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Eine Urkunde König Heinrichs II. ausgestellt für das St.
Stephansstift in Mainz aus dem Jahre 1008, gilt für die Bewohner Amönaus als
früheste Erwähnung von Amönau:
„( ), quod nos habuimus in loco Amena dicto, et quicquid ad illam curtem pertinet in
pago Oberenlongenahe nominato in comitatu Gisonis comitis, per kartam
nostram pro tali commutatione traderemus, ( ) nos ( ) susciperemus."
„( ), was uns in der benannten Ortschaft Amena gehört
und alles, was sich in der Nähe jenes Hofes befindet, im Gau namens
Oberlahn in der Grafschaft des Grafen Giso, haben wir durch unser Pergament
als Austausch (für einen Hof in Buchenbach ...der Kirche des Heiligen
Stephan zu Mainz) anvertraut. ( ) Dies bezeugen wir."
Die Urkunde ist von Heinrich II. abgezeichnet und von
Eberhard, dem Kanzler und Vertreter des Erzbischofs Willigis von Mainz,
verfasst worden und auf den 18. Mai 1008 datiert.
Sie ist in einem größeren Zusammenhang eines Güterringtausches zu sehen, der
sich über mehrere Urkunden zieht und in dem Reichsgut an das neu gegründete
Bistum Bamberg gestiftet wurde.
 
Der Dom in Bamberg, in dem sich das Grab von Kaiser Heinrich II und Kunigunde befindet
In der Nähe liegt, je eine halbe Fußwegstunde von
Warzenbach und Treisbach entfernt, die alte Gisonenburg Hollende. Die
Familie der Gisonen war auch bei Gudensberg reich begütert. Sie führte
später den Titel der Grafen von Hessen.
Graf Giso II. von Hollende hat Kaiser Heinrich IV.
unterstützt im Kampf gegen den bayrischen Herzog Otto von Northeim um das
Jahr 1070. Otto von Nordheim drang siegreich in das Erbland des Kaisers vor
und errichtete zur Sicherung seiner Eroberungen an der Lahn die „Marburg".
Als später Kaiser Heinrich wieder die Oberhand erhielt, gab er diese Burg und
ihre Nachbarschaft dem Grafen Giso von Hollende als Lehen. Giso II. wurde
1073 auf dem Schloss Hollende ermordet, wegen einer gegen König Heinrich
IV. angezettelten Verschwörung (nach dem Bericht des Chronisten Lampert von
Hersfeld). Als Giso IV. im Jahre 1122 ohne Nachfolger starb, ging sein
gesamter Besitz an seinen Schwiegersohn, den Landgrafen Ludwig I. von
Thüringen, den Urgroßvater des Gemahls der Heiligen Elisabeth. Von 1141 -
1170 war Hollende im Besitz des Grafen Boppo von Ziegenhain. Nach dem Chronisten
Riedesel soll die Burg Hollende im Jahre 1247 durch Sophie von Brabant,
einer Tochter der hl. Elisabeth, zerstört worden sein, weil ihr letzter
Bewohner dem Sohn Sophies, Ludwig dem Kind, nicht huldigte.
Der „Codex
sancti Stephani Moguncie“ von 1133
Laut Urkunde von 1008 hatte das St. Stephan Stift in
Mainz zumindest einen Hof in Amönau mit dem dazugehörigen Patronatsrecht
und allen weiterem Zubehör zu eigen. Weitere zeitnahe Nachrichten über
diesen Hof sind nicht erhalten bzw. nicht bekannt.
Die nächste schriftliche Erwähnung Amönaus stammt aus
der Zeit um 1133. Hierbei wurde Amönau in einem Verzeichnis das die Dörfer
und Zehnten, die zu der Vogtei Ebsdorf gehörten, umfasste aufgeführt. Die
Vogtei Ebsdorf war zu dieser Zeit dem St. Stephans Stift zu Mainz
unterstellt.
Diese Handschrift, die bereits 1819 im Staatsarchiv
Darmstadt aufgefunden wurde, galt lange als verschollen und wurde erst
ungefähr 140 Jahre später von Hellmuth Gensicke in der Stadtbibliothek
Mainz wiederentdeckt. Sie wird aufgrund ihres Schriftsatzes auf eine Entstehungszeit
um 1130 geschätzt. Auf dem ersten Blatt enthält die Handschrift folgenden
Eintrag, ein Verzeichnis der zehntpflichtigen Höfe.

Die deutsche Übersetzung lautet:
„Dies sind die Höfe und Dörfer mit zehntpflichtigen
gehörig zu Pfründe der Brüder im Hofe Ebsdorf: Ebsdorf, Heskem, Dreihausen,
Eisenhausen (Wüstung), Udenhausen (Wüstung), Wermertshausen, Breitenborn
(Wüstung), Beltershausen, Eisenbach (Wüstung), Amönau und Oberndorf, teils
Wollmar, Asphe, Buddelhausen (Wüstung), Ernsthausen, Münchhausen,
Warzenbach, Brungershausen, Kernbach, Kirchvers, 3 ½ Talente Ertrag und
Zehnten, der Höfe bei Wittelsberg.“
Die nächste Nachricht über „amena“ ist aus dem Jahr 1212
erhalten. In diesem Jahr schenkte der Erzbischof Gerhard von Mainz das
Patronatsrecht in „Amena“ dem St. Stephansstift zu Mainz.
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Zur
Geschichte des Junkergutes von
Amönau
Die genauen Anfänge von Amönau liegen im Dunkeln. Es ist
anzunehmen, das der Ursprung des Ortes im Bereich des heutigen Junkergutes
lag, das dort der Hof oder die Hofanlage zu suchen ist, die in der Urkunde
von 1008 genannt wurde. Wenngleich die dort vorhandenen Mauerreste und
Kellergewölbe auf frühestens Anfang des 14. Jhr. datiert werden können, so
ist der Kirchturm der Amönauer Kirche auf den Beginn des 12. Jhr. zu
datieren, Frühere bauliche Zeugnisse werden wohl nicht mehr zu finden sein.
Sechs Adelsgeschlechter haben in Amönau auf dem
Rittergut ihren Sitz gehabt:
1. Die Grafen von Hollende (Gisonen)
2. Die Herren von Hohenfels
3. Das Geschlecht von Rehen
4. Die Herren von Riedesel
5. Die Familie von Bodenhausen
6. Die Herren von Baumbach
Der Burgsitz Amönau wurde im Jahre 1008 von Kaiser
Heinrich II. dem Stephanstift zu Mainz geschenkt. Auch der älteste Teil der
erhaltenen Bauten mit seinen gewaltigen Mauern und Gewölben und
altertümlichen Kaminen deutet auf das sehr hohe Alter des Burgsitzes hin.
Als ein solches Merkmal sind auch die frühromanischen Schallöffnungen (fünf
an der Zahl) im Kirchturm zu nennen, die von außen zugemauert, im Inneren
aber noch zu sehen sind.
Die Familie von
Hohenfels
Die von Hohenfels waren ein
Landgrafengeschlecht des uralten Gerichtes Dautphe. Sie hatten ihren Sitz
unfern der Lahn bei der Carlshütte und werden 1174 erstmals genannt. Erstmals wird ein Ludwig v. Hohenfels 1174
zusammen mit Konrad von Marburg als Zeuge bei einer Belehnung eines Grafen
von Berg unter Bestätigung des Kaisers Friedrich I., als Sophie von Brabant
das Land Hessen für ihren unmündigen Sohn in Besitz nahm. Es widersetzte
sich das Geschlecht von Hohenfels im Bund mit dem Erzstift Mainz, unterlag
aber der Fürstlichen Gewalt. Laut einer Urkunde vom 12. Juli 1249 trugen
Konrad, Gumpert und Eckhard, Brüder von Hohenfels, der Landgräfin Sophie
von Brabant ihr Schloss Hohenfels auf, empfingen es aber als Lehen zurück. Auch
im Rahmen des Langsdorfer Vertrages vom 10. September 1263 gelobte die
Familie von Hohenfels namentlich Volpert gen. Hosekin und Gumbert von
Hohenfels mit insgesamt 20 Rittern der Landgräfin Sophie von Brabant die
Treue. Dennoch wurden die beiden Burgen 1293 von Sophies Sohn Heinrich
zerstört. Vielleicht zog spätestens nach der Zerstörung der Hauptburgen der
Amönauer Zweig der Familie von Hohenfels hier auf den Burgsitz.
Die
Linie Amönau - Niederasphe
Die erste Nachricht über die Familie
von Hohenfels in unserer Gegend findet sich im ältesten Lehensverzeichnis
des Stiftes Wetter um 1220/1220. Hier wurden Arnold von Hohenfels und
seines Bruders Heinrich Söhne Werner und Gumpert mit 9 Höfen vom Stift
Wetter belehnt. Diese Höfe sollen in Wetter, Amönau und Todenhausen gelegen
haben.
Die Familie von Hohenfels hatte vom St.
Stephansstift in Mainz in beiden Amönau (Amönau und Oberndorf) Besitz als
Lehen erhalten, über den 1226 zwischen dem Stift auf der einen und Gumbert
von Hohenfels und seinem Neffen Volpert gen. Hosekin auf der anderen Seite ein
Rechstreit entbrannte. Dabei ging es u.a. um das Patronat, den Hof, vier
Mansen (Land) und den Zins in Amönau. Im Jahre 1212 hatte der Erzbischof
Gerhard von Mainz das Patronatsrecht in „Amena“ dem St. Stephansstift zu
Mainz geschenkt, wohlmöglich lag hier der Grund über den Patronatstreit. Laut
Urkunde vom 7. Januar 1227 erkannten die Mainzischen Richter den Zehnten
„in beiden Amena [Amönau und Oberndorf]“ den Erben Gumberts, Ritter von
Hohenfels und Volpert, seinem Brudersohn ab und dem St. Stephansstift zu.
Im Jahr 1270 belehnte der Dekan und das
Kapitel St. Stephan in Mainz die drei Söhne des Gumpert von Hohenfels,
Konrad, Gumpert und Ekkehard, und die Söhne des inzwischen verstorbenen
Volperts gen. Hosekin, Craft und Volpert, mit dem Zehnten von Amönau, dem
Gut verbunden mit dem Kirchenpatronat, sowie den Gütern in Steinershausen
[Sterzhausen] und der Hälfte des Zehnten zu Asphe gegen 5 Talente Denanien
jährlich als Erblehen.
Der deutsche Text dieser Urkunde lautet:
„Wir, die Brüder Konrad, Gumpert und
Ekkehard, und wir die Söhne des verstorbenen Volpert, genannt Hosekin, von
Hohenfels, verpflichten uns mit dieser Urkunde dazu, daß wir, weil die
ehrenwerten Herren, Dekan und Kapitel der Stephanskirche zu Mainz, ihren
Hof zu Amenau mit dem Patronsrecht der dortigen Kirche sowie Güter in
Steinershausen [Sterzhausen], ferner Zehnten in Amenau und Amenau [Amönau
und Oberndorf], Wanzbach [Warzenbach], Kerembach [Kernbach], Butelhausen
und die Hälfte des Zehnten in Aspha uns unbefristet in Erbpacht gegeben
haben, ihnen fünf Pfund Pfennige unserer Gegend jedes Jahr in der Mitte des
Aprils als regelmäßige Pacht für selbige Güter und Zehnten entrichtet
werden, wobei wir uns und unsere Erben zu vollständiger, in der genannten
Weise auszuführender Zahlung verpflichten unter Strafe der Fälligkeit des
doppelten Betrages im Versäumnisfall.
