. Juli 1249 trugen Konrad, Gumpert und Eckhard, Brüder von Hohenfels, der Landgräfin Sophie von Brabant ihr Schloss Hohenfels auf, empfingen es aber als Lehen zurück. Auch im Rahmen des Langsdorfer Vertrages vom 10. September 1263 gelobte die Familie von Hohenfels namentlich Volpert gen. Hosekin und Gumbert von Hohenfels mit insgesamt 20 Rittern der Landgräfin Sophie von Brabant die Treue. Dennoch wurden die beiden Burgen 1293 von Sophies Sohn Heinrich zerstört. Vielleicht zog spätestens nach der Zerstörung der Hauptburgen der Amönauer Zweig der Familie von Hohenfels hier auf den Burgsitz.

 

Die Linie Amönau - Niederasphe

 

Die erste Nachricht über die Familie von Hohenfels in unserer Gegend findet sich im ältesten Lehensverzeichnis des Stiftes Wetter um 1220/1220. Hier wurden Arnold von Hohenfels und seines Bruders Heinrich Söhne Werner und Gumpert mit 9 Höfen vom Stift Wetter belehnt. Diese Höfe sollen in Wetter, Amönau und Todenhausen gelegen haben.

Die Familie von Hohenfels hatte vom St. Stephansstift in Mainz in beiden Amönau (Amönau und Oberndorf) Besitz als Lehen erhalten, über den 1226 zwischen dem Stift auf der einen und Gumbert von Hohenfels und seinem Neffen Volpert gen. Hosekin auf der anderen Seite ein Rechstreit entbrannte. Dabei ging es u.a. um das Patronat, den Hof, vier Mansen (Land) und den Zins in Amönau. Im Jahre 1212 hatte der Erzbischof Gerhard von Mainz das Patronatsrecht in „Amena“ dem St. Stephansstift zu Mainz geschenkt, wohlmöglich lag hier der Grund über den Patronatstreit. Laut Urkunde vom 7. Januar 1227 erkannten die Mainzischen Richter den Zehnten „in beiden Amena [Amönau und Oberndorf]“ den Erben Gumberts, Ritter von Hohenfels und Volpert, seinem Brudersohn ab und dem St. Stephansstift zu.

Im Jahr 1270 belehnte der Dekan und das Kapitel St. Stephan in Mainz die drei Söhne des Gumpert von Hohenfels, Konrad, Gumpert und Ekkehard, und die Söhne des inzwischen verstorbenen Volperts gen. Hosekin, Craft und Volpert, mit dem Zehnten von Amönau, dem Gut verbunden mit dem Kirchenpatronat, sowie den Gütern in Steinershausen [Sterzhausen] und der Hälfte des Zehnten zu Asphe gegen 5 Talente Denanien jährlich als Erblehen.

 Der deutsche Text dieser Urkunde lautet:

„Wir, die Brüder Konrad, Gumpert und Ekkehard, und wir die Söhne des verstorbenen Volpert, genannt Hosekin, von Hohenfels, verpflichten uns mit dieser Urkunde dazu, daß wir, weil die ehrenwerten Herren, Dekan und Kapitel der Stephanskirche zu Mainz, ihren Hof zu Amenau mit dem Patronsrecht der dortigen Kirche sowie Güter in Steinershausen [Sterzhausen], ferner Zehnten in Amenau und Amenau [Amönau und Oberndorf], Wanzbach [Warzenbach], Kerembach [Kernbach], Butelhausen und die Hälfte des Zehnten in Aspha uns unbefristet in Erbpacht gegeben haben, ihnen fünf Pfund Pfennige unserer Gegend jedes Jahr in der Mitte des Aprils als regelmäßige Pacht für selbige Güter und Zehnten entrichtet werden, wobei wir uns und unsere Erben zu vollständiger, in der genannten Weise auszuführender Zahlung verpflichten unter Strafe der Fälligkeit des doppelten Betrages im Versäumnisfall.

Zum Zeugnis und zur Bescheinigung geben wir ihnen dieses Dokument, bekräftigt durch die Siegel der vornehmen Dame – unserer Herrin – Sophie, der Witwe des verstorbenen Herzogs von Brabant, sowie ihres Sohnes, des Herrn Landgrafen Heinrich, des Herrn von Hessen; ferner siegeln die Bürgerschaft Marburg und wir.

Vollzogen und gegeben am 26. März 1270“.

Konrad von Hohenfels hatte zwei Söhne, Eckhard, Burggraf zu Biedenkopf und Hermann.

Eckhard war verheirate mit Albradis Hofherr (de curia), sie hatten sechs Söhne, Gumpert, Eckhard, Wiederold, Konrad, Arnold und Herrmann. Eckhard der Jüngere, auch als „von Amönau“ erwähnt, war Pfarrer von Amönau und Stiftskanoniker von Wetter. Arnold war mit Christine von Treisbach verheiratet, er war Burgmann auf der Burg Mellnau.

Im Jahre 1287 verschrieb Sophie von Hohenfels, Witwe von Gumpert von Hohenfels, dem Kloster Caldern eine Rente von 2 Maltern Roggen und 1 Malter Hafer aus ihrem Hof zu Amönau. Auf diese Rente verzichtete 1303 das Kloster zugunsten ihres Sohnes Arnold von Hohenfels.

Arnold von Hohenfels und seine Frau Albradis hatten drei Söhne Heinrich, Gottschalk, Eckhard und eine Tochter. Eckhard war Pfarrer in Niederasphe. Im Jahr 1292 übergaben Arnold und seine Frau Albradis zum Heil ihrer Seelen und zum Unterhalt ihrer Tochter, die im Kloster Caldern lebte, dem Kloster gegen eine gelegentliche Zahlung von 17 Mark ihre Güter zu Oberamönau (Oberndorf). Im Jahr 1331 bestimmte Eckhard von Amönau, Pfarrer zu Niederasphe, dass die Wiese von Amönau, welche er von Craft von Hohenfels für 20 Mk. guter Pfennige gekauft hatte, an dessen Erben wiederkäuflich seien, aber auch ohne Wiederverkauf nach Eckhards Tod an die Familie zurückfallen sollen.

Heinrich von Hohenfels zu Wetter war der bekannteste der Familie zu seiner Zeit. Er beging im Jahr 1322 zusammen mit Volprecht von Selbach im Rahmen einer Familienfehde Totschlag an Ludwig von Breidenbach. Gottschalk von Hohenfels hatte mit seiner Frau Jutta zwei Söhne, Ludwig und Volpracht.

Ludwig und seine Frau Jutta von Diedenhausen blieben kinderlos. Volpracht und seine Frau, eine geb. von Buchenau hatten zwei Söhne Ludwig gen. der Dürre und Heinrich. Heinrich von Hohenfels, der mit Elsa von Weiterhausen verheiratet war, begründete die Linie der von Hohenfels zu Niederasphe.

Ludwig von Hohenfels, verheiratet mit Katharina von Weitershausen, setzte die Linie zu Amönau fort. Seit dieser Zeit waren Mitglieder der Familie vielfach mit bürgerlichen Familien verbunden. Damian von Hohenfels, der Sohn Ludwigs war mit Lyse Gise verheiratet. Lyse Gise war die Tochter des Schöffen und Bürgermeisters Werner Gise zu Biedenkopf, dessen Frau aus der angesehenen Marburger Kaufmannsfamilie „von Rosphe“ stammt.

Die beiden hatten vier Kinder. Tochter Elisabeth war mit Ludwig im Hofe (in curia) zu Marburg verheiratet, Tochter Dorothea mit Happel von Wildungen zu Homberg. Sohn Johann trat am 26. Juni 1453 in den Deutschen Orden zu Marburg ein. Bei seiner Aufnahme wurden seine Verwandten von der Stadt Marburg mit Wein beschenkt. Sohn Andreas (Endres) von Hohenfels, der mit Gertrude Schlaun von Linden verheiratetet war, setzte die Amönauer Linie fort. Im Rahmen einer Erbteilung innerhalb der Familie im Jahre 1456 fallen Andreas von Hohenfels folgende Allode zu:

„Anno domini 10. Januar 1456

Erbteilung zwischen Ludwig im Hofe und seiner Frau Lyse[Elisabeth von Hohenfels] und Endres [Andreas von Hohenfels], weiland Damens Sohn, ihrem Schwager und Bruder, hinsichtlich der Güter des Werner Gysen, Damens von Hoenfels und Lysen seiner ehelichen Hausfrau, ihres Schwiegerherrn und Schwiegerfrauen, Eltervater, Vater und Mutter, mit Herrn Johan von Hoenfels, D.-O. [Deutscher Orden] Bruder, Happel von Wildungen und seiner Frau Dorothea zu Homberg, ihrem Schwager und Schwägerin und Geschwistern. An diesen Gütern hatte Endres von Hoenfels bisher 1/3, teil ¼ gehabet im Hofe dem Johann von Hoenfels und Happel von Wildungen ihre Teile abgekauft. Endres erhält: 1 Hof zu Amönau, ½ Hof zu Niederasphe, 1 Hof zu Wollmar, den Schüsslerwald zu Amönau, die Hardt zu Niederasphe, sowie weitere Güter zu Dexbach, Warzenbach, Niederasphe, Goßfelden, Engelbach, Mardorf, Silberg, sowie alle Lehen, außer 1/6 des Zehnten zu Buchenau.“

Andreas von Hohenfels und seine Frau Gertrude hatten vier Kinder, Caspar, Wilhelm, Christine und Kunigunde. Gertrude von Schlaun wurde 1501 beim Kauf eines Gartens in Amönau als Witwe genannt und trat möglicherweise 1509 in das Kloster Caldern ein. Tochter Christine wurde 1494 Nonne im Kloster zu Berich. Tochter Kunigunde heiratete Eckhard Riedesel von Eisenbach im Jahr 1531. Caspar war von 1516 bis 1548 Domherr des St. Peterstiftes zu Fritzlar. Wilhelm heiratete 1528 Catharina Braun von Nordeck, die bis zur Auflösung des Stiftes Wetter 1527 im Zuge der Einführung der Reformation in Hessen, Stiftsfräulein gewesen war. Im Rahmen der Heirat von Kunigunde mit Eckhard von Riedesel fand im Oktober 1531 eine Erbteilung zwischen den Geschwistern statt. Hier verzichtete Kunigunde auf die hohenfelsische Güter und erhielt stattdessen eine Rente von 7 ½ Malter Frucht aus dem „Lindenhans Hof zu Amönau.“

Wilhelm von Hohenfels und seine Frau Catharina hatten einen Sohn Heinrich. Nach dem Tod von Wilhelm von Hohenfels 1541, wurden als Vormünder über den dahin noch unmündigen Sohn Heinrich dessen Onkel Caspar von Hohenfels und Andreas von Bürgeln bestellt. Johann Riedesel und Löwenstein von Rehen wurden als Vormünder für die Witwe Catharina von Hohenfels bestellt. Als Heinrich von Hohenfels 1554 starb, starb damit die direkte Linie der von Hohenfels zu Amönau aus.

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Die Familie von Rehen

Die Familie v. Rehen (Rene, Rhiene, Ryne, Rine bis Rhena) gehört zu den ältesten Burgmannen – und Lehnsgeschlechtern Waldecks.

Johann VI. v. Rehen erbaute 1456 die Burg zu Rhena. Er war verheiratet mit Katharina v. Dalwigk. Ihre gemeinsamen Kinder waren die Töchter Juliane und Elisabeth und die Söhne Johann, Hermann, Reinhard, Konrad, Heinrich, Georg und Erwin. Juliane v. Rehen war in zweiter Ehe mit Ritter Eithel v. Löwenstein zu Löwenstein verheiratet. Konrad v. Rehen war in erste Ehe mit einer geb. Huhn v. Ellershausen verheiratet. Sein Sohn Johann aus dieser Ehe wurde Landkomtur des Deutschen Ordens zu Marburg. In der Elisabethkirche zu Marburg hängt im Hohen Chor ein Wappenschild der Familie v. Rehen mit der Aufschrift Johannes v. Ryn a(nno) 1518.

Heinrich v. Rehen war der Begründer der Linie der von Rehen zu Amönau. 1493 wurde er erstmals als Knappe auf dem Gut zu Amönau erwähnt. Er war verheiratet mit Gertraud Schaufuß, Tochter von Caspar Schaufuß, Burgmann zu Alsfeld und Catharina v. Fischborn. Heinrich v. Rehen und Gertraud hatten vier Söhne, Löwenstein, Ebert, Eckhart, und Franz sowie drei Töchter, Gertrud, Barbara und Margarethe. Der Pate von Löwenstein v. Rehen war sein Onkel Ritter Eithel v. Löwenstein zu Löwenstein, weshalb er diesen etwas ungewöhnlichen Vornamen bekam. 1523 wurde Heinrichs Frau Gertraud Schaufuß als Witwe genannt. Die Familie v. Rehen lebte wohl zu dieser Zeit auf dem Gut zu Amönau. Heinrich v. Rehen hatte bereits versucht, das Gut und den Zehnten käuflich von Andreas v. Hohenfels dem Älteren zu erwerben. Dieser Kauf kam jedoch zu seinen Lebzeiten nicht zustande, er bekam jedoch die Hälfte des Zehnten als Afterlehen.

1524 belegen Nassauische Gerichtsakten einen Streit zwischen Conrad v. Dernbach und Konrad v. Rehen, dem Bruder Heinrichs v. Rehen mit den Vettern Hartmann und Wilhelm v. Hohenfels über den von Andreas v. Hohenfels dem Älteren an Conrad v. Dernbach und Konrad v. Rehen übergebenen Zehnten von Amönau und Oberndorf. Konrad v. Rehen vertrat hier nach dem Tod seines Bruders und vielleicht auch als Vormund der Söhne die Interessen der Familie v. Rehen. Er ist auch noch im Jahre 1533 aktenkundig belegt. In diesem Jahr erschlug „Konrad von Rehen aus Amönau“ an dem Donnerstag nach Bartholomäi (24. August), 1533 beim steinernen Heiligenstock, einem Grenzstein zwischen Wetter und Goßfelden, einem Mann aus der Grafschaft Wetter.

Im Jahre 1538 erhielten die Söhne Heinrichs v. Rehen Löwenstein und Eckhart aufgrund des Vergleichs von 1537 den halben Zehnten zu Amönau von Andreas dem Ältern v. Hohenfels als Afterlehen. 1572 verkauften Andreas v. Hohenfels zu Rosenthal und seine Frau Anna geb. v. Löwenstein ihrem Schwager Löwenstein v. Rehen ihren halben Zehnten in und vor Amönau für 1000 Taler.

 Löwenstein v. Rehen war gleich mehrfach mit der Familie v. Hohenfels verwandtschaftlich verbunden. Er war mit Eila v. Hohenfels zu Eckelshausen verheiratet, der Tochter Ludwigs v. Hohenfels zu Eckelshausen. Eilas Bruder Johann v. Hohenfels zu Eckelshausen war in erster Ehe mit Barbara v. Rehen, der Schwester Löwensteins v. Rehen verheiratet. In zweiter Ehe war Johann v. Hohenfels mit Elisabeth Wolff v. Gudensberg verheiratet. Deren Schwester Anna Wolff v. Gudensberg heiratete Franz v. Rehen, Löwenstein v. Rehen Sohn. 1541 wurde Löwenstein v. Rehen zusammen mit Johann Riedesel als Vormund der Witwe Wilhelms v. Hohenfels, Catharina Braun zu Nordeck bestellt.

In den Akten der Amönauer Pfarrei tritt Löwenstein v. Rehen in den Jahren 1568 bis 1579 als Besitzer des Amönauer Gutes auf. Neben diesem Burgsitz besaß Löwenstein v. Rehen noch drei Höfe zu Treisbach und weiteren Grundbesitz in den anliegenden Ortschaften, u. a. in Wetter. Auch war er der Erbauer der Hessler-Mühle, mit deren Wasserrecht sein Sohn Franz 1573 belehnt wurde.