Zum Zeugnis und zur Bescheinigung geben
wir ihnen dieses Dokument, bekräftigt durch die Siegel der vornehmen Dame –
unserer Herrin – Sophie, der Witwe des verstorbenen Herzogs von Brabant,
sowie ihres Sohnes, des Herrn Landgrafen Heinrich, des Herrn von Hessen;
ferner siegeln die Bürgerschaft Marburg und wir.
Vollzogen und gegeben am 26. März 1270“.
Konrad von Hohenfels hatte zwei Söhne,
Eckhard, Burggraf zu Biedenkopf und Hermann.
Eckhard war verheirate mit Albradis
Hofherr (de curia), sie hatten sechs Söhne, Gumpert, Eckhard, Wiederold,
Konrad, Arnold und Herrmann. Eckhard der Jüngere, auch als „von Amönau“ erwähnt,
war Pfarrer von Amönau und Stiftskanoniker von Wetter. Arnold war mit
Christine von Treisbach verheiratet, er war Burgmann auf der Burg Mellnau.
Im Jahre 1287 verschrieb Sophie von
Hohenfels, Witwe von Gumpert von Hohenfels, dem Kloster Caldern eine Rente
von 2 Maltern Roggen und 1 Malter Hafer aus ihrem Hof zu Amönau. Auf diese
Rente verzichtete 1303 das Kloster zugunsten ihres Sohnes Arnold von
Hohenfels.
Arnold von Hohenfels und seine Frau
Albradis hatten drei Söhne Heinrich, Gottschalk, Eckhard und eine Tochter.
Eckhard war Pfarrer in Niederasphe. Im Jahr 1292 übergaben Arnold und seine
Frau Albradis zum Heil ihrer Seelen und zum Unterhalt ihrer Tochter, die im
Kloster Caldern lebte, dem Kloster gegen eine gelegentliche Zahlung von 17
Mark ihre Güter zu Oberamönau (Oberndorf). Im Jahr 1331 bestimmte Eckhard
von Amönau, Pfarrer zu Niederasphe, dass die Wiese von Amönau, welche er
von Craft von Hohenfels für 20 Mk. guter Pfennige gekauft hatte, an dessen
Erben wiederkäuflich seien, aber auch ohne Wiederverkauf nach Eckhards Tod an
die Familie zurückfallen sollen.
Heinrich von Hohenfels zu Wetter war
der bekannteste der Familie zu seiner Zeit. Er beging im Jahr 1322 zusammen
mit Volprecht von Selbach im Rahmen einer Familienfehde Totschlag an Ludwig
von Breidenbach. Gottschalk von Hohenfels hatte mit seiner Frau Jutta zwei
Söhne, Ludwig und Volpracht.
Ludwig und seine Frau Jutta von
Diedenhausen blieben kinderlos. Volpracht und seine Frau, eine geb. von
Buchenau hatten zwei Söhne Ludwig gen. der Dürre und Heinrich. Heinrich von
Hohenfels, der mit Elsa von Weiterhausen verheiratet war, begründete die
Linie der von Hohenfels zu Niederasphe.
Ludwig von Hohenfels, verheiratet mit
Katharina von Weitershausen, setzte die Linie zu Amönau fort. Seit dieser
Zeit waren Mitglieder der Familie vielfach mit bürgerlichen Familien
verbunden. Damian von Hohenfels, der Sohn Ludwigs war mit Lyse Gise
verheiratet. Lyse Gise war die Tochter des Schöffen und Bürgermeisters
Werner Gise zu Biedenkopf, dessen Frau aus der angesehenen Marburger
Kaufmannsfamilie „von Rosphe“ stammt.
Die beiden hatten vier Kinder. Tochter
Elisabeth war mit Ludwig im Hofe (in curia) zu Marburg verheiratet, Tochter
Dorothea mit Happel von Wildungen zu Homberg. Sohn Johann trat am 26. Juni
1453 in den Deutschen Orden zu Marburg ein. Bei seiner Aufnahme wurden
seine Verwandten von der Stadt Marburg mit Wein beschenkt. Sohn Andreas
(Endres) von Hohenfels, der mit Gertrude Schlaun von Linden verheiratetet
war, setzte die Amönauer Linie fort. Im Rahmen einer Erbteilung innerhalb
der Familie im Jahre 1456 fallen Andreas von Hohenfels folgende Allode zu:
„Anno domini 10. Januar 1456
Erbteilung zwischen Ludwig im Hofe und
seiner Frau Lyse[Elisabeth von Hohenfels] und Endres [Andreas von Hohenfels],
weiland Damens Sohn, ihrem Schwager und Bruder, hinsichtlich der Güter des
Werner Gysen, Damens von Hoenfels und Lysen seiner ehelichen Hausfrau,
ihres Schwiegerherrn und Schwiegerfrauen, Eltervater, Vater und Mutter, mit
Herrn Johan von Hoenfels, D.-O. [Deutscher Orden] Bruder, Happel von
Wildungen und seiner Frau Dorothea zu Homberg, ihrem Schwager und
Schwägerin und Geschwistern. An diesen Gütern hatte Endres von Hoenfels
bisher 1/3, teil ¼ gehabet im Hofe dem Johann von Hoenfels und Happel von
Wildungen ihre Teile abgekauft. Endres erhält: 1 Hof zu Amönau, ½ Hof zu
Niederasphe, 1 Hof zu Wollmar, den Schüsslerwald zu Amönau, die Hardt zu
Niederasphe, sowie weitere Güter zu Dexbach, Warzenbach, Niederasphe,
Goßfelden, Engelbach, Mardorf, Silberg, sowie alle Lehen, außer 1/6 des
Zehnten zu Buchenau.“
Andreas von Hohenfels und seine Frau
Gertrude hatten vier Kinder, Caspar, Wilhelm, Christine und Kunigunde.
Gertrude von Schlaun wurde 1501 beim Kauf eines Gartens in Amönau als Witwe
genannt und trat möglicherweise 1509 in das Kloster Caldern ein. Tochter
Christine wurde 1494 Nonne im Kloster zu Berich. Tochter Kunigunde
heiratete Eckhard Riedesel von Eisenbach im Jahr 1531. Caspar war von 1516 bis
1548 Domherr des St. Peterstiftes zu Fritzlar. Wilhelm heiratete 1528 Catharina
Braun von Nordeck, die bis zur Auflösung des Stiftes Wetter 1527 im Zuge der
Einführung der Reformation in Hessen, Stiftsfräulein gewesen war. Im Rahmen
der Heirat von Kunigunde mit Eckhard von Riedesel fand im Oktober 1531 eine
Erbteilung zwischen den Geschwistern statt. Hier verzichtete Kunigunde auf
die hohenfelsische Güter und erhielt stattdessen eine Rente von 7 ½ Malter
Frucht aus dem „Lindenhans Hof zu Amönau.“
Wilhelm von Hohenfels und seine Frau
Catharina hatten einen Sohn Heinrich. Nach dem Tod von Wilhelm von
Hohenfels 1541, wurden als Vormünder über den dahin noch unmündigen Sohn
Heinrich dessen Onkel Caspar von Hohenfels und Andreas von Bürgeln
bestellt. Johann Riedesel und Löwenstein von Rehen wurden als Vormünder für
die Witwe Catharina von Hohenfels bestellt. Als Heinrich von Hohenfels 1554
starb, starb damit die direkte Linie der von Hohenfels zu Amönau aus.
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Die
Familie von Rehen
Die Familie v. Rehen (Rene, Rhiene,
Ryne, Rine bis Rhena) gehört zu den ältesten Burgmannen – und Lehnsgeschlechtern
Waldecks.
Johann VI. v. Rehen erbaute 1456 die
Burg zu Rhena. Er war verheiratet mit Katharina v. Dalwigk. Ihre
gemeinsamen Kinder waren die Töchter Juliane und Elisabeth und die Söhne
Johann, Hermann, Reinhard, Konrad, Heinrich, Georg und Erwin.Juliane v. Rehen war in zweiter Ehe mit
Ritter Eithel v. Löwenstein zu Löwenstein verheiratet. Konrad v. Rehen war
in erste Ehe mit einer geb. Huhn v. Ellershausen verheiratet. Sein Sohn
Johann aus dieser Ehe wurde Landkomtur des Deutschen Ordens zu Marburg. In
der Elisabethkirche zu Marburg hängt im Hohen Chor ein Wappenschild der
Familie v. Rehen mit der Aufschrift Johannes v. Ryn a(nno) 1518.
Heinrich v. Rehen war der Begründer der
Linie der von Rehen zu Amönau. 1493 wurde er erstmals als Knappe auf dem
Gut zu Amönau erwähnt. Er war verheiratet mit Gertraud Schaufuß, Tochter
von Caspar Schaufuß, Burgmann zu Alsfeld und Catharina v. Fischborn.Heinrich v. Rehen und Gertraud hatten
vier Söhne, Löwenstein, Ebert, Eckhart, und Franz sowie drei Töchter, Gertrud,
Barbara und Margarethe. Der Pate von Löwenstein v. Rehen war sein Onkel
Ritter Eithel v. Löwenstein zu Löwenstein, weshalb er diesen etwas
ungewöhnlichen Vornamen bekam. 1523 wurde Heinrichs Frau Gertraud Schaufuß
als Witwe genannt. Die Familie v. Rehen lebte wohl zu dieser Zeit auf dem
Gut zu Amönau. Heinrich v. Rehen hatte bereits versucht, das Gut und den
Zehnten käuflich von Andreas v. Hohenfels dem Älteren zu erwerben. Dieser
Kauf kam jedoch zu seinen Lebzeiten nicht zustande, er bekam jedoch die
Hälfte des Zehnten als Afterlehen.
1524 belegen Nassauische Gerichtsakten
einen Streit zwischen Conrad v. Dernbach und Konrad v. Rehen, dem Bruder
Heinrichs v. Rehen mit den Vettern Hartmann und Wilhelm v. Hohenfels über
den von Andreas v. Hohenfels dem Älteren an Conrad v. Dernbach und Konrad v.
Rehen übergebenen Zehnten von Amönau und Oberndorf. Konrad v. Rehen vertrat
hier nach dem Tod seines Bruders und vielleicht auch als Vormund der Söhne
die Interessen der Familie v. Rehen. Er ist auch noch im Jahre 1533
aktenkundig belegt. In diesem Jahr erschlug „Konrad von Rehen aus Amönau“
an dem Donnerstag nach Bartholomäi (24. August), 1533 beim steinernen
Heiligenstock, einem Grenzstein zwischen Wetter und Goßfelden, einem Mann
aus der Grafschaft Wetter.
Im Jahre 1538 erhielten die Söhne
Heinrichs v. Rehen Löwenstein und Eckhart aufgrund des Vergleichs von 1537
den halben Zehnten zu Amönau von Andreas dem Ältern v. Hohenfels als
Afterlehen. 1572 verkauften Andreas v. Hohenfels zu Rosenthal und seine
Frau Anna geb. v. Löwenstein ihrem Schwager Löwenstein v. Rehen ihren
halben Zehnten in und vor Amönau für 1000 Taler.
Löwenstein v. Rehen war gleich mehrfach
mit der Familie v. Hohenfels verwandtschaftlich verbunden. Er war mit Eila
v. Hohenfels zu Eckelshausen verheiratet, der Tochter Ludwigs v. Hohenfels
zu Eckelshausen. Eilas Bruder Johann v. Hohenfels zu Eckelshausen war in
erster Ehe mit Barbara v. Rehen, der Schwester Löwensteins v. Rehen
verheiratet. In zweiter Ehe war Johann v. Hohenfels mit Elisabeth Wolff v.
Gudensberg verheiratet. Deren Schwester Anna Wolff v. Gudensberg heiratete
Franz v. Rehen, Löwenstein v. Rehen Sohn. 1541 wurde Löwenstein v. Rehen
zusammen mit Johann Riedesel als Vormund der Witwe Wilhelms v. Hohenfels,
Catharina Braun zu Nordeck bestellt.
In den Akten der Amönauer Pfarrei tritt
Löwenstein v. Rehen in den Jahren 1568 bis 1579 als Besitzer des Amönauer Gutes
auf. Neben diesem Burgsitz besaß Löwenstein v. Rehen noch drei Höfe zu
Treisbach und weiteren Grundbesitz in den anliegenden Ortschaften, u. a. in
Wetter. Auch war er der Erbauer der Hessler-Mühle, mit deren Wasserrecht
sein Sohn Franz 1573 belehnt wurde.
Löwenstein v. Rehen ist der erste
Besitzer, der persönliche Erinnerungen mit seinem Grabstein hinterlassen
hat. Dieser ist an der nördlichen Außenwand der Kirche eingemauert und enthält die nur sehr schwer
leserliche Inschrift:

“... 1578 den 31. Octobris ist in Gott seliglichen
endschlafen, der edle und ernveste …tein von Rehen"
Die Schlussworte sind am Sockel unter
der Erde vergraben.
Auf dem Grabstein sind folgende Wappen
dargestellt:
Die oberen Wappen:
links: Familie v. Rehen: ein nach
rechts gewandten Hahnenkopf (Vater)
rechts: das Wappen der Familie v.
Hohenfels (Ehefrau(!) anstelle des sonst üblichen Wappens der Mutter)
Die unteren Wappen:
links: das Wappen der Familie Schaufuß
(Mutter (!), anstelle des sonst üblichen Wappens der Großmutter
väterlicherseits)
rechts das Wappen der Familie v.
Fischborn (Großmutter mütterlicherseits)
Geht man von einer üblichen
(heraldischen) Anordnung der Wappen aus, so ist hier diese hier nicht
gewahrt worden. Das Wappen Nr.2 (oben rechts) zeigt das Wappen von
Löwensteins Frau, Eila v. Hohenfels zu Eckelshausen, die Mutter des bereits
1576 vor seinem Vater verstorbenen Franz v. Rehen. Hier würde man das
Wappen der Mutter von Löwenstein v. Rehen erwarten, also das Wappen der
Familie Schaufuß. Anstelle des Wappens der Familie Schaufuß (unten links)
müsste das Wappen der Familie v. Dalwigk (Großmutter väterlicherseits)
stehen.
Franz v. Rehen, der einzige Erbe von
Löwenstein v. Rehen und seiner Frau Eila v. Hohenfels, war mit Anna Wolff v.
Gudensberg verheiratet. Er starb bereits vor seinem Vater im Jahre 1576.
Aus dieser Ehe entstammten drei Töchter, Anna Catharina, Elisabeth, Gertrud
und fünf Söhne, Hans Wilhelm, Hartmann, Löwenstein, Johann Peter und Jost.
Elisabeth heiratete am 7. Februar 1592 in Marburg Johann Scheuerschloß,
Hofdiener von Landgraf Ludwig dem Älteren. Johann Scheuerschloß starb
bereits am 2. November 1593. Die Söhne Hans Wilhelm und Löwenstein starben
bereits vor 1593, Johann Peter von 1594. Hartmann v. Rehen war mit Lucretia
Marschalk verheiratet. Sie hatten mehrere Kinder, jedoch ist in einer
Lehnsurkunde von 1638 nur noch Sohn Franz benannt, der nach einer
kinderlosen Ehe 1649 starb.
Jost v. Rehen heiratete am 12.10.1594
Catharina Schlaun v. Linden, Tochter Eberhards Schlaun v. Linden und Merge
v. Twiste. Auch durch diese Ehe bestand eine Verbindung mit der Familie von
Hohenfels. Catharina Schlaun v. Linden war die Großnichte Gertruds Schlaun
v. Linden, die mit Andreas v. Hohenfels zu Amönau verheiratet war.
Die Familie von Jost v. Rehen hat den
zweiten Grabstein hinterlassen, der sich in der Amönauer Kirche im hinteren
Altarraum befindet. Der Gedenkstein ist ihren zwei Kindern, offensichtlich
ein Zwillingspaar gewidmet, die kurz hintereinander verstorben sind.

Die Inschrift lautet: „ANNO 1595 5.
Augusti NN ET ANNO sequentI
96 DIE 8.7temb. HERMANNUS á REHEN cum
lucem accepto baptissmo vix aspexisset domino spiritum reddiderunt. (kaum
das er das Licht erblickte [starb er], nachdem er die Taufe empfangen
hatte. Sie gaben ihren Geist dem Herrn zurück)“
Das erste Kind, mit NN gekennzeichnet, starb
demnach bereits am Tag seiner Geburt am 5. August 1595, sein Bruder Hermann
starb im darauf folgenden Jahr am 8. September 1596, nachdem er die Taufe
erhalten hatte. Das Grabmal wurde 1596 für beide Kinder errichtet. Die
Herkunft der Kinder lässt sich anhand der dargestellten Wappen ablesen.
Die oberen beiden Wappen sind:
links: Familie v. Rehen (Vater)
rechts: Familie Schlaun v. Linden
(Mutter)
Die unteren Wappen sind:
links: Familie Wolff v. Gudensberg
(Großmutter väterlicherseits)
rechts: Familie v. Zwiste (Großmutter
mütterlicherseits).
Jost von Rehen muss laut der
Urkundenlage kein angenehmer Zeitgenosse gewesen sein. So liegen über ihn
mehrere Klagen über Gewaltexzesse, als auch deren Ahndung vor, die unter
anderem durch seinen Bruder Hartmann eingereicht wurden.
1607 verkaufte Jost v. Rehen das Gut an
Johann von Bodenhausen für 9000 Gulden. Sein Bruder Hartmann verkaufte
ebenfalls die nassauischen Lehen zu Amönau an Johann (Hans) v. Bodenhausen.
Hartmann v. Rehen starb 1607. Jost v. Rehen versuchte sich wohl erfolglos
in Frankenberg niederzulassen, ein Frankenberger Pfarrer verhinderte den
Ankauf von Gütern seinerseits. Er starb 1612 und hinterließ eine Witwe und
zwei unmündige Töchter. Damit endet die Linie der Familie v. Rehen zu Amönau.
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Die Familie
von Bodenhausen
Als erster Vertreter des Geschlechts derer von
Bodenhausen ist Ardimarus im Jahre 1109 bezeugt. Vermutlich stammen sie von
einem Zweige des rheinischen Geschlechts von Saulheim. Die welfischen
Herzöge belehnten 1318 die auf Burg
Arnstein bei Witzenhausen ansässigen Herren von Bodenhausen mit der Vogtei
(Schutzherrschaft) über das nur wenige hundert Meter in der Nähe
befindliche Dorf Bodenhausen. Die Familie spaltete sich im 16. Jahrhundert in mehrere
Linien auf. Zur Linie Niedergandern (bei Friedland) gehört Otto Heinrich
von Bodenhausen auf Niedergandern (1531-1577); er war verheiratet mit
Susanna von Hanstein (1542-1601). Sie hatten zusammen zehn Kinder, darunter
Melchior, der Begründer der Linie der von Bodenhausen auf Niedergandern und
Hans (Johann,*14. März 1570 zu Roda), der Begründer der Linie zu Amönau. Hans von Bodenhausen, der Jura studiert hatte, stand ab
1597 als Hofjunker im Dienst der Landgrafen Ludwig IV. bzw. Moritz von
Hessen. Er war ab 1606 Landvogt an der Eder mit Sitz im Kloster Georgenberg
in Frankenberg. Vielleicht um näher bei Marburg zu wohnen, kaufte Hans von
Bodenhausen 1608 das Gut zu Amönau von Jost von Rehen für eine stattliche
Summe von 9000 Gulden. Er wurde noch im selben Jahr mit dem halben Zehnten
zu Amönau und dem ganzen Zehnten zu Todenhausen belehnt. 1611 erklärte er
sich zu Leitung der Marburger Regierung (im Sinne eines heutigen
Regierungspräsidenten) bereit, musste dieses Ansinnen jedoch aufgrund
seines schlechten gesundheitlichen Zustandes wieder aufgeben. Hans von
Bodenhausen starb bereits im September 1612 im Alter von 42 Jahren.
1603
heiratete er in Gießen. Seine Frau Hedwig Rau von Holzhausen war die
Tochter von Rudolf Wilhelm Rau von Holzhausen zu Nordeck (*1549 + 1611),
des Landvogtes an der Lahn und dessen Frau Dorothea von der Grün. Hans und
Hedwig von Bodenhausen hatten sieben Kinder, die Söhne Moritz (*1604
+1686), Kraft, Otto Rudolf (+ vor 1631), Wilke, Johann (+ vor
1636) und die Töchter Susanna und Elisabeth Marie (*1612 + 1702). Die Söhne
Kraft und Wilke sowie die Tochter Susanna starben bereits „vor dem Vater“,
also vor 1612.
Moritz von Bodenhausen, der älteste Sohn von Hans von
Bodenhausen, der auf dem Gut lebte, heiratete 1634 Anna Margaretha von
Morungen. Sie war die Tochter des Wolfs
von Morungen
auf Obersdorf und seiner Frau Margarethe, geborene von Hacke. Moritz und
Anna Margaretha von Bodenhausen hatten fünf Kinder, die Söhne Johann Wolf
zu Amönau, Jost Albrecht, Otto Rudolf und Georg Adolf und eine Tochter Anna
Dorothea. Johann Wolf zu Amönau (*1635 +?), der älteste der vier Söhne,
lebte 1680 in Oldenburg, seine Frau verstarb 1712 in Witzenhausen. Die Ehe
blieb kinderlos. Die einzige Tochter Anna Dorothea heiratete Ludwig
Christoph zu Boyneburg gen. Hohenstein zu Elbersdorf. Von den Söhnen Jost
Albrecht und Georg Adolf sind keine Geburts- oder Sterbedaten überliefert.
1657 starb Anna Margaretha von Bodenhausen, geborene von
Morungen, und wurde in Amönau beigesetzt. Hierüber findet sich eine
Eintragung im Amönauer Kirchenbuch. 1684 verkaufte ihr Sohn Johann Wolf zu
Amönau zusammen mit seinem Vater Moritz das Gut Amönau an seinen Vetter
Bodo von Bodenhausen. Moritz von Bodenhausen starb 1686. Mit seinem Tod
starb die direkte Linie der von Bodenhausen auf Amönau aus.
Wenngleich aus
den Einträgen im Kirchenbuch eindeutig hervorgeht, daß die Mitglieder der
Familie in Amönau d.h. auf dem Friedhof um die Kirche begraben wurden,
finden sich leider keine Grabsteine mehr. Es ist jedoch ein Grabstein für
ein Kind erhalten, der für einen Sohn der Familie von Moritz und Anna
Margarethe von Bodenhausen errichtet sein könnte. Dieser lag, wie
das beigefügte Foto im Aufsatz zeigt, in zwei Teile zerbrochen vor der
Kirche zu Amönau.Inzwischen ist
dieser Grabstein im Rahmen von Aufräumarbeiten rund um die Kirche in
Privatbesitz übergegangen und auf diese Weise erhalten geblieben. Er wurde
wieder repariert und ist im Garten der Familie aufgestellt.