Löwenstein v. Rehen ist der erste Besitzer, der persönliche Erinnerungen mit seinem Grabstein hinterlassen hat. Dieser ist an der nördlichen Außenwand der Kirche eingemauert  und enthält die nur sehr schwer leserliche Inschrift:   

Ritter von Rehen

“... 1578 den 31. Octobris ist in Gott seliglichen endschlafen, der edle und ernveste …tein von Rehen"

Die Schlussworte sind am Sockel unter der Erde vergraben.

Auf dem Grabstein sind folgende Wappen dargestellt:

Die oberen Wappen:

links: Familie v. Rehen: ein nach rechts gewandten Hahnenkopf (Vater)

rechts: das Wappen der Familie v. Hohenfels (Ehefrau(!) anstelle des sonst üblichen Wappens der Mutter)

Die unteren Wappen:

links: das Wappen der Familie Schaufuß (Mutter (!), anstelle des sonst üblichen Wappens der Großmutter väterlicherseits)

rechts das Wappen der Familie v. Fischborn (Großmutter mütterlicherseits)

Geht man von einer üblichen (heraldischen) Anordnung der Wappen aus, so ist hier diese hier nicht gewahrt worden. Das Wappen Nr.2 (oben rechts) zeigt das Wappen von Löwensteins Frau, Eila v. Hohenfels zu Eckelshausen, die Mutter des bereits 1576 vor seinem Vater verstorbenen Franz v. Rehen. Hier würde man das Wappen der Mutter von Löwenstein v. Rehen erwarten, also das Wappen der Familie Schaufuß. Anstelle des Wappens der Familie Schaufuß (unten links) müsste das Wappen der Familie v. Dalwigk (Großmutter väterlicherseits) stehen.

Franz v. Rehen, der einzige Erbe von Löwenstein v. Rehen und seiner Frau Eila v. Hohenfels, war mit Anna Wolff v. Gudensberg verheiratet. Er starb bereits vor seinem Vater im Jahre 1576. Aus dieser Ehe entstammten drei Töchter, Anna Catharina, Elisabeth, Gertrud und fünf Söhne, Hans Wilhelm, Hartmann, Löwenstein, Johann Peter und Jost. Elisabeth heiratete am 7. Februar 1592 in Marburg Johann Scheuerschloß, Hofdiener von Landgraf Ludwig dem Älteren. Johann Scheuerschloß starb bereits am 2. November 1593. Die Söhne Hans Wilhelm und Löwenstein starben bereits vor 1593, Johann Peter von 1594. Hartmann v. Rehen war mit Lucretia Marschalk verheiratet. Sie hatten mehrere Kinder, jedoch ist in einer Lehnsurkunde von 1638 nur noch Sohn Franz benannt, der nach einer kinderlosen Ehe 1649 starb.

Jost v. Rehen heiratete am 12.10.1594 Catharina Schlaun v. Linden, Tochter Eberhards Schlaun v. Linden und Merge v. Twiste. Auch durch diese Ehe bestand eine Verbindung mit der Familie von Hohenfels. Catharina Schlaun v. Linden war die Großnichte Gertruds Schlaun v. Linden, die mit Andreas v. Hohenfels zu Amönau verheiratet war.

Die Familie von Jost v. Rehen hat den zweiten Grabstein hinterlassen, der sich in der Amönauer Kirche im hinteren Altarraum befindet. Der Gedenkstein ist ihren zwei Kindern, offensichtlich ein Zwillingspaar gewidmet, die kurz hintereinander verstorben sind.

Kinder von Rehen


Die Inschrift lautet: „ANNO 1595 5. Augusti NN ET ANNO sequentI 96 DIE 8.7temb. HERMANNUS á REHEN cum lucem accepto baptissmo vix aspexisset domino spiritum reddiderunt. (kaum das er das Licht erblickte [starb er], nachdem er die Taufe empfangen hatte. Sie gaben ihren Geist dem Herrn zurück)“

Das erste Kind, mit NN gekennzeichnet, starb demnach bereits am Tag seiner Geburt am 5. August 1595, sein Bruder Hermann starb im darauf folgenden Jahr am 8. September 1596, nachdem er die Taufe erhalten hatte. Das Grabmal wurde 1596 für beide Kinder errichtet. Die Herkunft der Kinder lässt sich anhand der dargestellten Wappen ablesen.

Die oberen beiden Wappen sind:

links: Familie v. Rehen (Vater)

rechts: Familie Schlaun v. Linden (Mutter)

Die unteren Wappen sind:

links: Familie Wolff v. Gudensberg (Großmutter väterlicherseits)

rechts: Familie v. Zwiste (Großmutter mütterlicherseits).

Jost von Rehen muss laut der Urkundenlage kein angenehmer Zeitgenosse gewesen sein. So liegen über ihn mehrere Klagen über Gewaltexzesse, als auch deren Ahndung vor, die unter anderem durch seinen Bruder Hartmann eingereicht wurden.

1607 verkaufte Jost v. Rehen das Gut an Johann von Bodenhausen für 9000 Gulden. Sein Bruder Hartmann verkaufte ebenfalls die nassauischen Lehen zu Amönau an Johann (Hans) v. Bodenhausen. Hartmann v. Rehen starb 1607. Jost v. Rehen versuchte sich wohl erfolglos in Frankenberg niederzulassen, ein Frankenberger Pfarrer verhinderte den Ankauf von Gütern seinerseits. Er starb 1612 und hinterließ eine Witwe und zwei unmündige Töchter. Damit endet die Linie der Familie v. Rehen zu Amönau.

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Die Familie von Bodenhausen

 

Als erster Vertreter des Geschlechts derer von Bodenhausen ist Ardimarus im Jahre 1109 bezeugt. Vermutlich stammen sie von einem Zweige des rheinischen Geschlechts von Saulheim. Die welfischen Herzöge belehnten 1318 die auf Burg Arnstein bei Witzenhausen ansässigen Herren von Bodenhausen mit der Vogtei (Schutzherrschaft) über das nur wenige hundert Meter in der Nähe befindliche Dorf Bodenhausen. Die Familie spaltete sich im 16. Jahrhundert in mehrere Linien auf. Zur Linie Niedergandern (bei Friedland) gehört Otto Heinrich von Bodenhausen auf Niedergandern (1531-1577); er war verheiratet mit Susanna von Hanstein (1542-1601). Sie hatten zusammen zehn Kinder, darunter Melchior, der Begründer der Linie der von Bodenhausen auf Niedergandern und Hans (Johann,*14. März 1570 zu Roda), der Begründer der Linie zu Amönau. Hans von Bodenhausen, der Jura studiert hatte, stand ab 1597 als Hofjunker im Dienst der Landgrafen Ludwig IV. bzw. Moritz von Hessen. Er war ab 1606 Landvogt an der Eder mit Sitz im Kloster Georgenberg in Frankenberg. Vielleicht um näher bei Marburg zu wohnen, kaufte Hans von Bodenhausen 1608 das Gut zu Amönau von Jost von Rehen für eine stattliche Summe von 9000 Gulden. Er wurde noch im selben Jahr mit dem halben Zehnten zu Amönau und dem ganzen Zehnten zu Todenhausen belehnt. 1611 erklärte er sich zu Leitung der Marburger Regierung (im Sinne eines heutigen Regierungspräsidenten) bereit, musste dieses Ansinnen jedoch aufgrund seines schlechten gesundheitlichen Zustandes wieder aufgeben. Hans von Bodenhausen starb bereits im September 1612 im Alter von 42 Jahren.

1603 heiratete er in Gießen. Seine Frau Hedwig Rau von Holzhausen war die Tochter von Rudolf Wilhelm Rau von Holzhausen zu Nordeck (*1549 + 1611), des Landvogtes an der Lahn und dessen Frau Dorothea von der Grün. Hans und Hedwig von Bodenhausen hatten sieben Kinder, die Söhne Moritz (*1604 +1686), Kraft, Otto Rudolf (+ vor 1631), Wilke, Johann (+ vor 1636) und die Töchter Susanna und Elisabeth Marie (*1612 + 1702). Die Söhne Kraft und Wilke sowie die Tochter Susanna starben bereits „vor dem Vater“, also vor 1612.

Moritz von Bodenhausen, der älteste Sohn von Hans von Bodenhausen, der auf dem Gut lebte, heiratete 1634 Anna Margaretha von Morungen. Sie war die Tochter des Wolfs von Morungen auf Obersdorf und seiner Frau Margarethe, geborene von Hacke. Moritz und Anna Margaretha von Bodenhausen hatten fünf Kinder, die Söhne Johann Wolf zu Amönau, Jost Albrecht, Otto Rudolf und Georg Adolf und eine Tochter Anna Dorothea. Johann Wolf zu Amönau (*1635 +?), der älteste der vier Söhne, lebte 1680 in Oldenburg, seine Frau verstarb 1712 in Witzenhausen. Die Ehe blieb kinderlos. Die einzige Tochter Anna Dorothea heiratete Ludwig Christoph zu Boyneburg gen. Hohenstein zu Elbersdorf. Von den Söhnen Jost Albrecht und Georg Adolf sind keine Geburts- oder Sterbedaten überliefert.

1657 starb Anna Margaretha von Bodenhausen, geborene von Morungen, und wurde in Amönau beigesetzt. Hierüber findet sich eine Eintragung im Amönauer Kirchenbuch. 1684 verkaufte ihr Sohn Johann Wolf zu Amönau zusammen mit seinem Vater Moritz das Gut Amönau an seinen Vetter Bodo von Bodenhausen. Moritz von Bodenhausen starb 1686. Mit seinem Tod starb die direkte Linie der von Bodenhausen auf Amönau aus.

 

Wenngleich aus den Einträgen im Kirchenbuch eindeutig hervorgeht, daß die Mitglieder der Familie in Amönau d.h. auf dem Friedhof um die Kirche begraben wurden, finden sich leider keine Grabsteine mehr. Es ist jedoch ein Grabstein für ein Kind erhalten, der für einen Sohn der Familie von Moritz und Anna Margarethe von Bodenhausen errichtet sein könnte. Dieser lag, wie das beigefügte Foto im Aufsatz zeigt, in zwei Teile zerbrochen vor der Kirche zu Amönau. Inzwischen ist dieser Grabstein im Rahmen von Aufräumarbeiten rund um die Kirche in Privatbesitz übergegangen und auf diese Weise erhalten geblieben. Er wurde wieder repariert und ist im Garten der Familie aufgestellt.

Grabstein Kind von Bodenhausen

 

Die vier Wappen auf dem oberen und unteren Teil des Grabsteins beweisen die adlige Abstammung des früh verstorbenen Sohnes, dessen Bedeutung als Namensträger der Familie wichtig war. Das umlaufende Schriftband ist in deutscher Sprache abgefasst, die noch lesbaren Teile am unteren und seitlichen Rand lauten „(entsc)hlafen seines Al(ters) .... (J)ahr ..weniger  Wochen.

Die oberen beiden Wappen sind bereits stark verwittert und nicht mehr lesbar. Hier befanden sich die Wappen der Eltern. Die unteren beiden Wappen sind dagegen noch gut zu erkennen:

links unten: Familie Rau von Holzhausen (Großmutter väterlicherseits)

rechts unten: Familie von Hacke (Großmutter mütterlicherseits)

Somit lässt sich dieser Stein sicher der Familie von Moritz von Bodenhausen zuordnen. Untermauert wird diese Zuordnung durch einen Eintrag im Kirchenbuch von Amönau. Hier findet sich im Jahre 1643 folgender Eintrag. „..Otto Rudolph von Bodenhausen, Junker Moritz von Bodenhausen vielgeliebtes Söhnlein begraben worden… den 5. September.“ Dies lässt den Schluss zu, daß es sich hierbei um den Grabstein für den bereits verstorbenen Sohn des Paares handeln könnte. Dass in dieser Familie noch ein weiterer nachgeborener Sohn den Namen eines bereits verstorbenen Bruders erhielt, war durchaus üblich.

Neben diesem Grabstein hinterließ die Familie von Bodenhausen ein bedeutendes Andenken an ihre Familie, das noch heute ein Aushängeschild unseres Ortes ist und als Motiv für Otto Ubbelode zur Illustration des Märchens Rapunzel diente. Das berühmte Lusthäuschen – unser Rapunzelhäuschen - erbaute Hedwig von Bodenhausen geb. Rau von Holzhausen wahrscheinlich zum Andenken an ihren verstorbenen Mann Hans von Bodenhausen im Jahre 1615. Die Witwe Hedwig von Bodenhausen geb. von Holzhausen, wird auch in der Gedenktafel an der Außenwand des Lusthäuschens, die die Wappen der Familie von Bodenhausen und der von Rau von Holzhausen trägt, genannt:

Rapunzelhaeuschen      Ubbelohde Illustration

HEDWIG JOHANIS CONIUX QUONDAM / A BODENHAUSEN /
QUI VITA HEIC FUNCTUS VIVIT IN ARCE POLI /
RAU HOLTZHUSANO PROGNATA EST ET MATE FECIT
COMMODA UT HAEC SEDES TUTA ET AMAENA / FORET
HINC HAE STANT AEDES MURI VI
RIADARIA PORTA
HINC PLURA AUXILIO SUNT FABREFACTA DEI
FAC DEUS UT PIETAS ET PAX SE
DE PERENNENT
SINTO HABITATORES JUGITER INCOLUMNES,

Inschrift

Diese Inschrift am Lusthäuschen lautet in freier Übersetzung:

Hedwig, Gattin weiland Johannis von Bodenhausen,
der hier lebte und jetzt im Himmel weilt,
geborene Rau von Holtzhausen gibt kund und
wünscht, daß dieser schöne Sitz sicher und lieblich bleibe
Gebäude und Mauern, die hier stehen und das Riedtor sind mit Gottes Hilfe erbaut,
gib Gott, daß Frömmigkeit und Friede an diesem Ort verweilen
und gib seinen Einwohnern dauerndes Wohlergehen.

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In dieser Zeit ereignete sich auch der Streit, den es anlässlich der Einführung des reformierten Kultus (1605) wegen des aus der Kirche in den Lustgarten des Junkerhofes überführten Taufsteines gab:

Bei Einführung des reformierten Kultus während der Calvinisierung von Hessen hatte die Familie von Bodenhausen den Taufstein aus der Kirche entfernen lassen und in dem Garten des Junker-Lustgartens als Wasserstein aufgestellt. Auf Befehl der Generalkirchenvisitation vom 15. Oktober 1628 musste die adlige Witwe diesen Stein wieder in die Kirche zurückbringen lassen. Darüber entstand großer Hass. Als die Herrschaft einst Besuch hatte, drang derselbe durch die Türe des Adelsstandes (Eingang an der Orgel) in die Kirche ein und riss dort das neu aufgestellte Kruzifix herunter. Die Spannungen zwischen dem damaligen Pfarrer Wilhelm Euchenius von Naumburg, der von 1624 1639 hier amtierte, und der Familie von Bodenhausen nahm immer mehr zu. Dieser Pfarrer, der im September 1624 das lutherische Bekenntnis wieder einführte, bekam immer neue Schwierigkeiten. Das Gesinde auf dem adeligen Hof pflegte an Sonn- und Bettagen Hasenjagden abzuhalten und entzog sich so der kirchlichen Buße. Dazu kam 1635 noch die Pest, welche zuerst in Warzenbach und dann im folgenden Jahre am heftigsten in Amönau wütete. Im Kirchspiel starben 202 Personen. Als vom 20. - 27. Juni acht Personen in Warzenbach gestorben waren, konnten die kirchlichen Beerdigungen wegen der Räubereien und Plünderungen der niederhessischen Truppen nicht durchgeführt werden. Dies geschah erst später. Euchenius, der auch Schwierigkeiten mit dem Rentmeister von Wetter bekam, die beinahe in Tätlichkeiten ausarteten, konnte bei noch zunehmenden Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten mit der Witwe von Bodenhausen diese Auseinandersetzungen nicht siegreich beenden. Im Juni 1639 wurde er suspendiert und starb bereits im  September des Jahre 1639.