Die vier Wappen auf dem
oberen und unteren Teil des Grabsteins beweisen die adlige Abstammung des
früh verstorbenen Sohnes, dessen Bedeutung als Namensträger der Familie
wichtig war. Das umlaufende Schriftband ist in deutscher Sprache abgefasst,
die noch lesbaren Teile am unteren und seitlichen Rand lauten „(entsc)hlafen
seines Al(ters) .... (J)ahr ..weniger
Wochen.
Die
oberen beiden Wappen sind bereits stark verwittert und nicht mehr lesbar.
Hier befanden sich die Wappen der Eltern. Die unteren beiden Wappen sind
dagegen noch gut zu erkennen:
links
unten: Familie Rau von Holzhausen (Großmutter väterlicherseits)
rechts
unten: Familie von Hacke (Großmutter mütterlicherseits)
Somit
lässt sich dieser Stein sicher der Familie von Moritz von Bodenhausen
zuordnen. Untermauert wird diese Zuordnung durch einen Eintrag im Kirchenbuch
von Amönau. Hier findet sich im Jahre 1643 folgender Eintrag. „..Otto
Rudolph von Bodenhausen, Junker Moritz von Bodenhausen vielgeliebtes
Söhnlein begraben worden… den 5. September.“ Dies lässt den Schluss zu, daß
es sich hierbei um den Grabstein für den bereits verstorbenen Sohn des
Paares handeln könnte. Dass in dieser Familie noch ein weiterer nachgeborener
Sohn den Namen eines bereits verstorbenen Bruders erhielt, war durchaus
üblich.
Neben diesem Grabstein hinterließ die
Familie von Bodenhausen ein bedeutendes Andenken an ihre Familie, das noch
heute ein Aushängeschild unseres Ortes ist und als Motiv für Otto Ubbelode
zur Illustration des Märchens Rapunzel diente. Das berühmte Lusthäuschen –
unser Rapunzelhäuschen - erbaute Hedwig von Bodenhausen geb. Rau von
Holzhausen wahrscheinlich zum Andenken an ihren verstorbenen Mann Hans von
Bodenhausen im Jahre 1615. Die Witwe Hedwig von Bodenhausen geb. von
Holzhausen, wird auch in der Gedenktafel an der Außenwand des
Lusthäuschens, die die Wappen der Familie von Bodenhausen und der von Rau
von Holzhausen trägt, genannt:
HEDWIG JOHANIS CONIUX QUONDAM / A BODENHAUSEN /
QUI VITA
HEIC FUNCTUS VIVIT IN ARCE POLI /
RAU
HOLTZHUSANO PROGNATA EST ET MATE FECIT
COMMODA UT
HAEC SEDES TUTA ET AMAENA / FORET
HINC HAE
STANT AEDES MURI VI
RIADARIA
PORTA
HINC PLURA
AUXILIO SUNT FABREFACTA DEI
FAC DEUS UT
PIETAS ET PAX SE
DE PERENNENT
SINTO
HABITATORES JUGITER INCOLUMNES,
Diese Inschrift am Lusthäuschen lautet in freier
Übersetzung:
nach oben
In dieser Zeit ereignete sich auch der Streit, den es
anlässlich der Einführung des reformierten Kultus (1605) wegen des aus der
Kirche in den Lustgarten des Junkerhofes überführten Taufsteines gab:
Bei Einführung des reformierten Kultus während der
Calvinisierung von Hessen hatte die Familie von Bodenhausen den Taufstein
aus der Kirche entfernen lassen und in dem Garten des Junker-Lustgartens
als Wasserstein aufgestellt. Auf Befehl der Generalkirchenvisitation vom
15. Oktober 1628 musste die adlige Witwe diesen Stein wieder in die Kirche
zurückbringen lassen. Darüber entstand großer Hass. Als die Herrschaft
einst Besuch hatte, drang derselbe durch die Türe des Adelsstandes (Eingang
an der Orgel) in die Kirche ein und riss dort das neu aufgestellte Kruzifix
herunter. Die Spannungen zwischen dem damaligen Pfarrer Wilhelm Euchenius
von Naumburg, der von 1624 1639 hier amtierte, und der Familie von Bodenhausen
nahm immer mehr zu. Dieser Pfarrer, der im September 1624 das lutherische
Bekenntnis wieder einführte, bekam immer neue Schwierigkeiten. Das Gesinde
auf dem adeligen Hof pflegte an Sonn- und Bettagen Hasenjagden abzuhalten
und entzog sich so der kirchlichen Buße. Dazu kam 1635 noch die Pest,
welche zuerst in Warzenbach und dann im folgenden Jahre am heftigsten in
Amönau wütete. Im Kirchspiel starben 202 Personen. Als vom 20. - 27. Juni
acht Personen in Warzenbach gestorben waren, konnten die kirchlichen
Beerdigungen wegen der Räubereien und Plünderungen der niederhessischen
Truppen nicht durchgeführt werden. Dies geschah erst später. Euchenius, der
auch Schwierigkeiten mit dem Rentmeister von Wetter bekam, die beinahe in
Tätlichkeiten ausarteten, konnte bei noch zunehmenden Schwierigkeiten und
Widerwärtigkeiten mit der Witwe von Bodenhausen diese Auseinandersetzungen
nicht siegreich beenden. Im Juni 1639 wurde er suspendiert und starb
bereits im September des Jahre 1639.
Die
Familie von Riedesel zu Eisenbach auf Amönau
1684 kaufte Bodo von Bodenhausen,
Erbherr auf Niedergandern bei Friedland den Burgsitz in Amönau seinem
Vetter Moritz von Bodenhausen zu Amönau und dessen Sohn Johann Wolf von
Bodenhausen ab.
Maria von Bodenhausen, die Tochter
Bodos von Bodenhausen, hatte bereits 1680 auf Schloss Eisenbach Georg XII.
von Riedesel (*1647 +1704) geheiratet. Am 1. Januar 1687 verkaufte Bodo von
Bodenhausen seinem Schwiegersohn Georg von Riedesel den Gutshof mitsamt den
Lehen für 8000 Reichstaler. Die Bedingungen für den Verkauf lauteten: 1. Georg
von Riedesel wird als Lehnnachfolger anerkannt. Er erkennt ebenfalls weiterhin
die von Bodenhausen als seine etwaigen Lehnnachfolger an, so dass die von
Bodenhausen den riedeselischen Töchtern oder Landerben 2000 Reichtaler für
das Lehen auszahlen müssen, falls Georgs Familie im Mannesstamm aussterben
sollte. Die Töchter oder Söhne werden das Lehen nicht eher herausgeben bis
die 2000 Reichstaler bezahlt sind. 2. übernimmt es Georg vollständig
den Gesinde- und Handwerkerlohn auszuzahlen. 3. behält Georg die 4000
Reichstaler Ehestiftung ein, die seine Gattin als Tochter des Verkäufers
erst nach dem Tode der Eltern erhalten sollte. 4. übernimmt Georg
einige passive Schuldposten seines Schwiegervaters. 5. erhält Georg
alle auf Amönau bezüglichen Urkunden und Akten. 6. übernimmt er 1615
Reichstaler an Schulden, die von Moritz von Bodenhausen und dessen Vater
herrühren. Die Belehnung Georgs von Riedesel mit dem halben Zehnten zu
Amönau erfolgte am 4. April 1702.
Georg und Maria von Riedesel hatten 10
gemeinsame Kinder, 5 Söhne und 10 Töchter, dennoch blieb das Gut Amönau nur
24 Jahre in dieser Familie. Georg von Riedesel zu Eisenbach, der aufgrund
vorheriger Erkrankungen bereits in seinen letzten Lebensjahren kränkelte, starb
am 19. August 1704 im Alter von 57 Jahren auf einer Reise ins Vogtland in
Niedertreba auf dem Gut seines Schwagers Dietrich Lebrecht von Bodenhausen.
Er wurde auch dort in der Kirche beigesetzt. Der Grund der Reise war wohl,
ausstehende Schulden einzutreiben. Seine Ehefrau Maria Freifrau von
Eisenbach, geborene von Bodenhausen, konnte wohl aufgrund der hohen
Verschuldung den Burgsitz nicht für die Familie erhalten. So verkaufte sie
ihn im Jahre 1710, mit Zustimmung ihres ältesten Sohnes Hermann und ihrer
Brüder als Mitinhaber der Lehen, für 10 800 Reichstaler an Carl Eberhardt
von Baumbach. Die Vorverhandlungen zum Verkauf begannen bereits im Jahr
1708. 1708 erfolgte die Zustimmung der Brüder Marias von Bodenhausen zum
Verkauf des Gutes. 1710 gab Fürst Wilhelm zu Nassau ebenfalls seine
Zustimmung zum Verkauf der Lehen von Amönau und Dodenhausen. Bereits am 5.
Mai 1711 starb Maria von Bodenhausen im Alter von 48 Jahren auf Schloss Eisenbach.
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Die
Familie von Baumbach

Die Familie von Baumbach hatte ihren
Stammsitz unterhalb Rotenburg in dem am linken Ufer der Fulda gelegenem
Dorf Baumbach. Der erste von Baumbach, der 1246 urkundlich erwähnt wurde,
war Herdegnus de Bombach, miles (Soldat). Er und seine Gemahlin schenkten
dem Stift Hersfeld Güter, um für ihr Seelenheil zu sorgen. Die urkundlich
beglaubigte Familienreihe begann mit Helmerich de Bombach. Dessen Sohn
Ludwig war der Erbauer der Burg Tannenberg, der Stammburg der Familie, bei
Nentershausen im Kreis Rotenburg an der Fulda, einer als den Landgrafen von
Hessen lange Zeit als Grenzfeste gegen Thüringen dienende Burg. Die Familie
von Baumbach gehört zur Althessischen Ritterschaft. Das Wappen stellt einen
liegenden silbernen Halbmond auf blauen Grund dar, der mit je einem
goldenen Stern an den Hörnen verziert ist. Beide Symbole -der Halbmond und
der Stern – wurden in das Amönauer Wappen aufgenommen.
Für die Familie von Baumbach zu Amönau
ist die Ruhlaer Linie der in Hessen weit verzweigten Familie der von
Baumbach Ausgangspunkt.
Die Ruhlaer Linie führt ihren Namen von
dem vor Nentershausen gelegenem Hof Ruhla und wurde von Ewald von Baumbach
(+1555) begründet. Sein Sohn war Ewald II. (*1539 +1597), dessen Sohn
Ludwig (*1591 +1617) setzte die Linie fort. Ludwigs Sohn Burkhard (*1600 +1637),
hinterließ einen Sohn Otto Christoph (*1627 +1683). Otto Christoph von
Baumbach war sieben Jahre Gesandter im Dienst Hannovers, studierte ein Jahr
in Padua, wurde dann geheimer Rat und Hofmeister. Er ging als Gesandter
nach Wien und starb als Berghauptmann und Obervogt mehrerer
württembergischer Ämter im Jahre 1683.
Als im 17. Jahrhundert die
Räumlichkeiten der Burg für die mittlerweile sehr stark angewachsenen
Familie nicht mehr ausreichten, verkauften die drei Söhne von Otto
Christoph von Baumbach, Christian Heinrich, Carl Eberhard und Adam Reinhard
am 21. Juli 1698 ihre fünfachtel Anteile in Nentershausen, Ruhla und
anderen Orten dem damaligen Landgrafen Karl und legten den Erlös in neuen
Gütern an. So teilte sich die Familie von Baumbach weiter in die drei
Linien zu Gilserhof, zu Freudenthal und zu Amönau.