Die Familie von Riedesel zu Eisenbach auf Amönau

 

1684 kaufte Bodo von Bodenhausen, Erbherr auf Niedergandern bei Friedland den Burgsitz in Amönau seinem Vetter Moritz von Bodenhausen zu Amönau und dessen Sohn Johann Wolf von Bodenhausen ab.

Maria von Bodenhausen, die Tochter Bodos von Bodenhausen, hatte bereits 1680 auf Schloss Eisenbach Georg XII. von Riedesel (*1647 +1704) geheiratet. Am 1. Januar 1687 verkaufte Bodo von Bodenhausen seinem Schwiegersohn Georg von Riedesel den Gutshof mitsamt den Lehen für 8000 Reichstaler. Die Bedingungen für den Verkauf lauteten: 1. Georg von Riedesel wird als Lehnnachfolger anerkannt. Er erkennt ebenfalls weiterhin die von Bodenhausen als seine etwaigen Lehnnachfolger an, so dass die von Bodenhausen den riedeselischen Töchtern oder Landerben 2000 Reichtaler für das Lehen auszahlen müssen, falls Georgs Familie im Mannesstamm aussterben sollte. Die Töchter oder Söhne werden das Lehen nicht eher herausgeben bis die 2000 Reichstaler bezahlt sind. 2. übernimmt es Georg vollständig den Gesinde- und Handwerkerlohn auszuzahlen. 3. behält Georg die 4000 Reichstaler Ehestiftung ein, die seine Gattin als Tochter des Verkäufers erst nach dem Tode der Eltern erhalten sollte. 4. übernimmt Georg einige passive Schuldposten seines Schwiegervaters. 5. erhält Georg alle auf Amönau bezüglichen Urkunden und Akten. 6. übernimmt er 1615 Reichstaler an Schulden, die von Moritz von Bodenhausen und dessen Vater herrühren. Die Belehnung Georgs von Riedesel mit dem halben Zehnten zu Amönau erfolgte am 4. April 1702.

Georg und Maria von Riedesel hatten 10 gemeinsame Kinder, 5 Söhne und 10 Töchter, dennoch blieb das Gut Amönau nur 24 Jahre in dieser Familie. Georg von Riedesel zu Eisenbach, der aufgrund vorheriger Erkrankungen bereits in seinen letzten Lebensjahren kränkelte, starb am 19. August 1704 im Alter von 57 Jahren auf einer Reise ins Vogtland in Niedertreba auf dem Gut seines Schwagers Dietrich Lebrecht von Bodenhausen. Er wurde auch dort in der Kirche beigesetzt. Der Grund der Reise war wohl, ausstehende Schulden einzutreiben. Seine Ehefrau Maria Freifrau von Eisenbach, geborene von Bodenhausen, konnte wohl aufgrund der hohen Verschuldung den Burgsitz nicht für die Familie erhalten. So verkaufte sie ihn im Jahre 1710, mit Zustimmung ihres ältesten Sohnes Hermann und ihrer Brüder als Mitinhaber der Lehen, für 10 800 Reichstaler an Carl Eberhardt von Baumbach. Die Vorverhandlungen zum Verkauf begannen bereits im Jahr 1708. 1708 erfolgte die Zustimmung der Brüder Marias von Bodenhausen zum Verkauf des Gutes. 1710 gab Fürst Wilhelm zu Nassau ebenfalls seine Zustimmung zum Verkauf der Lehen von Amönau und Dodenhausen. Bereits am 5. Mai 1711 starb Maria von Bodenhausen im Alter von 48 Jahren auf Schloss Eisenbach.

 

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Die Familie von Baumbach

Schloß Amönau

 

Die Familie von Baumbach hatte ihren Stammsitz unterhalb Rotenburg in dem am linken Ufer der Fulda gelegenem Dorf Baumbach. Der erste von Baumbach, der 1246 urkundlich erwähnt wurde, war Herdegnus de Bombach, miles (Soldat). Er und seine Gemahlin schenkten dem Stift Hersfeld Güter, um für ihr Seelenheil zu sorgen. Die urkundlich beglaubigte Familienreihe begann mit Helmerich de Bombach. Dessen Sohn Ludwig war der Erbauer der Burg Tannenberg, der Stammburg der Familie, bei Nentershausen im Kreis Rotenburg an der Fulda, einer als den Landgrafen von Hessen lange Zeit als Grenzfeste gegen Thüringen dienende Burg. Die Familie von Baumbach gehört zur Althessischen Ritterschaft. Das Wappen stellt einen liegenden silbernen Halbmond auf blauen Grund dar, der mit je einem goldenen Stern an den Hörnen verziert ist. Beide Symbole -der Halbmond und der Stern – wurden in das Amönauer Wappen aufgenommen.

Für die Familie von Baumbach zu Amönau ist die Ruhlaer Linie der in Hessen weit verzweigten Familie der von Baumbach Ausgangspunkt.

Die Ruhlaer Linie führt ihren Namen von dem vor Nentershausen gelegenem Hof Ruhla und wurde von Ewald von Baumbach (+1555) begründet. Sein Sohn war Ewald II. (*1539 +1597), dessen Sohn Ludwig (*1591 +1617) setzte die Linie fort. Ludwigs Sohn Burkhard (*1600 +1637), hinterließ einen Sohn Otto Christoph (*1627 +1683). Otto Christoph von Baumbach war sieben Jahre Gesandter im Dienst Hannovers, studierte ein Jahr in Padua, wurde dann geheimer Rat und Hofmeister. Er ging als Gesandter nach Wien und starb als Berghauptmann und Obervogt mehrerer württembergischer Ämter im Jahre 1683.

Als im 17. Jahrhundert die Räumlichkeiten der Burg für die mittlerweile sehr stark angewachsenen Familie nicht mehr ausreichten, verkauften die drei Söhne von Otto Christoph von Baumbach, Christian Heinrich, Carl Eberhard und Adam Reinhard am 21. Juli 1698 ihre fünfachtel Anteile in Nentershausen, Ruhla und anderen Orten dem damaligen Landgrafen Karl und legten den Erlös in neuen Gütern an. So teilte sich die Familie von Baumbach weiter in die drei Linien zu Gilserhof, zu Freudenthal und zu Amönau.

Carl Eberhard von Baumbach (*1666 +1730 in Amönau) war 1705 Rittmeister in der hessischen Garde. Bereits 1708 kaufte er die Zehnten von Amönau und Totenhausen, im Jahre 1711 erwarb er von Maria Freifrau von Riedesel zu Eisenbach geb. von Bodenhausen das Schloss mit dessen Gütern zu Amönau. Zu diesem Zeitpunkt umfasst das Gut ca. 64 ha mit Waldungen zu Amönau mit Treisbach. 1746 wurde der Junkerhof „Freiadliger Hof“. Erst im Jahre 1871 wurde der aufgelöste Gutbezirk in die Gemarkung von Amönau eingemeindet.

Carl Eberhard von Baumbach war verheiratet mit Dorothea Elisabeth von Dalwigk-Campf (*1687 +1741). Die beiden hatten die Söhne Carl Ludwig (+1765) und Friedrich Ludwig (*1718 +1753) sowie eine Tochter, die mit Donat von Freywald zu Gemünden verheiratet war. Beide Söhne wurden in Amönau geboren und starben auch hier.

Friedrich Ludwig war verheiratet mit Wilhelmine Marianne von Berlepsch-Wickersdorf (*1727 +1794 in Amönau). Ihre gemeinsamen Söhne waren Carl Ludwig (*1745 +1794), Johann Hermann Friedrich Wilhelm auf Amönau (Landrat zu Marburg *1748 +1804), Carl Rabe (*1750 +1800), Friedrich Wilhelm (Oberst beim Landwehrregiment  Kassel, +1800) und Carl Friedrich Alexander auf Amönau und Gemünden (*1754 +1814).

Carl Ludwig wurde durch seine Heirat mit Amöne von Freywald, der Erbin von Gemünden, der Begründer der Linie zu Gemünden. Diese Linie erlosch bereits 1921 mit dem Tod Arnold Friedrich Georg Donat von Baumbach (*1846 +1921) im Mannesstamm. Arnold Friedrich Georg Donat von Baumbach war lange Zeit Vorsteher der preußischen Aussiedelungskommission in Posen und später der Generalkommission in Kassel. Er leitete 1909 die Verkoppelung (Flurbereinigung) in Amönau.

Johann Hermann Friedrich Wilhelm von Baumbach wurde der Begründer der Amönauer Linie des Hauses. Er war in erster Ehe mit Christine Loise Amöne Haller von Raitenbuch (*1749 +1793) und in zweiter Ehe mit Rebekka von Rotberg zu Rheinweiler verheiratet. Aus der ersten Ehe stammen die Söhne Karl Friedrich Philipp (*1777 +1847), Friedrich Philipp (*1778 +1828) und Wilhelm Friedrich Alexander (*1779 +1849) sowie die Töchter Christiane, Wilhelmine und Charlotte Anna (*1788 +1847). Charlotte Anna von Baumbach war seit dem 13. Juni 1814 mit Georg Friedrich Carl von Witzleben auf Weidelshofen, hessischer Ober-Landesforstmeister, verheiratet. Im Jahr 1818 ist im Amönauer Kirchenbuch der Tod des gemeinsamen Sohnes Friedrich Carl angezeigt, der im Alter von 18 Monaten verstarb und auf dem Friedhof neben dem Kirche, dem Stammsitz der Familie, beigesetzt wurde.

Johann Hermann Friedrich Wilhelm von Baumbach ist der erste Besitzer seit Löwenstein von Rehen (+1578), der wieder in Amönau begraben ist. An der Spitze des Reichspfuhl (Reichspeel), einem nördlich vom Schloss (etwa 400 m) über sanften Matten sich erhebenden bewaldeten Hügel liegt sein Grab. Über dem Grab stand ein Denkmal, welches heute an der inneren Nordseite der Mauer des Schlosses steht. Das Denkmal aus braunem hessischem Sandstein trägt folgende Inschriften:

Vorderseite
Hier ruhet Reinhard Wilhelm von Baumbach
geboren den 7. April 1748
gestorben den 23. Juni 1804
Kurhessischer Landrat
Edler Mensch und treu in der Erfüllung seiner Pflichten

Rechte Seite
Denkmal kindlicher Liebe und Verehrung

Rückseite
Ihre Gebeine ruhet ungestört

Das nächste Mitglied der Familie von Baumbach, das mit seiner Familie wieder das Schloss bewohnte war Norbert Ortwin August Wilhelm von Baumbach (*1900 +1971). Er war Kapitänleutnant und zuletzt Kapitän zur See im Reichswehrministerium, später deutscher Marineattache in Moskau, und nach dem Krieg bei der amerikanischen Besatzungsbehörde in Bad Homburg tätig. Norbert von Baumbach lebte mit seiner Familie von 1943 bis Sommer 1951 vorübergehend hier auf dem Schloss. Er heiratete 1931 in Berlin Irene von Kriegsheim (*1908 +1993). Sie hatten drei Töchter, Irene Irmgard Angela, Renate Klara Elisabeth Ehrengard und Daniela Amöne Sophie. Sein Bruder Reinfried von Baumbach war Landrat in Traustadt und zuletzt in Opladen, er lebte ebenfalls mit seiner Familie von 1945 bis Oktober 1951 in Amönau.

Seit 1927 war das Gut mit seinen Besitzungen an die Familie Pentzel verpachtet worden. Am 11. März 1954 lief die bereits verlängerte Pachtzeit ab. Seit dieser Zeit bewirtschaftete Norbert von Baumbach das Gut selbst. 1959 wurden große Teile der zum Schloss gehörigen Besitzungen an die Siedlungsgesellschaft Hessische Heimat mit Sitz in Kassel verkauft. Die Hessische Heimat verpachtete diese Besitzungen zum größten Teil an die Familie Schulze. Die Familie Schulze war als Flüchtlinge aus Pommern nach Amönau gekommen und kaufte in den 70er Jahren die Besitzungen der Siedlungsgesellschaft ab. Heute betreibt die Familie Schulze neben der Landwirtschaft noch eine Apfelkelterei und Mosterei.

Norbert von Baumbach, seine Frau Irene und die gemeinsame Tochter Renate sowie Reinfried von Baumbach liegen in der Familiengrabstätte der von Baumbach-Amönau auf dem Amönauer Friedhof begraben.  

Georg v. Braunschweig, der Ehemann von Renate v. Baumbach, war in 2. Ehe mit Eva v. Braunschweig  verheiratet und verstarb im Jahr 2004 in Wuppertal

Die Tochter Daniela von Baumbach ist seit dem 1. Juni 1974 mit Joachim von Biedenfeld verheiratet. Sie haben zwei Töchter. Das Ehepaar lebt z. Zt. auf dem Schloss zu Amönau.

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Amönau und seine Höfe bis ins 16. Jahrhundert
alte Höfe
Der alte Hof von Haambels (Nr. 19)

Erste Hinweise auf Höfe unseres Ortes finden sich in dem bereits angeführten Verzeichnis der Mannlehen des Stiftes zu Wetter, das um das Jahr 1200 entstanden ist. Solche Verzeichnisse, also Bestandslisten eines Klosters oder eines Stiftes sind in vielen Fällen die ersten überlieferten Nachrichten über Orte bzw. über Höfe, die für ein Kloster oder Stift die Ländereien bewirtschaften. In dem Verzeichnis von 1200 wird berichtet, dass außer den neun an Arnold von Hohenfels und den Söhnen seines Bruders zu Lehen gegebenen Höfen, von denen sich auch einige in Amönau befunden haben sollen, ein Hof in Amönau an Heinrich Greiz verlehnt worden war. Von diesem Heinrich Greiz hat sich ein Siegel mit dem Bild der Justizia, die auf einem Hund steht, im Staatsarchiv Marburg erhalten. Aus der Umschrift des Siegels geht hervor, dass Heinrich Greiz Stiftsherr in Wetter war.

In dem Jahre 1270 belehnte der Dekan und das Kapitel St. Stephan in Mainz die drei Söhne des Gumpert von Hohenfels, Konrad, Gumpert und Ekkehard und die Söhne des inzwischen verstorbenen Volperts gen. Hosekin, Craft und Volpert, mit dem Zehnten von Amönau, dem Kirchenpatronat, sowie den Gütern in Steinershausen [Sterzhausen] und der Hälfte des Zehnten zu Asphe gegen 5 Talente Denanien jährlich als Erblehen. Dieser Hof diente offenbar als Verwaltungsmittelpunkt des Stiftsbesitzes im Raum Wetter.

Der Deutsch-Ritterorden Marburg, Ballei Hessen, besaß ebenfalls schon frühzeitig einen Hof in Amönau. 1234 schenkte Graf Widekind von Naumburg zusammen mit seiner Gattin Osanna und dem gemeinsamen Sohn Volkwein seine Güter, die in den „in duabus villis, que Amenowe nuncupantur [in den beiden Dörfern, Amönau und Oberdorf, die Amönau genannt werden]“, lagen, dem Deutschen Orden zu Marburg. Anlass dafür war der Eintritt des Bruders von Graf Widekind, Ludwig von Naumburg in den Deutschen Orden. Graf Widekind hatte als Lehen von den Landgrafen von Thüringen den großen und den kleinen Zehnten zu Wetter, beides Lehen vom Bistum Mainz, welche er 1235 dem Kloster Haina übertrug. Die Grafen von Naumburg verfügten in Oberhessen, besonders in der Grafschaft Wetter über einen größeren Güterbesitz, dessen genaue Herkunft jedoch ungewiss ist. Möglicherweise war die Gräfin Osanna eine geborene von Hohenfels und ihr Mann erhielt die Güter ursprünglich vom Stift Wetter als Lehen.