Carl Eberhard von Baumbach (*1666 +1730
in Amönau) war 1705 Rittmeister in der hessischen Garde. Bereits 1708
kaufte er die Zehnten von Amönau und Totenhausen, im Jahre 1711 erwarb er
von Maria Freifrau von Riedesel zu Eisenbach geb. von Bodenhausen das
Schloss mit dessen Gütern zu Amönau. Zu diesem Zeitpunkt umfasst das Gut
ca. 64 ha mit Waldungen zu Amönau mit Treisbach. 1746 wurde der Junkerhof
„Freiadliger Hof“. Erst im Jahre 1871 wurde der aufgelöste Gutbezirk in die
Gemarkung von Amönau eingemeindet.
Carl Eberhard von Baumbach war
verheiratet mit Dorothea Elisabeth von Dalwigk-Campf (*1687 +1741). Die
beiden hatten die Söhne Carl Ludwig (+1765) und Friedrich Ludwig (*1718
+1753) sowie eine Tochter, die mit Donat von Freywald zu Gemünden
verheiratet war. Beide Söhne wurden in Amönau geboren und starben auch
hier.
Friedrich Ludwig war verheiratet mit
Wilhelmine Marianne von Berlepsch-Wickersdorf (*1727 +1794 in Amönau). Ihre
gemeinsamen Söhne waren Carl Ludwig (*1745 +1794), Johann Hermann Friedrich
Wilhelm auf Amönau (Landrat zu Marburg *1748 +1804), Carl Rabe (*1750 +1800),
Friedrich Wilhelm (Oberst beim Landwehrregiment Kassel, +1800) und Carl Friedrich
Alexander auf Amönau und Gemünden (*1754 +1814).
Carl Ludwig wurde durch seine Heirat
mit Amöne von Freywald, der Erbin von Gemünden, der Begründer der Linie zu
Gemünden. Diese Linie erlosch bereits 1921 mit dem Tod Arnold Friedrich
Georg Donat von Baumbach (*1846 +1921) im Mannesstamm. Arnold Friedrich
Georg Donat von Baumbach war lange Zeit Vorsteher der preußischen
Aussiedelungskommission in Posen und später der Generalkommission in
Kassel. Er leitete 1909 die Verkoppelung (Flurbereinigung) in Amönau.
Johann Hermann Friedrich Wilhelm von
Baumbach wurde der Begründer der Amönauer Linie des Hauses. Er war in
erster Ehe mit Christine Loise Amöne Haller von Raitenbuch (*1749 +1793)
und in zweiter Ehe mit Rebekka von Rotberg zu Rheinweiler verheiratet. Aus
der ersten Ehe stammen die Söhne Karl Friedrich Philipp (*1777 +1847),
Friedrich Philipp (*1778 +1828) und Wilhelm Friedrich Alexander (*1779
+1849) sowie die Töchter Christiane, Wilhelmine und Charlotte Anna (*1788 +1847).
Charlotte Anna von Baumbach war seit dem 13. Juni 1814 mit Georg Friedrich
Carl von Witzleben auf Weidelshofen, hessischer Ober-Landesforstmeister,
verheiratet. Im Jahr 1818 ist im Amönauer Kirchenbuch der Tod des
gemeinsamen Sohnes Friedrich Carl angezeigt, der im Alter von 18 Monaten
verstarb und auf dem Friedhof neben dem Kirche, dem Stammsitz der Familie,
beigesetzt wurde.
Johann Hermann Friedrich Wilhelm von
Baumbach ist der erste Besitzer seit Löwenstein von Rehen (+1578), der wieder
in Amönau begraben ist. An der Spitze des Reichspfuhl (Reichspeel), einem nördlich
vom Schloss (etwa 400 m) über sanften Matten sich erhebenden bewaldeten
Hügel liegt sein Grab. Über dem Grab stand ein Denkmal, welches heute an
der inneren Nordseite der Mauer des Schlosses steht. Das Denkmal aus
braunem hessischem Sandstein trägt folgende Inschriften:
Vorderseite
Hier ruhet Reinhard Wilhelm von Baumbach
geboren den 7. April 1748
gestorben den 23. Juni 1804
Kurhessischer Landrat
Edler Mensch und treu in der Erfüllung seiner Pflichten
Rechte Seite
Denkmal kindlicher Liebe und Verehrung
Rückseite
Ihre Gebeine ruhet ungestört
Das nächste Mitglied der Familie von
Baumbach, das mit seiner Familie wieder das Schloss bewohnte war Norbert
Ortwin August Wilhelm von Baumbach (*1900 +1971). Er war Kapitänleutnant
und zuletzt Kapitän zur See im Reichswehrministerium, später deutscher
Marineattache in Moskau, und nach dem Krieg bei der amerikanischen
Besatzungsbehörde in Bad Homburg tätig. Norbert von Baumbach lebte mit
seiner Familie von 1943 bis Sommer 1951 vorübergehend hier auf dem Schloss.
Er heiratete 1931 in Berlin Irene von Kriegsheim (*1908 +1993). Sie hatten
drei Töchter, Irene Irmgard Angela, Renate Klara Elisabeth Ehrengard und
Daniela Amöne Sophie. Sein Bruder Reinfried von Baumbach war Landrat in
Traustadt und zuletzt in Opladen, er lebte ebenfalls mit seiner Familie von
1945 bis Oktober 1951 in Amönau.
Seit 1927 war das Gut mit seinen
Besitzungen an die Familie Pentzel verpachtet worden. Am 11. März 1954 lief
die bereits verlängerte Pachtzeit ab. Seit dieser Zeit bewirtschaftete
Norbert von Baumbach das Gut selbst. 1959 wurden große Teile der zum
Schloss gehörigen Besitzungen an die Siedlungsgesellschaft Hessische Heimat
mit Sitz in Kassel verkauft. Die Hessische Heimat verpachtete diese
Besitzungen zum größten Teil an die Familie Schulze. Die Familie Schulze
war als Flüchtlinge aus Pommern nach Amönau gekommen und kaufte in den 70er
Jahren die Besitzungen der Siedlungsgesellschaft ab. Heute betreibt die
Familie Schulze neben der Landwirtschaft noch eine Apfelkelterei und Mosterei.
Norbert von Baumbach, seine Frau Irene
und die gemeinsame Tochter Renate sowie Reinfried von Baumbach liegen in der Familiengrabstätte der von
Baumbach-Amönau auf dem Amönauer Friedhof begraben.
Georg v. Braunschweig, der Ehemann von Renate v. Baumbach, war in 2. Ehe mit Eva
v. Braunschweig verheiratet und verstarb im Jahr 2004 in Wuppertal
Die Tochter Daniela von Baumbach ist
seit dem 1. Juni 1974 mit Joachim von Biedenfeld verheiratet. Sie haben
zwei Töchter. Das Ehepaar lebt z. Zt. auf dem Schloss zu Amönau.
nach oben
Im
dem „Einkünfteverzeichnis und Jahresabrechnung für die Vogtei des Stiftes
Wetter“ aus dem Jahr 1528, wurden auf Blatt 25 die Einkünfte des Stiftes
aus Amönau aufgelistet. So erhielt die Vogtei 12 Albus von Gütern zu
Totenhausen und Ackern und Wiesen und zusätzlich noch 1 Albus und 2 Pfennige
für die Propstei und 2 Pfennige für die Abtei. Diese Einnahmen setzten sich
zusammen wie folgt: 2 ½ Albus bezahlte Henne Gomperts. 7 ½ Pfennige gab der
Scharff von Gütern zu Totenhausen. 3 ½ Albus erhielt die Vogtei von Anna
Brendels, der alten Rentmeisterin, von deren Gütern zu Totenhausen. 5 Albus
bezahlten Jegerhentze und Staffel von ihren Gütern zu Totenhausen in die
Abtei. 2 ½ Albus und 2 ½ Pfennige
bezahlten noch die Erben von Jegerhentze von dessen Gütern zu Totenhausen. (..)
7 Pfennige erhielt die Vogtei von Dromelhentze von dessen Gütern zu Caldern.
7 Pfennige gab Hans unter dem Kirchhof.
1531
nach oben
|
Der Dammenhof
|
Ein ganzer Hof, „steht der Breun zu
von wegen der von Hoinfels, ist ihr erbeigen“, bewirtschaftet von dem
alten und jungen Lindenhans.
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Der Walhof
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Ein ganzer Hof, Eigentum von Dönges
Fett, Loitz, Wuest, Drommeln Hans der Alte und Drommeln Hans der Junge
|
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Der Räuckershof
|
Ein halber Hof, halb Eigentum von
Volbert Fett, Bürger zu Wetter und halb von Lebenstein Wuest und Donges
Fett.
|
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Der Volquinushof
|
Ein halber Hof, der halb den
Bewirtschaftern Wilhelm Fett und Loitz, Naumann und halb Jost Gompel,
Bürger zu Biedenkopf, gehört.
|
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Das Pinziersgut
|
genannt Gompertshof, ein ganzer Hof.
Eigentum der Bewirtschafter Lebenstein, Mengel und Meurer Caspar der
Engel.
|
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Battenbeters Hof
|
genannt ,,Unser lieben Frauen
Hof", Eigentum des Spitals in Wetter, bewirtschaftet von Hermann
Lichtenfels und Paul Jäger.
|
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Bitzenpetters Kotten
|
Eigentum des Kastens zu Amönau,
bewirtschaftet von Bitzhenn.
|
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Das Kottengütchen
|
Es gehört der Pfarrei Treisbach,
bewirtschaftet von Jakob Leufer.
|
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Das Gließengütchen
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genannt das Kastengütchen, Eigentum
der Kirche zu Amönau, bewirtschaftet von Hans Eckart.
|
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Unser lieben Frauen Hof
|
Eigentum des Spitals in Wetter, zu
einem 1/2 Hof bewirtschaftet von Heinz Ipper.
|
|
Das Kolengütchen
|
Eigentum des Spitals von Biedenkopf,
bewirtschaftet von Peter Heller.
|
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Die Einwohner von
Amönau
Einzelne Namensnennungen finden sich in Urkunden oder
Salbüchern bereits recht früh. So übertrug 1263 laut Urkunde eine Gertrud
von Amönau ihre Güter zu Allendorf dem Kloster Haina. In den Pachtregistern
des Amönauer Deutschordenshofes von 1358 wurden als damalige Gutspächter des
Ordenshofes Heinrich Holzerich, Konrad Hofmann und Johann Flemming
aufgeführt. Bereits zu der Zeit von Sophie von Brabant, der Tochter der
heiligen Elisabeth und Mutter des späteren Landgrafen Heinrich I., fanden
Menschen aus Flandern in der Umgebung von Marburg eine neue Heimat. Diese
Menschen nannte man „Flemminge“. 1423 nahmen Henne Gnau und seine Gattin
Lutze einen Hof zu Amönau in Erbleihe. Der Pfarrer Mengoth von Wetter hatte
in Amönau einen Hof erworben, der im Jahre 1480 jeweils zur Hälfte an Henne
Gnauwe und Heinz Mengel verpachtet wurde.
Eine andere Quelle, die auch bereits recht früh
Einwohner benennt, sind Gerichtsakten. So wurde 1560 Jacob Beer zu Amönau
bestraft, da er im „adligen Wald“ gehütet hat. 1596 wurde Dreute, der Witwe
von Peter Kern, der Prozess wegen Kindstötung des unehelich geborenen
Kindes gemacht.