1282 verkaufte der Ritter Konrad und sein Bruder Ruppert, beide genannt Vogel, an den Marburger Bürger Anselm den dritten Teil eines Hofes in Amönau „mit allem Recht, wie es Sibodo einst besessen hatte“. Da dieser Hof dem Stift Wetter gehörte, übertrugen die Brüder dafür ihren eigenen Hof in Oberwambach dem Stift zu Lehen. Der Amönauer Hof hieß nach seinem ehemaligen Besitzer „Sibodengut“. Die Tochter von Sibodo von Amönau heiratete 1325 Ludwig von Göttingen und begründete mit ihm die Linie der Familie von Göttingen und Sibode in Wetter.
Im Jahre 1287 verschrieb Sophie von Hohenfels, Witwe von Gumpert von Hohenfels, dem Kloster Caldern eine Rente von 2 Maltern Roggen und 1 Malter Hafer aus ihrem Hof zu Amönau. Auf diese Rente verzichtete 1303 das Kloster zugunsten des Sohnes Arnold von Hohenfels.
1299 verkaufte Ritter Kraft von Hohenfels, Sohn Volperts gen. Hosekin von Hohenfels, mit Zustimmung seiner Frau Elisabeth und all seinen Kindern beiderlei Geschlechts dem Kloster Caldern alle Morgen Landes zu Amönau, welche ihm einst von Aleydis (Adelheid) Inkluse zu stetem Besitz gegeben wurden.
In den Pachtregistern des Amönauer Deutschordenshofes von 1358 wurden als damalige Gutspächter des Ordenshofes Heinrich Holzerich, Johann Flemming und Konrad Hofmann aufgeführt. Der Grundbesitz bestand aus 107 Morgen Ackerland, 7 Morgen Wiesen. Die Pächter hatten jährlich zu entrichten: je zwei Gänse, zwei Herbsthühner, zwei Fastnachtshühner und je 2 1/2 Malter Korn, 2 bzw. 1 und 6 Malter Hafer und je 6 Pfg. Weisung nebst 3/3 Vorhur. 1404 verkaufte Ludwig von Hohenfels dem Deutschen Orden einen Hof mit Haus, Scheune und Garten.
1423 nahmen Henne Gnau und seine Gattin Lutze einen Hof zu Amönau vom Barfüßerkonvent zu Marburg und dem dortigen Schöffen Wiegand Klinghardt in Erbleihe, welchen die verstorbene Emelud Pochelmeus dem Konvent zuvor als Seelengerät vermacht hatte.
Im Präsenzmeisterbuch des Stiftes von Wetter von 1480 wurden für Amönau nur noch zwei und für Oberndorf nur noch einen Hof aufgeführt, die als ,,Unser lieben Frauengut in Wetter" bezeichnet wurden. Ein Junker Wigand und ein Junker Eckhardt besaßen je einen Hof in Amönau, einen dritten Hof besaß ein Andreas von Hohenfels. Der Pfarrer Mengoth von Wetter hatte von der Familie von Knobloch ebenfalls in Amönau einen Hof erworben, der im Jahre 1480 jeweils zur Hälfte an Henne Gnauwe und Heinz Mengel verpachtet wurde. Die genauen Pachtbedingungen sind im Präsenzmeisterbuch festgehalten.
Im dem „Einkünfteverzeichnis und Jahresabrechnung für die Vogtei des Stiftes Wetter“ aus dem Jahr 1528, wurden auf Blatt 25 die Einkünfte des Stiftes aus Amönau aufgelistet. So erhielt die Vogtei 12 Albus von Gütern zu Totenhausen und Ackern und Wiesen und zusätzlich noch 1 Albus und 2 Pfennige für die Propstei und 2 Pfennige für die Abtei. Diese Einnahmen setzten sich zusammen wie folgt: 2 ½ Albus bezahlte Henne Gomperts. 7 ½ Pfennige gab der Scharff von Gütern zu Totenhausen. 3 ½ Albus erhielt die Vogtei von Anna Brendels, der alten Rentmeisterin, von deren Gütern zu Totenhausen. 5 Albus bezahlten Jegerhentze und Staffel von ihren Gütern zu Totenhausen in die Abtei. 2 ½ Albus  und 2 ½ Pfennige bezahlten noch die Erben von Jegerhentze von dessen Gütern zu Totenhausen. (..) 7 Pfennige erhielt die Vogtei von Dromelhentze von dessen Gütern zu Caldern. 7 Pfennige gab Hans unter dem Kirchhof.
1531 erhielt Kunigunde von Riedesel, geborene von Hohenfels als Ausgleich für den Verzicht auf die hohenfelsische Güter eine Rente von 7 ½ Malter Frucht aus dem „Lindenhans Hof zu Amönau.“ Hier wurde der Hof, der zu den herrschaftlichen Höfen der Familie von Hohenfels gehört, mit dem Namen des Pächters bezeichnet. Dieser Hof ist mit dem im Salbuch von 1570 genannten Dammenhof identisch. In demselben Salbuch werden mit dem Krebelshof und dem Staffelnhof noch zwei weitere Höfe der Familie von Hohenfels aufgelistet. Diese drei Höfe standen „der Breun der von Hohenfels wegen eigentümlich“ zu. Gemeint ist damit wahrscheinlich die Ehefrau von Wilhelm von Hohenfels, Catharina von Hohenfels, eine geborene Braun von Nordeck. Diese erhielt seit dem Tode ihres Mannes 1541 eine jährliche Rente und eine Abgabe von den Höfen.
Um 1570 begannen die Landgrafen zu Hessen die Besitzverhältnisse im Land neu zu ordnen und sie durch ausgebildete Beamte in so genannte Salbücher eintragen zu lassen. Alle Gemeinden des Amtes Wetter, zu dem Amönau gehörte, wurden zwischen 1570 und 1592 in vier Salbüchern erfasst. Die Rechte und die Besitzverhältnisse der Höfe wurden durch die Rentmeister, die von Ort zu Ort zogen, festgehalten. Ziel dieser Salbücher war es außerdem für den Landesherren festzuhalten, mit welchen Einkünften zu rechnen sei.

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Im Salbuch von 1570 werden folgende Höfe mit ihren Eigentümern und ihren Bewirtschaftern aufgelistet:

Der Krebelshof Ein ganzer Hof, Eigentum der Braun von Hohenfels, bewirtschaftet von Mengeln Heinz und seinem Sohn Lebenstein.
Herrn Menges Schulshof Ein ganzer Hof, Eigentümer ist die Stiftsschule Wetter, bewirtschaftet von Mengeln Hans, Donges Fett und Mengeln Heinz.
Der Gnauenhof Ein ganzer Hof. Er gehört dem Kasten zu Marburg, bewirtschaftet von Hans Gnawe, Henn Gnawe und Fritz Gnaw.
Der Staffelnhof Ein ganzer Hof, „steht der Breun der von Hohenfels wegen eigentümlich zu“, bewirtschaftet von Jakob Staffel und Mengel Loitz.

Der Dammenhof

Ein ganzer Hof, „steht der Breun zu von wegen der von Hoinfels, ist ihr erbeigen“, bewirtschaftet von dem alten und jungen Lindenhans.

Der Walhof

Ein ganzer Hof, Eigentum von Dönges Fett, Loitz, Wuest, Drommeln Hans der Alte und Drommeln Hans der Junge

Der Räuckershof

Ein halber Hof, halb Eigentum von Volbert Fett, Bürger zu Wetter und halb von Lebenstein Wuest und Donges Fett.

Der Volquinushof

Ein halber Hof, der halb den Bewirtschaftern Wilhelm Fett und Loitz, Naumann und halb Jost Gompel, Bürger zu Biedenkopf, gehört.

Das Pinziersgut

genannt Gompertshof, ein ganzer Hof. Eigentum der Bewirtschafter Lebenstein, Mengel und Meurer Caspar der Engel.

Battenbeters Hof

genannt ,,Unser lieben Frauen Hof", Eigentum des Spitals in Wetter, bewirtschaftet von Hermann Lichtenfels und Paul Jäger.

Bitzenpetters Kotten

Eigentum des Kastens zu Amönau, bewirtschaftet von Bitzhenn.

Das Kottengütchen

Es gehört der Pfarrei Treisbach, bewirtschaftet von Jakob Leufer.

Das Gließengütchen

genannt das Kastengütchen, Eigentum der Kirche zu Amönau, bewirtschaftet von Hans Eckart.

Unser lieben Frauen Hof

Eigentum des Spitals in Wetter, zu einem 1/2 Hof bewirtschaftet von Heinz Ipper.

Das Kolengütchen

Eigentum des Spitals von Biedenkopf, bewirtschaftet von Peter Heller.


Die Einrichtung der so genannten Kastengüter fällt in die Zeit des Landgrafen Philipp des Großmütigen. Nach Auflösung der Klöster und anderer religiöser Einrichtungen als Folge der Einführung der Reformation im Jahre 1527 wurde das anfallende kirchliche Vermögen neu geregelt. 1530 entstand die erste Kastenverordnung, die das Armenwesen, das Schulwesen als auch die Besoldung der evangelisch gewordenen Pfarrer regelte. Der Pfarrer wurde oberster Kastenmeister und verwaltete die Kirchengüter, mit deren Ertrag Pfarrer und Arme des Ortes versorgt und die Kirche erhalten werden sollten.

In dem Salbuch von 1580 waren weitere Höfe in Amönau, die der Landgraf von Hessen im Jahre 1574 von Friedrich von Rolzhausen erblich angekauft hatte, unter den Namen der Pächter genau nach den einzelnen Gebäuden und Grundstücken verzeichnet. Der Besitz an Acker/Land wurde in Morgen und Mesten aufgeführt, der an Wiese/Heu in Heucheln.

1. Hof: Heinrich Ebell hat ein Gut auf acht Jahre gepachtet, die Hofraite liegt neben dem Wasser (Behausung, Scheune, Gadem, Schafstall, Kuhstall und Schweinestall) ein Baumgarten an der Behausung, ein Krautgarten unter dem Reichspfuhl, zwischen Fiesel Mergen und Hans Hellers Lehngarten, eine Wiese auf der Heldauff (Hälfte) an der Wetschaft und Heinrich Gümpels seligen Kinder Wiesen, eine Wiese an der Hard, zwischen der von Hatzfeld Wiesen und dem Wald, ein Acker zu 7 1/4 Morgen am Langen Gehölz, ein Acker zu 2 5/8 Morgen am Nacken zwischen Hermann Mengel und dem Treisbächer Wege.

2. Hof: Teil a) Wilhelm Staffels und Johann haben vom Landgrafen einen Hof zu achtjähriger Leihe, geben davon jährlich in die Rentnerei zu Wetter nach ,,Wetterisch Maß": 3 Malter, 4 Mesten Korn, 3 Malter 4 Mesten Hafer, 4 Gänse, 6 Hähne, 2 Hühner und ein Neujahr. Wilhelm Staffel hat diesen halben Teil des Hofes und bewohnt die Hofraite. Darauf steht je eine Behausung, Scheuer, Gaden, Stall, ein Baumgarten. Es gehören dazu 7 Wiesen in der Au vor dem Banbach, zwischen der Pfarrei und Dönges Fett Wiesen oberhalb von Amönau am gemeinem Wege nach Oberndorf, auf der Heldauf und eine Pferdehude; ferner 24 Äcker mit zusammen 61 Mesten Land: darunter 2 Mesten im Oberwetterfeld zwischen den gemeinen Wasserstaden und Hermann Mengels Lehnäcker, 2 Mesten auf dem Mühlenberg, 4 Mesten auf der Bett, 5 Mesten im Oberfeld an der Straße zwischen Hermann Mengels und Joachim Naumanns Lehnäcker, 1 Meste am Nacken, 4 Mesten hinter dem Hainchen,2 ½ Meste „der Diedenacker“ auf dem Hainchen, 2 ½ Mesten in der Fohnstall, 3 M. in Hemmichsacker, 1 M. auf dem Giren, 1/4 Landes auf der Hard an der Viehtrifft nach dem Schüßler (bei Treisbach), 4 Mesten auf dem Stück, 4 Mesten der ,,Heiligenkreuzacker", genannt zwischen Peter Hellern und Joachim Naumanns Äckern.

2. Hof: Teil b) Johann Wetscher zu Amönau hat den anderen Teil des Hofes gepachtet Dazu gehören 1 Baumgarten an Wilhelm Staffels Hofraite, 1 Wiese unterm Langenberge zu 5 Heucheln Heu und noch 7 Wiesen mit zusammen 13 Heucheln und ½ Wagen Heu am Bachstaden, vor dem Bannbach, auf der Heldauf, in der Asphe, dazu eine Pferdehude zu 1 Meste Land in der Au. Ferner 21 Äcker von zusammen 64 Mesten Land, darunter 4 Mesten oberhalb dem Heiligkreuz zwischen Wilhelm Staffel und Hans Gnaus Äckern und 1 Meste unter dem Ellenberg.

3. Hof: Hans Hellers Witwe zu Amönau hat auf acht Jahre einen Hof gepachtet und zahlt folgende Pacht in die Rentnerei Wetter in ,,Wetterisch Maß": 2 Malter 8 Mesten Korn, 2 Malter 8 Mesten Hafer, 3 Gänse, 4 Hähne, 2 Hühner und ein Neujahr. Nach ihr hatte Hermann diesen Hof gepachtet. Zur Hofraite gehörten Behausung, Scheuer und Stall, ein Gärtchen neben der Hofraide, ein Krautgarten unter dem Reichspfuhl, 9 Wiesen zu 8 bis 9 Heucheln oder Wagen Heu, 34 Äcker mit zusammen 96 Mesten Land, darunter der „Boddenacker“ zu 8 Mesten ,,am ganzen Hof", ein Acker von 8 Mesten am Erckelsberg, 3 Mesten an der Hellen, 5 Mesten am Hemmisacker. 1 1/2 Mesten im Krummenacker, 2 Mesten am Mühlenwege zwischen Matern Weißgerber von Wetter und Hans Drommels Ackern, 1 1/2 Mesten bei dem Heiligenkreuze zwischen Hans Gnauen und Heinz Yppers Äcker, 1 M. am Brückengraben zwischen dem Graben und dem gemeinem Wege nach Wollenberg.

4. Hof: Teil a). Hans Schiebermann und Lebenstein Mengels Witwe haben ebenfalls zusammen einen Hof auf acht Jahre gepachtet und geben in die Rentnerei Wetter jährlich: 3 Malter und 2 Mesten Korn, 3 Malter und 2 Mesten Hafer, 3 Gänse, 5 Hähne, 2 Hühner und ein Neujahr. Hans Schiebemann hat den halben Hofteil mit der Hofraite, auf der früher Hermann Mengel wohnte. Darauf stehen 1 Behausung, 2 Scheuern, 1 Gaden, alles zum halben Teil. 1 Gärtchen daran zu 1/2 Mesten Landes groß und gehört die anderen Hälfte zum anderen Teile dieses Hofes. Hans Schiebermanns Teil umfasste 5 Wiesen, darunter eine unter dem Hungerberge zwischen dem Pfarracker und dem Wasserstaden, eine in der Asphe, die Scheibelwiese genannt, ferner 22 Äcker mit zusammen 54 3/4 Mesten Land, darunter 5 Mesten auf der Heiden, 2 Mesten am Hosenacker, 4 Mesten am Stück zwischen der Pfarr Amönau Acker und dem Mühlenwege. 3 Mesten am Heiligenkreuz, zwischen Peter Hellers Lehnacker und dem gemeinen Wege, 1 M. im Kohn (Koin), ¼ Landes am Stück zwischen Deis Naumann und Johann Stuhlmanns von Wetter Äckern.

4. Hof: Teil b). Lebenstein Mengels Witwe zu Amönau hat den anderen halben Teil des genannten Hofes. Ihr gehört die Hälfte der Hofraite, welche vorher Hermann Mengel bewohnte, mitsamt den dazugehörigen Gebäuden, einer Behausung, 2 Scheunen, 1 Gaden und 1 Gärtchen daran. Dazu gehören noch fünf Wiesen, darunter eine die ,,Scheibelwiese" genannt, an der Pölschen Lehnwiese. Ferner 23 Äcker mit zusammen 60 3/4 Mesten Land, darunter 1 1/2 Mesten auf dem Lerchensberge zwischen dem Gemeindeweg nach dem Burgwald und Heinz Fieselers Acker, 3 Mesten am Drisch an dem gemeinen Wege nach dem Irsental, 1/2 M. am Mühlenwege zwischen dem Gemeindeweg und Konrad Dippels von Wetter Äckern, 1/4 Land im Scheid zwischen Johann Stuhlmanns von Wetter und Deiß Naumanns Äcker, 1 M. an der Koppen, 1/2 M. hinter der Koppen bleibt wüst liegen.

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Die Einwohner von Amönau

Einzelne Namensnennungen finden sich in Urkunden oder Salbüchern bereits recht früh. So übertrug 1263 laut Urkunde eine Gertrud von Amönau ihre Güter zu Allendorf dem Kloster Haina. In den Pachtregistern des Amönauer Deutschordenshofes von 1358 wurden als damalige Gutspächter des Ordenshofes Heinrich Holzerich, Konrad Hofmann und Johann Flemming aufgeführt. Bereits zu der Zeit von Sophie von Brabant, der Tochter der heiligen Elisabeth und Mutter des späteren Landgrafen Heinrich I., fanden Menschen aus Flandern in der Umgebung von Marburg eine neue Heimat. Diese Menschen nannte man „Flemminge“. 1423 nahmen Henne Gnau und seine Gattin Lutze einen Hof zu Amönau in Erbleihe. Der Pfarrer Mengoth von Wetter hatte in Amönau einen Hof erworben, der im Jahre 1480 jeweils zur Hälfte an Henne Gnauwe und Heinz Mengel verpachtet wurde.

Eine andere Quelle, die auch bereits recht früh Einwohner benennt, sind Gerichtsakten. So wurde 1560 Jacob Beer zu Amönau bestraft, da er im „adligen Wald“ gehütet hat. 1596 wurde Dreute, der Witwe von Peter Kern, der Prozess wegen Kindstötung des unehelich geborenen Kindes gemacht.

Die früheste erhaltene Aufzeichnung der Einwohner unseres Ortes stammt aus dem Jahre 1502:

Bewohner

 

Hier werden 26 Haushaltsvorstände aufgelistet:

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Im Salbuch von 1580 werden folgende selbständige Bewohner von Amönau aufgezählt:

Ackersleute

 

1. Andreas Koch

2. Anna Eulners

3. Caspar Meurer

4. Caspar Mengel

5. Clemens Bolandt

6. Deys Naumann

7. Donges Fett

8. Donges Jheger

9. Elisabeth Lindenhansen Witwe

10. Hans Fittich

11. Hans Schiebemann

12. Hans Gnaw (Gnau)

13. Hans Engel

14. Hans Veid

15. Hans Trommel

16. Heintz Meurer

17. Heinz Ypper

18. Henchen Mengel

19. Joachim Naumann

20. Johann von Ernsthausen

21. Jakob Gnaw

22. Lebenstein Wust

23. Ludwig Moller              

24. Loitz Wetscher

25. Lindenhansen Witwe

26. Lutz Wust

27. Lutz Meurer

28. Weigand Vaupel

29. Wilhelm Staffel

 

Einläufige

 

30. Andreas Pfalzgrave

31. Andreas Opperknecht

32. Andres Staffel

33. Claus Fittichs Witwe

34. Curt Eckhard

35. Deys Kelner

36. Gerhard Staffel

37. Georg Weißbrenners Witwe

38. Hans Schmidt

39. Hans Kern

40. H. Gnaw

41. H. Mengel

42. H. Staffel

43. Henn Pitz

44. Henn Geise

45. Henn Roidsmann

46. Heinz Fiesel

47. Hermann Wibbel

48. Hermann Pitz

49. Herm. Keller

50. Jakob von Allendorf

51. Jakob Jheger

52. Johann Eckert

53. Lebenstein Drommel

54. Lebenstein Schneider

55. Linden Heinz

56. Ludwig Fiesel

57. Merga Fieselke

58. Mulnhans

59. Peter Krieger

60. Peter Heller

61. Thomas Freudenberger

Im Salbuch von 1592 finden sich folgende Einwohner:

Einwohner


1. Anna von Rehen

(Witwe von Franz von Rehen)

2. Anna, Ludwig Müllers Witwe

3. Kaspar Meurer

4. Donges Jäger

5. Grete Steffes

6. Heintz im Brunnen

7. Hans Drommels Wittib

8. Hermann Lind

9 .Hans Schiffermann

10. Heinz Ipper

11. Hans Gnau

12. Hans Fittins

13. Hans Stoffel

14. Hans Eckhard - Opfermann

15. Hans Schmidt

16. Jakob Gnau

17. Johannes Soldat

18. Löwenstein Wüst´ Witwe

19. Lutz Naumann

20. Heintz Pitz

21. Volpert Mengel

22. Wilhelm Fett

23. Wilhelm Staffel

 

Ackersleute

 

1.Adam Wüst

2. Donjes Jäger

3. Gertraud, Hans Drommels relicta

4. Hans Staffel

5. Hans Schiffermann

6. Hans Gnau

7. Hermann Lindt

8. Jakob Grobe

9. Lutz Naumann

10. Löwenstein Wüst der Ältere

11. Volpert Mengel u. Hans Schmidt

12. Volpert Mengel der Ältere

13. Wiegand Vaupel

14. Wilhelm Fett

15. Wilhelm Stoffel

 

 

Einläufige

 

1. Andreas Jeger

2. Anna, Ludwig Müllers relicta

3. Andreas Stoffel u. sein Sohn Deis

4. Bernhard Lind

5. Balzer Schmidt

6. Caspar Maurer

7. Katharina, Hans Fetten relicta

8. Debes Cramer

9. Engel Eckhardt

10. Franz Fittich

11. Gerlach Staffels relicta

12. Hans Eckhard

13. Hans Otto, Schäfer

14. Hans Kern

15. Hermann Thomas

16. Hans Ebert

17. Hans Schmitt, Schäfer

18. Hans Koch

19. Heinrich Iser

20. Johannes Ernsthausen

21. Johannes Bolch

22. Jost Combecher

23. Johann Eckhardt

24. Johann Soldan

25. Jakob Fett

26. Jakob von Allendorf

27. Johannes Bettelnhäuser

28. Johannes Weißbender

29. Löwenstein Wüst

30. Paul Schmidt

31. Peter Landschneider

32. Peter Mengel

33. Siegfried Drommel

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Wie man hier deutlich sieht weichen die Schreibweisen der Namen voneinander ab, sie wurden oft nur nach Gehör aufgeschrieben. Etliche Namen wiederholen sich, einige Familien leben bis heute im Ort. Dort wo die Familien als Namensträger ausgestorben sind, hat sich der Familienname oft als Haus- bzw. Hofnahme bis heute erhalten.

 

In der Ortsbeschreibung von 1826 findet sich folgende Einwohnerliste:

Hier ist nur das steuerpflichtige Oberhaupt einer Familie aufgelistet. Wenn man die Zahl der Haushaltsvorstände mit 5-6 (Personen) multipliziert, erhält man eine ungefähre Einwohnerzahl:

Haushaltvorstände

 

1.   Schultheiß Dersch

2.   Johannes Koch           

3.   Johannes Fett III.

4.   Johannes Wiegand

5.   Johannes Jost Punter

6.   Johannes Althaus II.

7.   Heinrich Kraft

8.   Moritz Lind

9.   Heinrich Engel

10. Heinrich Ronzheimer

11. Heinrich Otto II.

12. Johannes Gärtner

13. Moritz Höbener

14. Johannes Gnau

15. Heinrich Günnbals Witwe

16. Heinrich Schäfer

17. Philipp Engel

18. Johannes Diel II.

19. Hermann Brössel

20. Johannes Hampel

21. Kaspar Schmidt

22. Jost Jäger

23. Heinrich Otto - Müller

24. Johannes Dersch I.

25. Johannes Muth

26. Johannes Schmidt

27. Hermann Wiegand

28. Jost Weide, Witwer

29. Seibert Battenfeld

30. Jost Muth, Witwer

31. Johannes Achenbach II.

32. Johannes Dersch III.

33. Johann Jost  Fett - Vorsteher

34. Johannes Dersch - Schultheiß

35. Johannes Brössel I.

36. Johannes Wiegand II.

37. Johannes Fett I.

38. Johannes Rösser I.

39. Johannes Hampel I.

40. Johannes Mengel

41. Michael George

42. Pfarrer Soldan

43. Schullehrer Landau

44. Heinrich Lettermann

45. Johannes Fett II.

46. Johannes Gnau II.

47. Johannes Jäger I.

48. Johannes Engel

49. Katharina Kraftin (Kraft)

50. Konrad Häußer

51. Johannes Althaus

52. Jost Milchsack

53. Christoph Häußer

54. Jost Dersch

55. Hermann Naumanns relicta

56. Johannes Höbener

57. Heinrich Schlösser

58. Jost Schmidt´s relicta

59. Michael Wagner

60. Johannes Koch II.

61. Jost Schneider

62.  Bäcker und Maurers relicta

63. Georg Hampel

64. Johannes Kombächer

65. Johannes Lind

66. Martin Staffel

67. Johann Jost Kloes

68. Johann Jost Muth

69. Hermann Balz

70. Johannes Diel I.

71. Johannes Rösser II.

72. Heinrich Gnau

73. Ludwig Kraft

74. Johannes Theiß

 

 

Beisitzer

 

1.   Heinrich Schmidt

2.   Johannes Schneider

3.   Katharina Landau

4.   Martin Ammenhäuser

5.   Elisabeth Berghöbern

6.   Gertrud Flammin

7.   Hermann Weide - Korbmacher

8.   Katharina Milchsack

9.   Maria Kraft

10. Margarethe Engel

11. Katharina Häusern

12. Margarethe Rösselin

13. Jost Weide - Schäfer

Weitere Zahlen über die Einwohner in Amönau:

 

1502


1577

 

1630

 

1681

 

1747

 

Verzeichnis der Mannspersonen

 

Salbuch

 

26 Haushalte

 

75 Haushalte

 

43 Haushalte (30-jähriger Krieg und Pest)

 

39 Haushalte

 

68 Haushalte

1630

 

  6 zweispännige Ackerleute

18 einspännige Ackerleute

19 Einläufige.

 

1776

 

2 Müller

4 Schmiede

6 Wagner

6 Zimmerleute

1 Kalkbrenner

5 Schneider

5 Leineweber

1 Wirt

2 Branntweinschenker und -brenner

6 Tagelöhner

9 Tagelöhnerinnen

4 Schäfer

 

1783

 

Vorbeschreibung

 

 

369 Einwohner davon:

84 Männer

92 Weiber

84 Söhne

92 Töchter

6 Knechte

11 Mägde

 

1838

 

76 Häuser:

 58 Ackerbau

 4 Gewerbe

 12 Tagelöhner

 

 66 nutzungsberechtigte

  8 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger

  2 Beisitzer

 

1861

 

509 evangelisch - lutherische Einwohner

    5 evangelisch - reformierte Einwohner

 

1895

 

Volkszählung

 

97 Wohnhäuser mit 98 Haushaltungen

512 Einwohner.

231 männliche

281 weibliche Personen

 

1903

 

Volkszählung

97 Wohnhäuser mit 100 Haushaltungen

510 Einwohner:

224 männliche

286 weibliche Personen

 

1925

 

665 Einwohner

 

1939

 

718 Einwohner

 

1950

 

985 Einwohner

 

1961

 

888 Einwohner

 

733 evangelische Einwohner

  34 römisch-katholische Einwohner

 

 

 

Erwerbspersonen:

216 Land- und Forstwirtschaft

131 Produzierendes Gewerbe

 42 Handel und Verkehr

 25 Dienstleistungen und Sonstiges

 

2007

 

 

953 Einwohner/innen

 

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In Amönau gab es zwei Mühlen:

1. Die Moardemühle vor dem Dorfe nach Ausgang Treisbach, gehörte 1580 dem Wetteraner Bürger Hans Stark.

Moardemuehle 1951

Verlauf Mühlgraben

2. Die andere Mühle lag unter dem Hessler, wurde von Löwenstein von Rehen erbaut und gehörte dessen Erben. Eine Zeit gehörte sie als freie adelige Mühle den Herren von Baumbach, die sie an Heinrich Otto als Erbleihe gegeben hatten.

HesslerMühle

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Flurbezeichnungen:
Von Amönauer Flurbezeichnungen erschien im Präsenzmeisterbuch von 1448:

Der Hessler (Hesseler), am Klenberg, Beschenzberg, am Brückengraben (Brückenäcker), am Obersten, Mittel- und Kirchbühl, an der Asphe, vor dem Bambach, am Eselpfad, auf der Scheppengewände, unter dem Rotenberg, auf der Haldaffe (Hälfte), im Scheid, im Faulengrunde, Unsere Liebfrauenwiese

Nach dem Salbuch von 1580 lagen die Amönauer Rottäcker am Hermenknechtsberge, am Eulenberg, am Bornköpfel, im Kom, am Wollenberg, am Merkensberg, im Florscheidt, am Treisbacher Pfad, vorm Bambach, auf dem Mühlenberge, am Heilgersberge, an der Treisbacher Seite, am Huckenpfuhl, am Warzenbächer Pfad zusammen waren es: 181 Morgen, 3 Mesten, 2 Wiertel, und 9 Ruten.

Die Kalköfen:

Eine Kalksteinader verläuft von Amönau in südlicher Richtung. Sie versenkt sich im Lahntal tief und tritt an dem anderen Ende bei Weitershausen wieder hervor. An diesen beiden Stellen wurde sie genutzt, d.h. es wurde Kalk gebrannt. Die Kalköfen - drei an der Zahl - wurden 1877/78 neu ausgebaut. Wie erzählt wurde, standen daselbst in der Blütezeit der Kalkbrennerei frühmorgens manchmal 30 und mehr Bauernwagen aus Nah und Fern, um den gebrannten Kalk abzuholen. Er wurde als Bau- und Düngekalk genutzt. Der am Ortsausgang in Richtung Oberndorf links gelegene Ofen war der am meist benutzte. Er wurde nach dem 1. Weltkrieg in den Jahren 1924 - 25 von der Firma Bieker erneuert und als Hochofen ausgebaut.

Kalkwerk

Nach dem 2. Weltkrieg konnte der Ofen bei Dauerbrand nicht allen Anforderungen genügen. Seit etwa 1949 ging die Kalkbrennerei zurück. Andere Werke arbeiteten rentabler, hinzu kam die schlechte Verkehrsanbindung, so dass der Amönauer Kalk für die Konkurrenz zu teuer war. Seit 1951 waren nunmehr sieben Personen beschäftigt und es wurde Schotter zum Straßenbau gemahlen.

Ende der 50er Jahre wurde der Betrieb noch einmal mit einer neuen Schotteranlage versehen. Die gleichen Probleme, wie ehedem der Kalkofen, bedingten Ende der 60er Jahre die Schließung des Betriebes. Seitdem verfielen die Gebäude, so daß schließlich eine Abrissverfügung im Jahre 1981/1982 den völligen Abbruch der Gebäude bedeutete.

Abriss

Am Dorfausgang in Richtung Treisbach, auf der rechten Seite, lagen die Reste eines Ofens bis in die 30er Jahre. An seiner Stelle ist 1949 ein Wohnhaus (Stiefel) erbaut worden.

Steinbruch hinter Stiefel

Ein dritter Ofen lag bei Oberndorf, in dem 1729 noch Kalk gebrannt wurde. Später ging die Brennerei zurück und schlief schließlich ganz ein. Der Kalkofen wurde abgebrochen und nach Dilschhausen bzw. Weitershausen verlegt.