Die früheste erhaltene
Aufzeichnung der Einwohner unseres Ortes stammt aus dem Jahre 1502:

Hier
werden 26 Haushaltsvorstände
aufgelistet:
nach oben
Im Salbuch von 1580 werden folgende selbständige
Bewohner von Amönau aufgezählt:
|
Ackersleute
1.
Andreas Koch
2.
Anna Eulners
3.
Caspar Meurer
4.
Caspar Mengel
5.
Clemens Bolandt
6.
Deys Naumann
7.
Donges Fett
8.
Donges Jheger
9.
Elisabeth Lindenhansen Witwe
10.
Hans Fittich
11.
Hans Schiebemann
12.
Hans Gnaw (Gnau)
13.
Hans Engel
14.
Hans Veid
15.
Hans Trommel
16.
Heintz Meurer
17.
Heinz Ypper
18.
Henchen Mengel
19.
Joachim Naumann
20.
Johann von Ernsthausen
21.
Jakob Gnaw
22.
Lebenstein Wust
23.
Ludwig Moller
24.
Loitz Wetscher
25.
Lindenhansen Witwe
26.
Lutz Wust
27.
Lutz Meurer
28.
Weigand Vaupel
29.
Wilhelm Staffel
|
Einläufige
30.
Andreas Pfalzgrave
31. Andreas
Opperknecht
32.
Andres Staffel
33.
Claus Fittichs Witwe
34.
Curt Eckhard
35.
Deys Kelner
36.
Gerhard Staffel
37.
Georg Weißbrenners Witwe
38.
Hans Schmidt
39.
Hans Kern
40. H.
Gnaw
41. H.
Mengel
42. H.
Staffel
43.
Henn Pitz
44.
Henn Geise
45.
Henn Roidsmann
46.
Heinz Fiesel
47.
Hermann Wibbel
48.
Hermann Pitz
49.
Herm. Keller
50.
Jakob von Allendorf
51.
Jakob Jheger
52.
Johann Eckert
53.
Lebenstein Drommel
54.
Lebenstein Schneider
55. Linden
Heinz
56.
Ludwig Fiesel
57.
Merga Fieselke
58.
Mulnhans
59.
Peter Krieger
60.
Peter Heller
61.
Thomas Freudenberger
|
Im Salbuch von 1592 finden sich folgende Einwohner:
|
Einwohner
1.
Anna von Rehen
(Witwe
von Franz von Rehen)
2.
Anna, Ludwig Müllers Witwe
3.
Kaspar Meurer
4.
Donges Jäger
5.
Grete Steffes
6.
Heintz im Brunnen
7.
Hans Drommels Wittib
8.
Hermann Lind
9
.Hans Schiffermann
10.
Heinz Ipper
11.
Hans Gnau
12.
Hans Fittins
13.
Hans Stoffel
14.
Hans Eckhard - Opfermann
15.
Hans Schmidt
16. Jakob
Gnau
17.
Johannes Soldat
18.
Löwenstein Wüst´ Witwe
19.
Lutz Naumann
20.
Heintz Pitz
21.
Volpert Mengel
22.
Wilhelm Fett
23.
Wilhelm Staffel
|
Ackersleute
1.Adam
Wüst
2.
Donjes Jäger
3.
Gertraud, Hans Drommels relicta
4.
Hans Staffel
5.
Hans Schiffermann
6.
Hans Gnau
7.
Hermann Lindt
8.
Jakob Grobe
9.
Lutz Naumann
10.
Löwenstein Wüst der Ältere
11.
Volpert Mengel u. Hans Schmidt
12.
Volpert Mengel der Ältere
13.
Wiegand Vaupel
14.
Wilhelm Fett
15.
Wilhelm Stoffel
|
Einläufige
1.
Andreas Jeger
2.
Anna, Ludwig Müllers relicta
3.
Andreas Stoffel u. sein Sohn Deis
4.
Bernhard Lind
5.
Balzer Schmidt
6.
Caspar Maurer
7.
Katharina, Hans Fetten relicta
8.
Debes Cramer
9.
Engel Eckhardt
10.
Franz Fittich
11.
Gerlach Staffels relicta
12.
Hans Eckhard
13.
Hans Otto, Schäfer
14. Hans
Kern
15. Hermann
Thomas
16. Hans
Ebert
17. Hans
Schmitt, Schäfer
18. Hans
Koch
19. Heinrich
Iser
20. Johannes
Ernsthausen
21. Johannes
Bolch
22. Jost
Combecher
23. Johann
Eckhardt
24. Johann
Soldan
25. Jakob
Fett
26. Jakob
von Allendorf
27. Johannes
Bettelnhäuser
28. Johannes
Weißbender
29. Löwenstein
Wüst
30. Paul
Schmidt
31. Peter
Landschneider
32. Peter
Mengel
33. Siegfried
Drommel
|
nach oben
Wie man hier deutlich sieht weichen die
Schreibweisen der Namen voneinander ab, sie wurden oft nur nach Gehör
aufgeschrieben. Etliche Namen wiederholen sich, einige Familien leben bis
heute im Ort. Dort wo die Familien als Namensträger ausgestorben sind, hat
sich der Familienname oft als Haus- bzw. Hofnahme bis heute erhalten.
In
der Ortsbeschreibung von 1826 findet sich folgende Einwohnerliste:
Hier ist nur das steuerpflichtige
Oberhaupt einer Familie aufgelistet. Wenn man die Zahl der
Haushaltsvorstände mit 5-6 (Personen) multipliziert, erhält man eine
ungefähre Einwohnerzahl:
|
Haushaltvorstände
1. Schultheiß Dersch
2. Johannes
Koch
3. Johannes Fett III.
4. Johannes Wiegand
5. Johannes Jost Punter
6. Johannes Althaus II.
7. Heinrich Kraft
8. Moritz Lind
9. Heinrich Engel
10.
Heinrich Ronzheimer
11.
Heinrich Otto II.
12.
Johannes Gärtner
13.
Moritz Höbener
14.
Johannes Gnau
15.
Heinrich Günnbals Witwe
16.
Heinrich Schäfer
17.
Philipp Engel
18.
Johannes Diel II.
19.
Hermann Brössel
20.
Johannes Hampel
21.
Kaspar Schmidt
22.
Jost Jäger
23.
Heinrich Otto - Müller
24.
Johannes Dersch I.
25.
Johannes Muth
26.
Johannes Schmidt
27.
Hermann Wiegand
28.
Jost Weide, Witwer
29.
Seibert Battenfeld
30.
Jost Muth, Witwer
31.
Johannes Achenbach II.
32.
Johannes Dersch III.
33.
Johann Jost Fett - Vorsteher
34.
Johannes Dersch - Schultheiß
35.
Johannes Brössel I.
36.
Johannes Wiegand II.
37. Johannes Fett I.
38. Johannes Rösser I.
39.
Johannes Hampel I.
40. Johannes
Mengel
41. Michael
George
42.
Pfarrer Soldan
43.
Schullehrer Landau
44.
Heinrich Lettermann
45. Johannes Fett II.
|
46. Johannes Gnau II.
47. Johannes Jäger I.
48.
Johannes Engel
49.
Katharina Kraftin (Kraft)
50.
Konrad Häußer
51.
Johannes Althaus
52.
Jost Milchsack
53.
Christoph Häußer
54.
Jost Dersch
55.
Hermann Naumanns relicta
56.
Johannes Höbener
57.
Heinrich Schlösser
58.
Jost Schmidt´s relicta
59.
Michael Wagner
60.
Johannes Koch II.
61.
Jost Schneider
62. Bäcker und Maurers relicta
63.
Georg Hampel
64.
Johannes Kombächer
65.
Johannes Lind
66. Martin Staffel
67. Johann Jost Kloes
68. Johann Jost Muth
69.
Hermann Balz
70.
Johannes Diel I.
71.
Johannes Rösser II.
72.
Heinrich Gnau
73.
Ludwig Kraft
74.
Johannes Theiß
Beisitzer
1. Heinrich Schmidt
2. Johannes Schneider
3. Katharina Landau
4. Martin Ammenhäuser
5. Elisabeth Berghöbern
6. Gertrud Flammin
7. Hermann Weide - Korbmacher
8. Katharina Milchsack
9. Maria Kraft
10.
Margarethe Engel
11.
Katharina Häusern
12.
Margarethe Rösselin
13.
Jost Weide - Schäfer
|
Weitere Zahlen über die Einwohner
in Amönau:
|
1502
1577
1630
1681
1747
|
Verzeichnis
der Mannspersonen
Salbuch
|
26
Haushalte
75
Haushalte
43
Haushalte (30-jähriger Krieg und Pest)
39
Haushalte
68
Haushalte
|
|
1630
|
|
6 zweispännige Ackerleute
18
einspännige Ackerleute
19
Einläufige.
|
|
1776
|
|
2
Müller
4
Schmiede
6
Wagner
6
Zimmerleute
1
Kalkbrenner
5
Schneider
5
Leineweber
1 Wirt
2
Branntweinschenker und -brenner
6
Tagelöhner
9
Tagelöhnerinnen
4
Schäfer
|
|
1783
|
Vorbeschreibung
|
369
Einwohner davon:
84
Männer
92
Weiber
84
Söhne
92
Töchter
6
Knechte
11
Mägde
|
|
1838
|
|
76
Häuser:
58 Ackerbau
4 Gewerbe
12 Tagelöhner
66 nutzungsberechtigte
8 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger
2 Beisitzer
|
|
1861
|
|
509
evangelisch - lutherische Einwohner
5 evangelisch - reformierte Einwohner
|
|
1895
|
Volkszählung
|
97
Wohnhäuser mit 98 Haushaltungen
512
Einwohner.
231
männliche
281
weibliche Personen
|
|
1903
|
Volkszählung
|
97
Wohnhäuser mit 100 Haushaltungen
510
Einwohner:
224
männliche
286
weibliche Personen
|
|
1925
|
|
665
Einwohner
|
|
1939
|
|
718
Einwohner
|
|
1950
|
|
985
Einwohner
|
|
1961
|
|
888
Einwohner
733
evangelische Einwohner
34 römisch-katholische Einwohner
|
|
|
|
Erwerbspersonen:
216
Land- und Forstwirtschaft
131
Produzierendes Gewerbe
42 Handel und Verkehr
25 Dienstleistungen und Sonstiges
|
|
2007
|
|
953
Einwohner/innen
|
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In Amönau gab es zwei Mühlen:
1. Die Moardemühle vor dem Dorfe nach Ausgang Treisbach, gehörte 1580 dem
Wetteraner Bürger Hans Stark.


2. Die andere Mühle lag unter dem Hessler, wurde von Löwenstein
von Rehen erbaut und gehörte dessen Erben. Eine Zeit gehörte sie als freie
adelige Mühle den Herren von Baumbach, die sie an Heinrich Otto als
Erbleihe gegeben hatten.

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Flurbezeichnungen:
Der Hessler (Hesseler), am Klenberg, Beschenzberg, am
Brückengraben (Brückenäcker), am Obersten, Mittel- und Kirchbühl, an der
Asphe, vor dem Bambach, am Eselpfad, auf der Scheppengewände, unter dem
Rotenberg, auf der Haldaffe (Hälfte), im Scheid, im Faulengrunde, Unsere
Liebfrauenwiese
Nach dem Salbuch von 1580 lagen die Amönauer Rottäcker
am Hermenknechtsberge, am Eulenberg, am Bornköpfel, im Kom, am Wollenberg,
am Merkensberg, im Florscheidt, am Treisbacher Pfad, vorm Bambach, auf dem
Mühlenberge, am Heilgersberge, an der Treisbacher Seite, am Huckenpfuhl, am
Warzenbächer Pfad zusammen waren es: 181 Morgen, 3 Mesten, 2 Wiertel, und 9
Ruten.