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Der 30-jährige Krieg:

Im Jahre 1635 wütete die Pest in dieser Gegend. Zunächst in Warzenbach und später auch und am schlimmsten in Amönau. Im Kirchspiel Amönau starben 202 Personen.

Im Jahre 1690 führte der Landgraf Carl das öffentliche Reformierte Religions-Exertitium zu Wetter ein. Man setzte auch einen reformierten Pfarrherrn nebst einem Schulmeister nach Münchhausen, welcher alle 14 Tage den reformierten Gottesdienst in der lutherischen Kirch zu Wetter versehen musste.

In Amönau haben die Reformierten nie festen Fuß gefasst. 1611 hatte sich die Gemeinde Amönau beim Konsistorium über die Predigten des kalvinistischen gesonnenen Pfarrers Huber beschwert. Bei Wiedereinführung des lutherischen Bekenntnisses wurde 1624 der Amönauer Pfarrer R. Beisenhirtz entlassen und Euchenius sein Nachfolger (1624-1639), der aber als Lutheraner mancherlei Widerwärtigkeiten durch die Adelsfamilie von Bodenhausen hatte ertragen müssen. Im übrigen war der oberhessische Adel, wie z. B. die Schenken zu Schweinsberg, die Rau zu Holtzhausen und die Milchling zu Theis a. d. Lumda, Gegner der so genannten Verbesserungspunkte, durch deren Einführung der Landgraf Moritz, ein unschlüssiger, wankel­mütiger, von den Radikalen getriebener Fürst, eine konfessionelle Zersplitterung des hessischen Territoriums (1605 - 1624) ver­ursachte. In dieser Zeit verließen etwa 60 überzeugte Pfarrer die Heimat. Moritz wollte mit der gewaltsamen Kalvinisierung seines Landes auch die politische Angliederung Oberhessens an Niedersachsen sichern. Die Verbesserungspunkte des Kalvinisten Moritz von Hessen, bezweckten bekanntlich die Beseitigung der lutherischen Lehre von der Ubiquität (leibliche Allgegenwart Christies), die Einführung der reformierten Zählung der 10 Gebote, Ersetzung der Hostie durch das Brot brechen beim heiligen Abendmahl, Entfernung der Bildwerke aus den Kirchen.

Der Siebenjährige Krieg:

Das Lagerbuch von 1786 berichtet, dass in den letzten französischen Kriegen die Gemeinde hart mitgenommen worden sei. Sie musste vom herrschaftlichen Rentnereiboden zu Wetter allein für 400 Taler Saatfrüchte kaufen. Diese Summe entlieh Amönau vom Bürgermeister Sommer aus Laasphe. Als Pfand oder Hypothek ist der vorderste Teil vom Schüßler eingesetzt worden.

Da die Gemeinde keine eigene Braugerechtsame für Bier mehr hatte, musste dieses in Wetter geholt werden. Damals hatte das Dorf 69 Feuerstätten außer dem herrschaftlichen Hause, der Pfarrer - und Schulwohnung. An Einwohnern wurden gezählt: 87 Männer, 92 Weiber, 84 Söhne, 92 Töchter, 6 Knechte, 11 Mägde - zusammen 369 Einwohner. Unter ihnen waren 2 Müller, 4 Schmiede, 6 Wagner, 6 Zimmerleute, 1 Kalkbrenner, 5 Schneider, 5 Leineweber, 1 Wirt, 3 Branntweinschenker und -brenner, 4 Schäfer. Die eine der zwei Mühlen am Westausgang des Dorfes (Marthemühle) betrieb damals Johannes Peuker. Die einzige Wirtschaft betrieb Michael Milchsack im Gemeinderathaus (Rothwirts) für die Pacht von 10 Talern, doch ging sie schlecht.   Michael Ludwig und Johannes Eckhard betrieben je eine Schnapsbrennerei, durften aber nicht einzeln verkaufen.

Über die direkten Auswirkungen des Krieges auf die hiesige Bevölkerung ist weiter nichts zu erfahren. Über Lage und Verlauf ist folgendes zu berichten:

Nachdem im Sommer 1757 Marburg von den Franzosen besetzt worden war, mussten sie nach ihrer Vertreibung unter Soubise aus Niederhessen durch Herzog Ferdinand von Braunschweig im folgenden März die Stadt räumen und Prinz Isenburg schlug sein Haupt­quartier in Marburg auf. Etwa 3500 Mann lagen in der Stadt und in den umliegenden Dörfern. Man erwartete von Süden her einen Angriff der Franzosen und versperrte die Zugänge zum Lahntal, dem Ebsdorfer Grund und die Schlucht bei Bortshausen. Am 14. Juli 1757 lieferte Isenburg den vordringenden Truppen Broylius ein siegreiches Treffen bei Sichertshausen, konnte aber ihren Vormarsch im Endeffekt nicht aufhalten.

Am 16. Juli zog Broylin in Marburg ein, das Schloss wurde sofort besetzt und ein Lager auf dem Glaskopf eingerichtet. Oberst Trumbach wagte zwar 1759 einen Überfall auf die Stadt, musste aber wieder umkehren, weil Herzog Ferdinand infolge der Niederlage bei Bergen in nördlicher Richtung an Marburg vorbei ins Schwalmtal zog. Die Franzosen zogen dann aber ihre Truppen aus Hessen zurück, da sie bei Minden eine empfindliche Niederlage erlitten hatten. Ende August 1759 bezog das französische Heer unter Contates ein befestigtes Lager bei Großseelheim, Broylin deckte bei Cölbe den Übergang über die Lahn. Ziegenhain fiel und Wetter wurde am 28. August das Hauptquartier von Herzog Ferdinand.

Schanzen zwischen Brungershausen und Warzenbach wurden damals wohl auch erbaut, die noch erhalten sind, bis auf eine Anlage, die im Zuge von Erdarbeiten abgegraben ist. Auch eine weitere Anlage wurde zerstört. Wenn man den Zugstreckenweg von Warzenbach nach Brungershausen benutzt, so liegen die Schanzen rechts des Weges, und das Waldstück, bei abfallendem Weg links, heißt „das Lager". Hier ist noch der Lucknerbrunnen zu sehen, der als Hauptquelle für die Brungershäuser Wasserleitung diente. Dieses Waldstück ist auch auf der Distriktkarte als ,,Lager" eingezeichnet. Hier hatte Graf Luckner im September 1759 ein Lager bezogen, um die zurückweichenden Franzosen zu beunruhigen. Diese Lucknerquelle erinnert an den kühnen Reiterführer, dessen Husaren über Michelbach vorstießen und am 2. September 1759 bei Niederweimar eine französische Feldwache überrumpelten. Die so genannten Franzosenlöcher bei Michelbach werden mit einem französischen Lager damals in Verbindung gebracht. Im September 1759 wurde Marburg wieder von den Hessen belagert. Nach 5 Tagen mussten 816 Franzosen auf dem Schloss kapitulieren, nachdem es von Oberstleutnant Huth mit 27 Geschützen vom Dammelsberg und der Kirchspitze aus beschossen worden war.

Im Sommer 1760 rückten die Franzosen wieder vor, Marburg und Frankenberg fielen in ihre Hände. Im Februar 1761 misslang ein weiteres Unternehmen der Hessen gegen Marburg. Am Elisabethtor fiell nach einem erbitterten Kampf der Oberst von Breidenbach, der in der Pfarrkirche sein Grab fand. Im September 1762 kampierte die alliierte Armee mit den Lucknerschen Husaren in Amönau.

Das letzte Kriegsjahr fand einen dramatischen Abschluss. Oberst Riedesel wagte im Juli einen Vorstoß bis Goßfelden. Ende August begann die Beschießung des Marburger Schlosses, die aber abgebrochen werden musste, da die Franzosen siegreich über Gießen lahnaufwärts vordrangen. Deren Hauptmacht nahm Stellung bei Schönach und Wehrda. Von den Hessen bezog der Erbprinz ein Lager bei Dannerod. Bei der Brückermühle stand anschließend Hardenberg, die Hauptmacht zwischen Wetter und Schönstadt, Gilsa bei Sarnau und Goßfelden, Conway auf dem Wollenberg, Luckner bei Warzenbach. Ihre Ohm- und Lahnstellung war also stark. Von besonderer Bedeutung war der Lahnübergang bei Goßfelden und die Stellung an der Brückermühle unterhalb der Amöneburg. Nach einem missglückten Durchbruch bei Goßfelden, kam es bei der Brückermühle zu einem sehr heftigen Kampf, bei dem 10 000 Kanonenschüsse gefallen sein sollen. Nach unentschiedenem Kampf war dem französischen Vormarsch aber Halt geboten worden und am 11. November schloss Herzog Ferdinand mit den Marschällen d´Estrees und Soubise im Brücker Wirtshaus einen Waffenstillstand, zu dessen Andenken die Friedenssäule im Hof der Mühle errichtet wurde. Die französische Artillerie rückte nach Frankfurt ab, Marburg blieb noch einige Wochen durch andere Truppenteile der Franzosen besetzt, aber zu Weihnachten konnten die hessischen Truppen Quartier nehmen.

Leider finden sich keine Aufzeichnungen über die Freiheitskriege gegen Napoleon 1812 und 1814 und ihre Auswirkungen in und über Amönau vor. Ebenso fehlen jegliche Unterlagen über die 300-Jahr-Feier der Reformation im Jahre 1817. Die einzigen Unterlagen sind die beiden Kriegergedenktafeln von Amönau und Oberndorf, die beide in der Kirche von Amönau aufbewahrt werden. Diese Tafeln wurden zur Verhütung der zunehmenden Unleserlichkeit der Inschriften im April 1921 durch den Kunstmaler Dauber in Marburg renoviert. Sie tragen die Unterschrift:

G.L. Soldan, Pfarrer

Joh. Dersch, Schultheiß (ehemalige Bezeichnung für Bürgermeister)

Amönau, den 15. Mai 1814

Die Inschrift der Amönauer Gedenktafel lautet:

Denkmal und Verzeichnis der braven und tapferen Vaterlandsverteidiger, welche aus der Gemeinde Amönau den ruhmvollen Kampf gegen Frankreich mitgekämpft haben:

1. Christian S o l d a n, Studiosus, Sohn des derzeitigen Pfarrers, Herrn Georg Ludwig Soldan, als freiwillig reitender Jäger,

2. Johannes R ö s s e r, des verstorbenen Heinrich Rössers Sohn, als gemeiner     Husar, Regiment Kurfüst,

3. Johannes M i l c h s a c k, Sohn des verst. Schullehrers H. Milchsack als Feldwebel beim Grenadier-Batallion,

4. Christoph H e u s e r , des Joh. Jost Heusers Sohn, als Corporal beim Grenadier-Batallion,

5. Heinrich D e r s c h , des Schultheiß Joh. Dersch´s Sohn, als gemeiner Grenadier,

6. Heinrich S c h e e r e r , Sohn des Andreas Scheerer, als gemeiner Grenadier,

7. Moritz D e r s c h , Sohn des Wiegand Dersch, als gemeiner   Füßelier,

8. Heinrich L i n n e , des Andreas Linne Sohn, als gemeiner Füßelier,

9. Johannes G n a u , des Kirchenältesten Heinrich Gnau Sohn, als gemeiner Musquedier,

10. Christoph S c h e f e r , Sohn des Heinrich Schefer, als gemeiner Musquedir

11. Johannes B e c k e r , Sohn des verst. Paulus Becker, als gemeiner Musquedir

12. Ludwig H e c k , Sohn der Maria Reitz'in, als gemeiner Musquedir

13. Seibert S c h e f e r , Sohn des Heinrich Schefer, gemeiner Musquedir

Unter dem Kommandant der Landwehr stehen:

14. Konrad H e c k e r , Sohn des verstorbenen Försters Hecker, als gemeiner Soldat

15. Johannes T h e i ß , Sohn des Nikolaus Theiß, als Corporal

Anno Domini 1813 - 15

Gedenktafel

restaurierte Gedenktafel an den Frankreichfeldzug in der Kirche Amönau

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Über die politischen Verhältnisse und Kriegsverhältnisse von 1848, sowie über die Kriege von 1864 und 1866 und ihre Auswirkungen auf die Gemeinde Amönau liegen keine Aufzeichnungen vor.

In diese Zeit fiel allerdings der so genannte Orgelstreit in Amönau unter dem Pfarrer G.L. Soldan im Jahre 1834: Als in diesem Jahre die neue Orgel in der Kirche in Amönau teilweise vollendet war, begehrte die Gemeinde, dass dieselbe alsbald in Gebrauch genommen würde, da der Orgelbauer durch anderweitige Arbeiten zu deren Vollendung gehindert war und erklärt hatte, die fertigen Teile könnten schon gespielt werden. Auf eine diesbezügliche Anfrage des damaligen Schullehrers Karl Bender, verfügte das Konsistorium zu Marburg am 20. Juni 1834: „Die Orgel solle nicht eher in Gebrauch genommen werden, bis sie ganz fertig sei, zumal wegen ihrer Abnahme der Schullehrer keine Verantwortung übernehmen könne." Allein die Gemeinde bestand auf ihrem Willen und sang ab dieser Entscheidung, außer dem Lied „Komm heiliger Geist" kein Lied mehr mit. Später sangen sie überhaupt nicht mehr mit. Schließlich blieben sie ganz der Kirche fern. Lediglich einige Schulkinder und einige alte Frauen kamen zur Kirche. Da alle Ermahnungen nichts halfen, berichtete der damalige Pfarrer Soldan die Sachlage an das Konsistorium. Dieses sandte am Sonntag dem 2. August 1834 als Vermittler den Kreisrat Hille. Doch auch an diesem Sonntag erschienen außer einigen alten Frauen und einigen Knaben niemand in der Kirche. Aber auch diese sangen nicht mit. Hierauf erfolgte mit Datum vom 15. August 1834 ein Konsistorialbefehl, wonach ,,aller Gottesdienst" in der Kirche zu Amönau bis auf weiteres eingestellt werden sollte. Pfarrer Soldan konnte diesen Beschluss nicht anders auffassen, als dass damit das Interdict über die Gemeinde ausgesprochen sei und handelte dem gemäss. Bei der ersten Beerdigung, die er in der Stille halten wollte, verbot er daher das Glockengeläut und den Gesang. Die Männer jedoch brachen in die Kirche ein und zogen alle Glocken. Als sie nun auch noch vor dem Leichenhaus zu singen begannen, entfernte sich Pfarrer Soldan und der Schullehrer. Das Konsistorium missbilligte jedoch das Verfahren des Pfarrers. Aber diese Behörde erfuhr dann die Missbilligung ihres eigenen Beschlusses am 15. August, seitens des Ministeriums des Innern, in dem nach Verfügung vom 19. November 1834 der regelmäßige Gottesdienst in der Kirche zu Amönau alsbald wieder aufgenommen werden sollte. Das Konsistorium demonstrierte zwar hiergegen mit Berufung darauf, daß die Gemeinde bis dahin nicht das geringste Zeichen von Reue über das bisherige Verhalten an den Tag gelegt habe, aber dessen ungeachtet musste am 1. März 1835 wieder geöffnet werden. Pfarrer Soldan ließ sich jedoch durch seinen Sohn, den Pfarrer zu Oberrosphe, vertreten. Zu dem Gottesdienst erschienen aber auch jetzt nur 4 Männer und 4 alte Frauen, da der Bürgermeister Brössel (Bitzewirts) und der Gemeinderat durch das Nachgeben des Ministeriums kühn gemacht, auch die vorherige Entfernung des Schullehrers verlangt hatten. Ein Ansinnen, das jedoch seitens der Behörde abgelehnt wurde. Der Bürgermeister Brössel aus dem Pitzewirtshof, gegenüber der damaligen Schule gelegen, wurde laut amtl. Schreiben vom 30. September 1852 wegen seines unstatthaften Benehmens betreffend der Suspension des Lehrers Trusheim und Verkennung seiner Stellung gegenüber dem Seelsorger in eine Disziplinar­strafe von 5 Talern genommen und entsprechend verwarnt, gez. J-A Cornelius.

Leider waren über den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 keine Unterlagen zu bekommen. Hier kann nur die Krieger-Tafel von Amönau-Oberndorf aufgeführt werden. Sie trägt folgende Namen:
  1. Johannes Wiegand, 3. Garde Reg. zu Fuß
  2. Konrad Fett (Kalkbrenner), 1. Hess. Inf. Reg. 81
  3.
Johannes Weide, 1. Hess. Inf. Reg. 81
  4. Johannes Hampel (Hampels Hof), 3. Hess. Inf. Reg. 83
  5.
Johannes Michel Höbener (Trompe), 3. Hess. Inf. Reg. 83
  6. Michael Höbener, Inf. Reg. 16
  7. Heinrich Jäger, Inf. Reg. 16
  8. Johannes Jäger, Inf. Reg. 16
  9. Johannes Jost Maurer, Inf. Reg. 16
10. Johannes Schmidt, 1. Kurhess. Feld Art. Reg. 11
11. Johann Jost Fett (Roths), Husaren Reg. 13
12. Heinrich Battenfeld, Husaren Reg. 8

Gedenktafel

restaurierte Gedenktafel in der Kirche Amönau

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Wetternotizen:

Im Jahre 1870 herrschte eine außerordentliche Dürre. Von Januar bis Johanni. Es mangelte sehr an Futter, und Heu ist nur zur Hälfte des üblichen gemacht worden. Zu Johanni fing es an zu regnen. An Winter- und Sommerfrucht wurde nur der 3. Teil der sonstigen Ernte eingebracht.

Im Jahre 1876, und zwar am 12. März des Nachts, war ein sehr starker Sturm und Orkan, der an Dächern und Obstbäumen und Waldungen bedeutenden Schaden anrichtete. Durch den Sturm wurde auch der massiv erbaute Spiegelslustturm in Marburg umgestürzt.

Am 23. Februar 1879 fiel nachts viel Schnee, es regnete etwas und fror zugleich, so dass ein starkes Glatteis entstand. Das Glatteis dauerte bis zum 4. März 1879. Infolgedessen ging viel Wild in Wald und Flur verloren.

Das Wild wurde zum Teil von Leuten ergriffen und in Ställen gefüttert. Der Eisbruch richtete großen Schaden an in den Wäldern und hier besonders in den höher gelegenen Wäldern.

Amönau ab dem 20. Jahrhundert:

Bis zum Jahre 1886 hatten die Gemeinden Oberndorf und Amönau einen gemeinsamen Friedhof bei der Kirche zu Amönau. Dieser war aber jetzt voller Gräber und konnte nicht weitere Tote aufnehmen. Die Gemeinde Amönau legte einen neuen hinter dem Junkerhof, an dem Weg nach Todenhausen, an, wo von der politischen Gemeinde ein Acker von Heinrich Otto (Fetsche), wohnhaft an der Bach, angekauft wurde. Einweihung am 7. November 1886. Der neue Oberndorfer Friedhof wurde am 25.8.1886 geweiht.

Als besondere Begebenheit für das Dorf Amönau, ist der Bau der elektrischen Lichtanlage zur Jahresmitte des Jahres 1919 zu nennen. Während zunächst nur das Ortsnetz fertiggestellt wurde, waren Mitte Februar 1920 sämtliche Hausleitungen gelegt und Ende des Monats wurde ein Lichtfest von den Einwohnern des Dorfes gefeiert.

Kirche mit neuem Strommast

der neue Lichtmast vor der Kirche im Jahre 1920

Leider können Einzelgeschehen von 1923 - 1945 nicht berichtet werden, da hierzu alle Unterlagen fehlen.

Die letzten Wochen des 2. Weltkrieges (Januar - März 1945) brachten auch unserer engeren Heimat besonders viel Unruhe und Aufregungen. Seit am 1. Januar 1945 ein Bombenangriff, mittags um 12.30 h, auf Wetter erfolgte, dem mehrere Gebäude und auch leider einige Menschen zum Opfer fielen, überflogen fast täglich feindliche Jabos und Tiefflieger unser Dorf. Der Eisenbahnbrücke bei Sarnau und den Munitionszügen auf unserer Eisenbahnstrecke (Munitionsdepot bei Wiesenfeld für die Luftwaffe) galten meist die Angriffe. Am 29. März 1945 erreichten die Amerikaner das hiesige Gebiet. Morgens gegen 10 Uhr dröhnten die ersten Panzer. Ein großer Teil fuhr auf der Hauptstraße von Wetter nach Norden. Etwa 35 - 40 kamen von Warzenbach über Oberndorf und fuhren nach Todenhausen weiter, wo etwa 50 Minuten gekämpft wurde. Während dieser Zeit sicherten einige überschwere Panzer auf der Straße Wetter - Amönau, die dann auch über Amönau nach Todenhausen abfuhren. Leider zerstörten die Ungetüme das Geländer an der Brücke bei der Kirche. Kaum war die kämpfende Truppe durchgezogen, da legten Nachschubeinheiten um das Gebiet des Wollenberges ein großes Munitionsdepot an und in einzelnen Dörfern wurden Truppen einquartiert. Die acht Häuser an dem westlichen Ausgang des Dorfes in Richtung Wetter, außer dem Anwesen Arnold und Mengel (Bachwellems), da Vieh im Wohnhaus gehalten wurde, wurden belegt. Ebenso das Wohnhaus der Familie Heinrich Otto (Auermachersch) am Ortsausgang in Richtung Treisbach.  Die Bewohner mussten räumen und durften die Häuser nicht betreten. Keller- und Bodenräume sollten nach den Versicherungen der Offiziere nicht betreten werden und unangetastet bleiben. Kaum hatten die Leute die Häuser geräumt, da waren die Schlösser gebrochen und vom 1.4. bis 16.9.1945 blieben die Häuser beschlagnahmt. Leider wechselte die Truppe auch noch zweimal.

Mit der Kapitulation am 08.05.1945 endete der sinnloseste und grausamste Krieg, den Europa je erlebte und unendlich viel Leid über die Völker Europas brachte.

Millionen von Toten, vermissten, verschollenen, geflüchteten und vertriebenen Menschen sind zu beklagen. Auf unserem Kriegerdenkmal sind für den II. Weltkrieg 44 Personen aus Amönau als Gefallene aufgeführt. Eine nicht zu beziffernde Zerstörung entstand in den Dörfern und Städten in den Kriegsgebieten.

Die Zerstörung der Wohnungen durch die Bombardierung unserer Städte brachte es mit sich, dass während des Krieges viele Menschen auf das Land – Dörfer und kleine Städte – flüchten mussten. So waren in den letzten Kriegsjahren bereits mehr als 80 Personen in Amönau als Evakuierte und Ausgebombte wohnhaft.

Die erste Flüchtlingsfamilie, die in Amönau ankam, war die Famile Klopfstein. Sie bestand aus den Familienmitgliedern: Frau Katharina Klopfstein, den Kindern Peter, Hans, Hilde und Elli – jetzt Elli Theis – und der Schwiegermutter Margaretha.

Bereits Anfang Oktober 1944 flüchtete die Familie vor der näher kommenden russischen Front aus Lenauheim im Banat, Rumänien. Über Österreich, wo sie einige Zeit in einem Lager verbrachten, kamen sie nach Marburg, von dort dann Ende November 1944 nach Amönau. Im Haus der Familie Johannes Dersch (Nr. 23 ½ ) fand sie eine Unterkunft.

Im April 1945 eroberten ohne Widerstand amerikanische Truppen unser Dorf. Die Wohnhäuser im Schääd, jetzt Raiffeisenstraße, wurden von den Besatzungstruppen beschlagnahmt. Ihre Bewohner mussten die Wohnungen räumen und wohnten bei anderen Familien im Dorf. Das Wohnhaus von Wiegands (Bachwellems) und von Arnolds war von der Beschlagnahme nicht betroffen. Familie Klopfstein musste bei Dersch (Raiffeisenstraße)  ausziehen und fand eine neue Unterkunft bei Schowwer – Ronzheimer (Nr. 17) – in der Wohnung auf dem Stall, die während des Krieges Unterkunft (Gefangenenlager) für französische Kriegsgefangene war.

Herr Mathias Klopfstein wurde im November 1946 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Von Beruf war er Herrenschneider. Durch Änderungsschneiderei und Nähen von Anzügen für viele Amönauer konnte er zum Unterhalt der Familie beitragen. Anzugstoffe konnte man in den ersten Nachkriegsjahren durch Tausch und später auch durch Kauf erwerben. Nachdem die Schwiegermutter eine eigene Wohnung bezogen hatte und die Kinder alle verheiratet waren, zog das Ehepaar im November 1965 nach Frankfurt, wo Herr Klopfstein arbeitete.

In den Monaten nach Kriegsende kamen immer mehr Menschen in Amönau an. Es waren ehemalige Kriegsgefangene, die nicht in die sowjetische Besatzungszone oder Ostgebiete (Pommern, Schlesien, Ostpreußen u.a.) wo ihre Heimat war, zurück wollten oder auch nicht konnten und es waren die vielen Vertriebenen.

Auf Anordnung musste auch hier, wie in allen anderen Dörfern und Städten, eine Wohnungskommission, die aus Flüchtlingen und Einheimischen bestand, gebildet werden, die zusammen mit dem Bürgermeister und dem Landratsamt für die Wohnungsbewirtschaftung zuständig war.

Die große Vertriebenen- und Flüchtlingswelle begann dann 1946. Im Februar 1946 wurden über 30 Personen aus dem Sudetenland, aus der Umgebung von Teplitz-Schönau aufgenommen.

Es folgten Menschen aus Schlesien, Ostpreußen und anderen Ländern des Ostens. Am 19.05.1946 kam eine Vertriebenengruppe von mehr als 40 Menschen aus Ungarn an. Die Frauen fielen durch ihre andersartige Tracht auf. Sie unterschied sich von der bei uns getragenen Marburger Tracht bzw. der vornehmen städtischen Kleidung. Die Ungar-Männer fielen mit ihren blauen Arbeitsschürzen und mit den sonntags getragenen glänzenden schwarzen Schaftstiefeln auf.

Tracht Ungarndeutsche Hochzeit Fam.Schmidt

          Die Männer mit ihren Schaftstiefeln                                                          Hochzeitsfoto Fam. Schmidt

Sie kamen aus dem Dorf Harkau an der Grenze zum österreichischen Burgenland bei Deutschkreutz, hatten zu Hause Landwirtschaft mit Weinbau betrieben.

Sie erzählten, dass sie, bevor sie vertrieben wurden, bereits schon einmal geflüchtet waren. Da war zum Beispiel die Familie Schmidt, die aus dem verwundeten und auf Krücken gehenden Ehemann Mathias, der schwangeren Ehefrau Theresia, der Schwiegermutter Theresia Gellermann und der Schwägerin Luise bestand.

Als im Frühjahr 1945 die Kriegsfront beängstigend nahe kam, flüchteten die Schmidts am Gründonnerstag zusammen mit vielen Bewohnern ihres Dorfes. Das Notwendigste und dazu noch das was auf den Wagen, der mit 2 Kühen bespannt war, passte, wurde mitgenommen. So zogen die Flüchtlinge mit 32 Gespannen in nordwestlicher Richtung

durch Österreich und kamen nach 7 Wochen in Vöcklabruck an. Das waren ca. 300 km Luftlinie von zu Hause. Vöcklabruck liegt ca. 80 km südwestlich von Wels. Hier wurden sie aufgenommen und richteten sich ein, halfen in der Landwirtschaft und gingen auch zur katholischen Messe. Als die Einheimischen feststellten, dass die Fremden andersgläubig waren, nämlich evangelischen Glaubens, verhielten sie sich ihnen gegenüber reservierter. Hier blieben die Geflüchteten bis zum Spätherbst 1945. Dann machten sie sich wieder auf den Heimweg nach Harkau, wo bereits im April 1945 die Russen eingezogen waren. Ehefrau Theresia und ihre Mutter fuhren mit der Eisenbahn bis Neckenmark (Österreich). Hier angekommen, machten sich beide in der Nacht zu Fuß über die Grenze nach Harkau (Ungarn), das ja Nachbargemeinde von Neckenmark war. In der Nacht vom 27. zum 28.11.1945 kamen sie bei den Eltern des Ehemannes, die nicht geflüchtet waren, an.

In der darauf folgenden Nacht wurde die erste Tochter geboren. Am nächsten Tag kam Motz, so der Rufnahme des Ehemannes, und Schwägerin Luise mit ihrem Fuhrwerk welches jetzt von einem Pferd und einem Muli, die in Österreich erworben wurden, gezogen wurde, nach 7tägiger Fahrt zu Hause an.

Den nachfolgenden Winter hat man unter sowjetischer Besatzung so schlecht und recht überstanden. Im März 1946 verstarb das Töchterchen.

Alle Deutschen wurden im Frühjahr 1946 aus Ungarn vertrieben. Am 13.05.1946 mussten alle Harkauer ihr Dorf verlassen. Sie wurden in Ödenburg in Viehwaggons mit unbekanntem Ziel verladen. Sechs Tage später, am 19.05.1946, kamen sie in Münchhausen mit dem Zug an.

                                Namensliste Fluechtlinge

Die hier angekommenen Personen wurden auf die Dörfer des Kreises Marburg verteilt. So kamen dann Teile der Harkauer Dorfbewohner nach Amönau. Die Familie Schmidt fand in einem Zimmer bei Wetscher – Diehl (Nr. 13) – ihre vorübergehende Zuflucht. Die Männer arbeiteten alle in der örtlichen Landwirtschaft mit. Beim Dickwurz- und Kartoffelhacken, der Getreide- und Hackfruchternte waren auch die Frauen gern gesehene Helferinnen und trugen so zum Unterhalt der Familien bei.

Bei der Familie Schmidt hatte sich schon lange eine Vergrößerung der Familie angekündigt, weshalb sie auch eine größere Unterkunft benötigten, so bekamen sie im November 1946 im Furreschhof eine Wohnung mit Küche und einem Schlafzimmer zugewiesen. Am 30.11.1946 wurde Tochter Waltraud geboren.

Nach der im Juni 1948 stattgefundenen Währungsreform begann das so genannte Wirtschaftswunder. Es wurden überall Arbeitskräfte gesucht. So bekamen auch alle Harkauer Männer außerhalb der hiesigen Landwirtschaft Arbeitsplätze. Einige fanden Arbeit als Waldarbeiter, andere gingen in die Bauwirtschaft.

Motz ging von Schowwer, wo er bis dahin in der Landwirtschaft gearbeitet hatte, für einige Jahre als Waldarbeiter in den Staatswald und danach bis zur Altersrente zur Eisengießerei nach Buchenau.

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Im Juli 1953 waren in Amönau insgesamt 163 Personen als Vertriebene, Flüchtlinge oder Evakuierte aus folgenden Ländern registriert:

Aus            Ungarn                    52     Personen                                       Pommern                 8      Personen
                   Rumänien                8     Personen                                       Baltikum                    2      Personen
                   Sudetenland          34     Personen                                       Sowjetzone               4      Personen
                   Schlesien               22     Personen                                       Evakuierte              26      Personen

Die hessische Landesregierung hatte zu Beginn der 50er Jahre ein Programm zum Bau von kleinen Siedlungshäusern mit Nebengebäuden eingerichtet. So fassten dann 6 in Amönau lebenden Harkauer Familien den Mut, je ein Haus mit Nebengebäuden zu bauen. Es waren die Familien Hans Thoma, Emil Bader, Mathias Latzko, Mathias Schmidt, Karl Latzko und Karl Tremmel. Die Kirchengemeinde stellte die Baugrundstücke zur Verfügung. Architekt Freiling machte die Planung und Bürgermeister Diehl unterstützte das Vorhaben so weit es möglich war. 1953 hatte jeder etwas Geld – ca. 1.000 DM – was zu dieser Zeit schon viel Geld war, gespart.