Eine Kalksteinader verläuft von Amönau in südlicher Richtung. Sie versenkt
sich im Lahntal tief und tritt an dem anderen Ende bei Weitershausen wieder
hervor. An diesen beiden Stellen wurde sie genutzt, d.h. es wurde Kalk
gebrannt. Die Kalköfen - drei an der Zahl - wurden 1877/78 neu ausgebaut.
Wie erzählt wurde, standen daselbst in der Blütezeit der Kalkbrennerei
frühmorgens manchmal 30 und mehr Bauernwagen aus Nah und Fern, um den
gebrannten Kalk abzuholen. Er wurde als Bau- und Düngekalk genutzt. Der am
Ortsausgang in Richtung Oberndorf links gelegene Ofen war der am meist
benutzte. Er wurde nach dem 1. Weltkrieg in den Jahren 1924 - 25 von der
Firma Bieker erneuert und als Hochofen ausgebaut.
Nach dem 2. Weltkrieg konnte der Ofen bei Dauerbrand
nicht allen Anforderungen genügen. Seit etwa 1949 ging die Kalkbrennerei
zurück. Andere Werke arbeiteten rentabler, hinzu kam die schlechte
Verkehrsanbindung, so dass der Amönauer Kalk für die Konkurrenz zu teuer
war. Seit 1951 waren nunmehr sieben Personen beschäftigt und es wurde
Schotter zum Straßenbau gemahlen.
Ende der 50er Jahre wurde der Betrieb noch einmal mit
einer neuen Schotteranlage versehen. Die gleichen Probleme, wie ehedem der
Kalkofen, bedingten Ende der 60er Jahre die Schließung des Betriebes.
Seitdem verfielen die Gebäude, so daß schließlich eine Abrissverfügung im
Jahre 1981/1982 den völligen Abbruch der Gebäude bedeutete.
Am Dorfausgang in Richtung Treisbach, auf der rechten
Seite, lagen die Reste eines Ofens bis in die 30er Jahre. An seiner Stelle
ist 1949 ein Wohnhaus (Stiefel) erbaut worden.
Ein dritter Ofen lag bei Oberndorf, in dem 1729 noch
Kalk gebrannt wurde. Später ging die Brennerei zurück und schlief
schließlich ganz ein. Der Kalkofen wurde abgebrochen und nach Dilschhausen
bzw. Weitershausen verlegt.
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Der 30-jährige Krieg:
Im
Jahre 1635 wütete die Pest in dieser Gegend. Zunächst in Warzenbach und
später auch und am schlimmsten in Amönau. Im Kirchspiel Amönau starben 202
Personen.
Im Jahre 1690 führte der Landgraf Carl das öffentliche
Reformierte Religions-Exertitium zu Wetter ein. Man setzte auch einen
reformierten Pfarrherrn nebst einem Schulmeister nach Münchhausen, welcher
alle 14 Tage den reformierten Gottesdienst in der lutherischen Kirch zu
Wetter versehen musste.
In Amönau haben die Reformierten nie festen Fuß gefasst.
1611 hatte sich die Gemeinde Amönau beim Konsistorium über die Predigten
des kalvinistischen gesonnenen Pfarrers Huber beschwert. Bei
Wiedereinführung des lutherischen Bekenntnisses wurde 1624 der Amönauer
Pfarrer R. Beisenhirtz entlassen und Euchenius sein Nachfolger (1624-1639),
der aber als Lutheraner mancherlei Widerwärtigkeiten durch die Adelsfamilie
von Bodenhausen hatte ertragen müssen. Im übrigen war der oberhessische
Adel, wie z. B. die Schenken zu Schweinsberg, die Rau zu Holtzhausen und
die Milchling zu Theis a. d. Lumda, Gegner der so genannten
Verbesserungspunkte, durch deren Einführung der Landgraf Moritz, ein
unschlüssiger, wankelmütiger, von den Radikalen getriebener Fürst, eine
konfessionelle Zersplitterung des hessischen Territoriums (1605 - 1624) verursachte.
In dieser Zeit verließen etwa 60 überzeugte Pfarrer die Heimat. Moritz
wollte mit der gewaltsamen Kalvinisierung seines Landes auch die politische
Angliederung Oberhessens an Niedersachsen sichern. Die Verbesserungspunkte
des Kalvinisten Moritz von Hessen, bezweckten bekanntlich die Beseitigung
der lutherischen Lehre von der Ubiquität (leibliche Allgegenwart Christies),
die Einführung der reformierten Zählung der 10 Gebote, Ersetzung der Hostie
durch das Brot brechen beim heiligen Abendmahl, Entfernung der Bildwerke
aus den Kirchen.
Der
Siebenjährige Krieg:
Das Lagerbuch von 1786 berichtet, dass in den letzten
französischen Kriegen die Gemeinde hart mitgenommen worden sei. Sie musste
vom herrschaftlichen Rentnereiboden zu Wetter allein für 400 Taler
Saatfrüchte kaufen. Diese Summe entlieh Amönau vom Bürgermeister Sommer aus
Laasphe. Als Pfand oder Hypothek ist der vorderste Teil vom Schüßler
eingesetzt worden.
Da die Gemeinde keine eigene Braugerechtsame für Bier
mehr hatte, musste dieses in Wetter geholt werden. Damals hatte das Dorf 69
Feuerstätten außer dem herrschaftlichen Hause, der Pfarrer - und
Schulwohnung. An Einwohnern wurden gezählt: 87 Männer, 92 Weiber, 84 Söhne,
92 Töchter, 6 Knechte, 11 Mägde - zusammen 369 Einwohner. Unter ihnen waren
2 Müller, 4 Schmiede, 6 Wagner, 6 Zimmerleute, 1 Kalkbrenner, 5 Schneider,
5 Leineweber, 1 Wirt, 3 Branntweinschenker und -brenner, 4 Schäfer. Die
eine der zwei Mühlen am Westausgang des Dorfes (Marthemühle) betrieb damals
Johannes Peuker. Die einzige Wirtschaft betrieb Michael Milchsack im
Gemeinderathaus (Rothwirts) für die Pacht von 10 Talern, doch ging sie
schlecht. Michael Ludwig und Johannes Eckhard betrieben je eine
Schnapsbrennerei, durften aber nicht einzeln verkaufen.
Über die direkten Auswirkungen des Krieges auf die
hiesige Bevölkerung ist weiter nichts zu erfahren. Über Lage und Verlauf
ist folgendes zu berichten:
Nachdem im Sommer 1757 Marburg von den Franzosen besetzt
worden war, mussten sie nach ihrer Vertreibung unter Soubise aus
Niederhessen durch Herzog Ferdinand von Braunschweig im folgenden März die
Stadt räumen und Prinz Isenburg schlug sein Hauptquartier in Marburg auf.
Etwa 3500 Mann lagen in der Stadt und in den umliegenden Dörfern. Man
erwartete von Süden her einen Angriff der Franzosen und versperrte die
Zugänge zum Lahntal, dem Ebsdorfer Grund und die Schlucht bei Bortshausen.
Am 14. Juli 1757 lieferte Isenburg den vordringenden Truppen Broylius ein
siegreiches Treffen bei Sichertshausen, konnte aber ihren Vormarsch im
Endeffekt nicht aufhalten.
Am 16. Juli zog Broylin in Marburg ein, das Schloss
wurde sofort besetzt und ein Lager auf dem Glaskopf eingerichtet. Oberst
Trumbach wagte zwar 1759 einen Überfall auf die Stadt, musste aber wieder
umkehren, weil Herzog Ferdinand infolge der Niederlage bei Bergen in
nördlicher Richtung an Marburg vorbei ins Schwalmtal zog. Die Franzosen
zogen dann aber ihre Truppen aus Hessen zurück, da sie bei Minden eine
empfindliche Niederlage erlitten hatten. Ende August 1759 bezog das
französische Heer unter Contates ein befestigtes Lager bei Großseelheim,
Broylin deckte bei Cölbe den Übergang über die Lahn. Ziegenhain fiel und
Wetter wurde am 28. August das Hauptquartier von Herzog Ferdinand.
Schanzen zwischen Brungershausen und Warzenbach wurden
damals wohl auch erbaut, die noch erhalten sind, bis auf eine Anlage, die
im Zuge von Erdarbeiten abgegraben ist. Auch eine weitere Anlage wurde
zerstört. Wenn man den Zugstreckenweg von Warzenbach nach Brungershausen
benutzt, so liegen die Schanzen rechts des Weges, und das Waldstück, bei
abfallendem Weg links, heißt „das Lager". Hier ist noch der
Lucknerbrunnen zu sehen, der als Hauptquelle für die Brungershäuser
Wasserleitung diente. Dieses Waldstück ist auch auf der Distriktkarte als
,,Lager" eingezeichnet. Hier hatte Graf Luckner im September 1759 ein
Lager bezogen, um die zurückweichenden Franzosen zu beunruhigen. Diese
Lucknerquelle erinnert an den kühnen Reiterführer, dessen Husaren über
Michelbach vorstießen und am 2. September 1759 bei Niederweimar eine
französische Feldwache überrumpelten. Die so genannten Franzosenlöcher bei
Michelbach werden mit einem französischen Lager damals in Verbindung
gebracht. Im September 1759 wurde Marburg wieder von den Hessen belagert.
Nach 5 Tagen mussten 816 Franzosen auf dem Schloss kapitulieren, nachdem es
von Oberstleutnant Huth mit 27 Geschützen vom Dammelsberg und der
Kirchspitze aus beschossen worden war.
Im Sommer 1760 rückten die Franzosen wieder vor, Marburg
und Frankenberg fielen in ihre Hände. Im Februar 1761 misslang ein weiteres
Unternehmen der Hessen gegen Marburg. Am Elisabethtor fiell nach einem
erbitterten Kampf der Oberst von Breidenbach, der in der Pfarrkirche sein
Grab fand. Im September 1762 kampierte die alliierte Armee mit den
Lucknerschen Husaren in Amönau.
Das letzte Kriegsjahr fand einen dramatischen Abschluss.
Oberst Riedesel wagte im Juli einen Vorstoß bis Goßfelden. Ende August
begann die Beschießung des Marburger Schlosses, die aber abgebrochen werden
musste, da die Franzosen siegreich über Gießen lahnaufwärts vordrangen.
Deren Hauptmacht nahm Stellung bei Schönach und Wehrda. Von den Hessen
bezog der Erbprinz ein Lager bei Dannerod. Bei der Brückermühle stand
anschließend Hardenberg, die Hauptmacht zwischen Wetter und Schönstadt,
Gilsa bei Sarnau und Goßfelden, Conway auf dem Wollenberg, Luckner bei
Warzenbach. Ihre Ohm- und Lahnstellung war also stark. Von besonderer Bedeutung
war der Lahnübergang bei Goßfelden und die Stellung an der Brückermühle
unterhalb der Amöneburg. Nach einem missglückten Durchbruch bei Goßfelden,
kam es bei der Brückermühle zu einem sehr heftigen Kampf, bei dem 10 000
Kanonenschüsse gefallen sein sollen. Nach unentschiedenem Kampf war dem
französischen Vormarsch aber Halt geboten worden und am 11. November schloss
Herzog Ferdinand mit den Marschällen d´Estrees und Soubise im Brücker
Wirtshaus einen Waffenstillstand, zu dessen Andenken die Friedenssäule im
Hof der Mühle errichtet wurde. Die französische Artillerie rückte nach
Frankfurt ab, Marburg blieb noch einige Wochen durch andere Truppenteile
der Franzosen besetzt, aber zu Weihnachten konnten die hessischen Truppen
Quartier nehmen.