Die Sandsteine zum Bau der Keller wurden selbst in Goßfelden gebrochen und durch Arbeiten im Sandsteinbruch bezahlt. Im Herbst 1953 war das Kellerwerk fertig gestellt und das Geld war alle. Das war aber auch noch eine Zeit, in der man mit den Landespolitikern reden konnte und auch einem geholfen wurde. So bekam unser Bürgermeister Diehl und Architekt Freiling einen Termin bei dem damaligen hier gut bekannten und verehrten Innenminister, Heinrich Schneider aus Marbach bei Marburg.

Sie machten sich auf den Weg nach Wiesbaden und kamen mit dem Ergebnis, dass wieder ein Teil gebaut werden konnte, zurück. So ging das 1954 weiter, bis dann so im Sommer 1955 die Häuser bezogen werden konnten. Die Kosten für Baumaßnahmen betrugen ca. 26.000 DM bis 28.000 DM. Motz zog mit seiner Familie, die sich durch die Geburt der Tochter Imgard vergrößert hatte, und der Schwiegermutter in das neue Haus ein. Die Familie behalf sich mit der unteren Etage und die kleine Wohnung unter dem Dach wurde vermietet, damit der zu leistende Abtrag leichter möglich war. Ein Einheimischer, der an dem Bau vorbei ging, sagte zu Motz: „Das kannst du im Leben nicht bezahlen“. Er wurde durch die fleißigen Menschen eines bessern belehrt.

Die zu den Baumaßnahmen gehörenden kleinen Wirtschaftsgebäude wurden als Schweine- und Holzstall genutzt. Jeder Bauherr hatte von der Kirchengemeinde eine Ackerfläche von 0,25 ha als Pachtfläche zur Bewirtschaftung bekommen, so dass jeder Getreide und Kartoffeln zur Eigenversorgung und Schweinefutter anbauen konnte.

Mit dem Anstieg der Löhne, der sogenannten Lohnprogression, stiegen die Einkommen. So konnten die Häuser schneller als gedacht bezahlt werden.

                    Harkauer Siedlung

                                                          Der Harkauer Weg in Amönau 1959

Zu den sechs Siedlungshäusern kamen in den nächsten Jahren noch zwei hinzu. Emmerich Kolb baute auf dem hinteren Teil des Kirchengrundstücks und Johann Siegmund gegenüber auf einem Grundstück von seinen Schwiegereltern.

In den nachfolgenden Jahren sind bei allen diesen Häusern Um- und Anbaumaßnahmen durchgeführt worden.

Andere Flüchtlinge, die in Amönau geblieben sind, haben im Dorf Hofreiten gekauft und umgebaut oder auch neue Häuser gebaut.

Alle in unserem Dorf verbliebenen Menschen, ob Vertriebene oder Flüchtlinge sind längst Amönauer geworden

Jetzt kamen Jahre, an die man sich nicht gern erinnert. Die zivile Bevölkerung litt sehr unter Hunger, mit Ausnahme der Landwirtschaft. Es fehlte an den notwendigsten Grundnahrungsmitteln, an Genussmittel war überhaupt nicht zu denken. Erst 1948/1949 lockerte man die Unterdrückungsmaßnahmen. Mit dem 20. Juli 1948 wurde die neue Währung „Die Deutsche Mark“ eingeführt und mit dieser Maßnahme normalisierten sich die Verhältnisse allmählich.
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Im Jahre 1950 standen die Sterne endlich günstig für den Neubau der Schule. Bereits im Jahre 1938 hatten der Bürgermeister Heinrich Fett und der Schulleiter Manz bei der Kirchenregierung in Kassel ein günstiges Baugelände eingetauscht, bzw. erworben. 1939 traf der plötzlich ausbrechende 2. Weltkrieg die ersten Schulbauvorbereitungen, die dann abgebrochen werden mussten.

Die Gemeindevertretung nahm den ersten Plan, der nur 2 Schulsäle vorsah, nicht an, und beschloss, einen Bau mit 2 Sälen und einer Lehrerwohnung.

Bürgermeister Dersch und Schulleiter Manz, sowie der Architekt Freiling aus Simtshausen wurden beauftragt, diesen Plan bei der Regierung zu unterbreiten. Er wurde genehmigt. Nachdem Antrag und Zeichnung alle Instanzen durchlaufen hatten, wurde sofort mit den Bauarbeiten begonnen. Die Erd- und Planierungsarbeiten wurden im Hand- und Spanndienst von der Gemeinde übernommen. Die Maurer- und Zimmerarbeiten schritten so gut voran, daß am 6. Oktober 1950 im Beisein von Landrat Eckel und Schulrat Mütze das Richtfest gefeiert werden konnte.

Richtfest

Die Maurerarbeiten führte der Bauunternehmer Friedrich Aßmann aus Amönau aus, die Zimmerarbeiten waren an Meister Völk von Wetter vergeben worden. Die Dacharbeiten waren an Dachdeckermeister Hofmann aus Wetter gefallen. Die Holzarbeiten wurden von den hiesigen Schreinermeistern Moog und Göcking übernommen. Verputz-, Maler- und Anstreicherarbeiten durch Christian Scherer und Hans Detsch, beide Arbeiten waren bereits am 10.04.1952 beendet, so dass am 15. April 1952 im Beisein vieler Gäste die feierliche Einweihung stattfand.

Die Gäste

Der Raiffeisenverein beschenkte die Schule anlässlich der Weihe mit einem Ehren- und Gästebuch. Ebenso ließ es sich der Buchhändler Ruhl aus Wetter nicht nehmen, die Schülerbibliothek durch eine Gabe zu bereichern.

Leider mussten Schulleiter und Kolleginnen nach den Osterferien feststellen, dass die Gemeindevertretung - ohne einen entsprechenden Beschluss des Schulvorstandes herbeizuführen, oder den Schulleiter in Kenntnis zu setzen - den Werkraum und Lehrmittelraum anders verfügt hatten, als es die Behörden zweckbestimmend vorhatten. Frisörmeister Dornseif, der das Amt des Hausmeisters in der neuen Schule übernommen hatte, hatte man die Räume als Wohnung zugewiesen. Bei einer späteren Feststellung durch die vorgesetzte Instanz erhielt der Schulleiter den Auftrag, diese Räume wieder ihrer Zweckbestimmung zuzuführen. Es blieb allerdings vorerst bis auf viele Jahre hinaus bei diesem Zustand.

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Im Jahre 1954 beschließt eine recht fortschrittliche Gemeindevertretung, an der Spitze Bürgermeister Diehl, die Durchführung der Kanalisation des Ortes und den zu erwartenden Aufbau des Straßenzuges Wetter - Amönau - Treisbach. Nach entsprechenden Verhandlungen durch Bürgermeister Diehl wird am 20.4.1954 mit den Arbeiten begonnen   Als erster Bauabschnitt wird der Straßenzug in Richtung Wetter in Angriff genommen. Die Erdarbeiten, Ausheben eines bis 3 m tiefen Rohrgrabens, wurden im Handdienst geleistet. Jeder Grundbesitzer musste 6 m öffnen.

Kanal

Bislang, d.h. bis Mitte der 50er Jahre, waren die Straßen im nordwestlichen Teil des Kreises Marburg, mit Ausnahme der Bundesstraße Marburg - Wetter - Frankenberg, in einem solch schlechten Zustand, dass jeder, der nicht unbedingt in diese Gegend musste, diese Straßen mied. Die Autofahrer dieses Landesteils und der angrenzenden Gebiete kannten die unglaublichen und nicht zu beschreibenden Zustände. Keine der ungezählten Eingaben, die in Protestversammlungen abgefasst wurden, hatten den gewünschten Erfolg. Selbst die Ärzte wollten streiken. Für Kranke, die zur Behandlung nach Marburg transportiert werden mussten und für Frauen, die zur Entbindung nach Marburg gebracht wurden, waren die Straßen eine außerordentliche Gefahr. Es lagen entsprechende Berichte der Ärzte der Frauenklinik vor. Als die Landesregierung in Wiesbaden immer noch nicht reagierte, lud man zu einer Protestversammlung den Landtagsabgeordneten des hiesigen Bezirks der SPD, Heinrich Schneider (Marburg), ein, der später hessischer Innenminister wurde. In recht sachlicher Weise wurde die brennende Angelegenheit besprochen. Der Abgeordnete versprach eine nachdrückliche Befürwortung der berechtigten Wünsche. 

Straße

Und siehe da, am 13. Juli 1954 begann die Straßenbaufirma Weigand aus Gladenbach mit dem Ausbau an der Stadtgrenze Wetter und beendete die Arbeiten an der alten Schule in Amönau. Am 24. Juli 1954 waren diese Arbeiten beendet. Anschließend wurde in Richtung Treisbach noch einige 100 m weiter gebaut. Da der Hauptstraßenzug von Amönau gepflastert war, sollte dieses Stück nach Beendigung der Kanalisationsarbeiten ausgebaut und geteert werden. Die Arbeiten der Firma wurden in Fachkreisen bestens beurteilt und der nun sehr gute Zustand der Straße war bald allgemein bekannt. Die Folge war eine starke Zunahme des Verkehrs.

Der zweite Teil der Kanalisation begann im Juli 1955. Diesmal waren als Bauabschnitte die Hauptstraße und die Nebengassen, die zum Treisbach führten, vorgesehen. Die Firma Roth aus Wetter hob jetzt mittels eines Baggers die Gräben aus und begann am unteren Ende, also in Höhe der alten Schule, mit dem Einlegen der Rohre. Einige Regentage verzögerten die Arbeiten und Eile war geboten, da das Einbringen der Ernte bevorstand. Anfang August 1955 war bereits alles wieder eingeebnet.

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Rückkehr der Kriegsgefangenen aus Russland

Der 14. Oktober 1955 wurde für das Dorf zu einer ganz besonderen Bedeutung:
Eine fernmündliche Voraussage hatte die ungarndeutsche Familie Latzko, die mit einigen anderen Familien nach dem Krieg hier eine neue Heimat gefunden hatte, in große Freude versetzt. Schon lange wartete man auf die Rückkehr des jüngsten Sohnes, den man in Russland zurückgehalten hatte. Herr Klingelhöfer und Herr Fritz Aßmann aus Amönau fuhren mit den Angehörigen nach Friedland bei Göttingen, um den Spätheimkehrer schnell und in würdiger Weise zu seinen hoch betagten Eltern zu bringen, die in dem schönen neuen Haus bei ihrem ältesten Sohn wohnten. Gegen Abend trafen die Autos hier ein. Die Gemeinde hatte vorzeitig die Arbeit ruhen lassen, um durch ihre Teilnahme die Freude zu bekunden. Die Dorfbewohner, jung und alt, waren zahlreich erschienen. Nach der Begrüßung durch die Familie hieß ihn Pfarrer Junghans im Namen der Kirchengemeinde willkommen, nachdem ihn bereits Bürgermeister Diehl willkommen geheißen hatte. Gemeinsam gesungene Choräle gaben der kleinen Feier die ernste Würdigung. Abends begrüßte ihn der Männergesangverein Sängerlust Amönau mit einem Ständchen, auch der Posaunenchor der Kirchengemeinde.

Latzko

Der Sonntag, 15. Januar 1956, wurde zu einem Freudentag für das ganze Dorf. Immer noch fehlte der letzte ortseingesessene Kriegsgefangene Michael Muth, Haus Nr. 4 ½, der so lange in russischer Kriegsgefangenschaft verbleiben musste. Alle Rückkehrer berichteten von ihm, wie er seine Leidensgenossen immer aufgerichtet habe. Er habe in selbstloser Weise für andere gesorgt und Verzagende ermuntert. Er handelte in Gefangenschaft so edel, wie er auch hier eingeschätzt wurde und bekannt war. Nach langen, langen Jahren war nun die schreckliche Zeit der Gefangenschaft beendet. Wieder fuhren zwei Autos nach Friedland, um ihn so frühzeitig wie möglich, zu begrüßen. Am Abend, es begann bereits zu dämmern, sah er seine geliebte Heimat, nach 11 Jahren, wieder. Die Glocken ertönten, wie im Oktober 1955, als Hans Latzko heimkehrte. Die Gemeinde versammelte sich um das Haus Nr. 4 1/2, so dass kaum Hof und Straße die Menge fassen konnte. Die Oberhessische Presse berichtete von der Heimkehr.

Michael Muth

Im Jahre 1956 wird der   Wunsch vieler Amönauer endlich erfüllt. Die Dorfwasserleitung wird gebaut. Bis dahin hatte Amönau nur eine Genossenschaftswasserleitung, die nur den 4. Teil des Ortes und nur den östlichen Teil, versorgte. Diese Anlage war sehr unzulänglich, das Wasser war knapp und oft trüb. Am 4.2.1954 hatte bereits die hiesige Gemeindevertretung den Anschluss an den Allendorfer (Stadtallendorf) Zweckverband (Mittelhessische Wasserwerke) beschlossen, da hohe staatliche Zuschüsse gewährt wurden. Land und Kreis begünstigten das Vorhaben. Da Amönau Endleitung wurde, musste für den Plan auch die Stadt Wetter gewonnen werden. Nach langen Beratungen schloss sich Wetter an, so dass nach entsprechenden Vorbereitungen und notwendigen Planungen die Firma Rüster, Friedberg, mit der Durchführung betraut wurde. Die Fernleitungsarbeiten führte die Firma Roth u. Söhne aus Wetter aus. Nun schloss sich auch die Gemeinde Oberndorf an. Die im Mai 1956 begonnenen Arbeiten, einschließlich des Baus eines Hochbehälters in der Koppe, wurden am 15.12.1956 beendet.

Am 10. und 11. Juni 1956 feierte der Männergesangverein Sängerlust sein 80-jähriges Bestehen. Der im Jahre 1876 gegründete Verein zog das Jubelfest groß auf, das mit einem Wertungssingen, bzw. Konzertsingen des Wetschaftstalsängerbundes verbunden war.

MGV1956Festumzug   MGVStändchenWiegand1956

MGV "Sängerlust" 1876 Amönau im Jahre 1956 - links Festumzug  - rechts Ständchen zur Hochzeit von Heinrich und Katharina Wiegand am 26.05.1956

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Die Schneeschmelze im Frühjahr eines jeden Jahres brachte die Höfe, die sich in Bachnähe des Treisbaches befanden, jeweils in schwere Bedrängnis, denn der Treisbach trat regelmäßig über seine Ufer und teilweise wurden die Höfe überflutet. So waren die Höfe von „Semmersch“ (Nr. 31) und Eckerts (1) oft betroffen. Bei Eckerts, die damals im Fachwerkhaus die Raiffeisenkasse und das Lager von Raiffeisen untergebracht hatten, wurden deshalb die Türen am rückwärtigen Hausteil und die Haustüre bei Hochwasser geöffnet, damit das Wasser ungehindert durch das Haus fluten konnte Auf diese Weise hatte man weniger Schlamm wegzuräumen. Dies alles führte zu der Überlegung, den Bachlauf des Treisbaches zu „regulieren“. Ende der 50-er Jahre wurde mit den Arbeiten begonnen. Beiderseitig des Baches wurden Steine zu einer Mauer aufgeschichtet, die das Wasser in „sein Bett“ zwingen sollte. Leider war auch der Gedanke dabei, die „Rotwirtsbrücke“ abzureißen, weil sie der Regulierung entgegen stand und ein Befahren, aufgrund ihrer Höhe, sowieso nicht geboten war. 1959 wurde dieses einmalige Brückenbauwerk abgerissen.

1916                Rotwirtsbrücke1951

die Rotwirtsbrücke im Jahre 1916                                                                       Ansicht der Brücke 1955

BrückeZeitung  Abriss Rotwirtsbrücke

Ausschnitt aus der Berichterstattung der OP                                                           Abriss der Brücke im Jahre 1959

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