Leider finden sich keine Aufzeichnungen über die
Freiheitskriege gegen Napoleon 1812 und 1814 und ihre Auswirkungen in und
über Amönau vor. Ebenso fehlen jegliche Unterlagen über die 300-Jahr-Feier
der Reformation im Jahre 1817. Die einzigen Unterlagen sind die beiden Kriegergedenktafeln
von Amönau und Oberndorf, die beide in der Kirche von Amönau aufbewahrt
werden. Diese Tafeln wurden zur Verhütung der zunehmenden Unleserlichkeit
der Inschriften im April 1921 durch den Kunstmaler Dauber in Marburg
renoviert. Sie tragen die Unterschrift:
G.L. Soldan, Pfarrer
Joh. Dersch,
Schultheiß (ehemalige Bezeichnung für Bürgermeister)
Amönau, den 15. Mai
1814
Die Inschrift der
Amönauer Gedenktafel lautet:
Denkmal und Verzeichnis
der braven und tapferen Vaterlandsverteidiger, welche aus der Gemeinde
Amönau den ruhmvollen Kampf gegen Frankreich mitgekämpft haben:
1. Christian S o l d a
n, Studiosus, Sohn des derzeitigen Pfarrers, Herrn Georg Ludwig Soldan, als
freiwillig reitender Jäger,
2. Johannes R ö s s e r,
des verstorbenen Heinrich Rössers Sohn, als gemeiner
Husar, Regiment Kurfüst,
3. Johannes M i l c h s a c k, Sohn des verst. Schullehrers H. Milchsack als
Feldwebel beim Grenadier-Batallion,
4. Christoph H e u s e r
, des Joh. Jost Heusers Sohn, als Corporal beim Grenadier-Batallion,
5. Heinrich D e r s c h
, des Schultheiß Joh. Dersch´s Sohn, als gemeiner Grenadier,
6. Heinrich S c h e e r
e r , Sohn des Andreas Scheerer, als gemeiner Grenadier,
7. Moritz D e r s c h ,
Sohn des Wiegand Dersch, als gemeiner Füßelier,
8. Heinrich L i n n e ,
des Andreas Linne Sohn, als gemeiner Füßelier,
9. Johannes G n a u ,
des Kirchenältesten Heinrich Gnau Sohn, als gemeiner Musquedier,
10. Christoph S c h e f
e r , Sohn des Heinrich Schefer, als gemeiner Musquedir
11. Johannes B e c k e r
, Sohn des verst. Paulus Becker, als gemeiner Musquedir
12. Ludwig H e c k ,
Sohn der Maria Reitz'in, als gemeiner Musquedir
13. Seibert S c h e f e
r , Sohn des Heinrich Schefer, gemeiner Musquedir
Unter dem Kommandant der
Landwehr stehen:
14. Konrad H e c k e r ,
Sohn des verstorbenen Försters Hecker, als gemeiner Soldat
15. Johannes T h e i ß ,
Sohn des Nikolaus Theiß, als Corporal
Anno
Domini 1813 - 15

restaurierte Gedenktafel an den Frankreichfeldzug in der Kirche Amönau
nach oben
Über die politischen Verhältnisse und Kriegsverhältnisse
von 1848, sowie über die Kriege von 1864 und 1866 und ihre Auswirkungen auf
die Gemeinde Amönau liegen keine Aufzeichnungen vor.
In diese Zeit fiel allerdings der so genannte
Orgelstreit in Amönau unter dem Pfarrer G.L. Soldan im Jahre 1834: Als in
diesem Jahre die neue Orgel in der Kirche in Amönau teilweise vollendet
war, begehrte die Gemeinde, dass dieselbe alsbald in Gebrauch genommen
würde, da der Orgelbauer durch anderweitige Arbeiten zu deren Vollendung
gehindert war und erklärt hatte, die fertigen Teile könnten schon gespielt
werden. Auf eine diesbezügliche Anfrage des damaligen Schullehrers Karl
Bender, verfügte das Konsistorium zu Marburg am 20. Juni 1834: „Die Orgel
solle nicht eher in Gebrauch genommen werden, bis sie ganz fertig sei,
zumal wegen ihrer Abnahme der Schullehrer keine Verantwortung übernehmen
könne." Allein die Gemeinde bestand auf ihrem Willen und sang ab
dieser Entscheidung, außer dem Lied „Komm heiliger Geist" kein Lied
mehr mit. Später sangen sie überhaupt nicht mehr mit. Schließlich blieben
sie ganz der Kirche fern. Lediglich einige Schulkinder und einige alte
Frauen kamen zur Kirche. Da alle Ermahnungen nichts halfen, berichtete der
damalige Pfarrer Soldan die Sachlage an das Konsistorium. Dieses sandte am
Sonntag dem 2. August 1834 als Vermittler den Kreisrat Hille. Doch auch an
diesem Sonntag erschienen außer einigen alten Frauen und einigen Knaben
niemand in der Kirche. Aber auch diese sangen nicht mit. Hierauf erfolgte
mit Datum vom 15. August 1834 ein Konsistorialbefehl, wonach ,,aller Gottesdienst"
in der Kirche zu Amönau bis auf weiteres eingestellt werden sollte. Pfarrer
Soldan konnte diesen Beschluss nicht anders auffassen, als dass damit das
Interdict über die Gemeinde ausgesprochen sei und handelte dem gemäss. Bei
der ersten Beerdigung, die er in der Stille halten wollte, verbot er daher
das Glockengeläut und den Gesang. Die Männer jedoch brachen in die Kirche
ein und zogen alle Glocken. Als sie nun auch noch vor dem Leichenhaus zu
singen begannen, entfernte sich Pfarrer Soldan und der Schullehrer. Das
Konsistorium missbilligte jedoch das Verfahren des Pfarrers. Aber diese
Behörde erfuhr dann die Missbilligung ihres eigenen Beschlusses am 15.
August, seitens des Ministeriums des Innern, in dem nach Verfügung vom 19.
November 1834 der regelmäßige Gottesdienst in der Kirche zu Amönau alsbald
wieder aufgenommen werden sollte. Das Konsistorium demonstrierte zwar
hiergegen mit Berufung darauf, daß die Gemeinde bis dahin nicht das
geringste Zeichen von Reue über das bisherige Verhalten an den Tag gelegt
habe, aber dessen ungeachtet musste am 1. März 1835 wieder geöffnet werden.
Pfarrer Soldan ließ sich jedoch durch seinen Sohn, den Pfarrer zu
Oberrosphe, vertreten. Zu dem Gottesdienst erschienen aber auch jetzt nur 4
Männer und 4 alte Frauen, da der Bürgermeister Brössel (Bitzewirts) und der
Gemeinderat durch das Nachgeben des Ministeriums kühn gemacht, auch die
vorherige Entfernung des Schullehrers verlangt hatten. Ein Ansinnen, das
jedoch seitens der Behörde abgelehnt wurde. Der Bürgermeister Brössel aus
dem Pitzewirtshof, gegenüber der damaligen Schule gelegen, wurde laut amtl.
Schreiben vom 30. September 1852 wegen seines unstatthaften Benehmens
betreffend der Suspension des Lehrers Trusheim und Verkennung seiner
Stellung gegenüber dem Seelsorger in eine Disziplinarstrafe von 5 Talern
genommen und entsprechend verwarnt, gez. J-A Cornelius.
Leider waren über den Deutsch-Französischen Krieg von
1870/71 keine Unterlagen zu bekommen. Hier kann nur die Krieger-Tafel von
Amönau-Oberndorf aufgeführt werden. Sie trägt folgende Namen:
1. Johannes Wiegand, 3. Garde Reg. zu Fuß
2. Konrad Fett (Kalkbrenner), 1. Hess. Inf. Reg. 81
3. Johannes Weide, 1. Hess. Inf.
Reg. 81
4. Johannes Hampel (Hampels Hof), 3. Hess. Inf. Reg. 83
5. Johannes Michel Höbener (Trompe), 3. Hess. Inf. Reg. 83
6. Michael Höbener, Inf. Reg. 16
7. Heinrich Jäger, Inf. Reg. 16
8. Johannes Jäger, Inf. Reg. 16
9. Johannes Jost Maurer, Inf. Reg. 16
10. Johannes Schmidt, 1. Kurhess. Feld Art. Reg. 11
11. Johann Jost Fett (Roths), Husaren Reg. 13
12. Heinrich Battenfeld, Husaren Reg. 8

restaurierte Gedenktafel in der Kirche Amönau
nach oben
Wetternotizen:
Im Jahre 1870 herrschte eine außerordentliche Dürre. Von
Januar bis Johanni. Es mangelte sehr an Futter, und Heu ist nur zur Hälfte
des üblichen gemacht worden. Zu Johanni fing es an zu regnen. An Winter-
und Sommerfrucht wurde nur der 3. Teil der sonstigen Ernte eingebracht.
Im Jahre 1876, und zwar am 12. März des Nachts, war ein
sehr starker Sturm und Orkan, der an Dächern und Obstbäumen und Waldungen
bedeutenden Schaden anrichtete. Durch den Sturm wurde auch der massiv
erbaute Spiegelslustturm in Marburg umgestürzt.
Am 23. Februar 1879 fiel nachts viel Schnee, es regnete
etwas und fror zugleich, so dass ein starkes Glatteis entstand. Das
Glatteis dauerte bis zum 4. März 1879. Infolgedessen ging viel Wild in Wald
und Flur verloren.
Das Wild wurde zum Teil von Leuten ergriffen und in
Ställen gefüttert. Der Eisbruch richtete großen Schaden an in den Wäldern
und hier besonders in den höher gelegenen Wäldern.
Amönau ab dem
20. Jahrhundert:
Bis zum Jahre 1886 hatten die Gemeinden Oberndorf und
Amönau einen gemeinsamen Friedhof bei der Kirche zu Amönau. Dieser war aber
jetzt voller Gräber und konnte nicht weitere Tote aufnehmen. Die Gemeinde
Amönau legte einen neuen hinter dem Junkerhof, an dem Weg nach Todenhausen,
an, wo von der politischen Gemeinde ein Acker von Heinrich Otto (Fetsche),
wohnhaft an der Bach, angekauft wurde. Einweihung am 7. November 1886. Der
neue Oberndorfer Friedhof wurde am 25.8.1886 geweiht.
Als besondere Begebenheit für das Dorf Amönau, ist der
Bau der elektrischen Lichtanlage zur Jahresmitte des Jahres 1919 zu nennen.
Während zunächst nur das Ortsnetz fertiggestellt wurde, waren Mitte Februar
1920 sämtliche Hausleitungen gelegt und Ende des Monats wurde ein Lichtfest
von den Einwohnern des Dorfes gefeiert.

der neue Lichtmast vor der Kirche im Jahre 1920
Leider können Einzelgeschehen von 1923 - 1945 nicht
berichtet werden, da hierzu alle Unterlagen fehlen.
Die
letzten Wochen des 2. Weltkrieges (Januar - März 1945) brachten
auch unserer engeren Heimat besonders viel Unruhe und Aufregungen. Seit
am 1. Januar 1945 ein Bombenangriff, mittags um 12.30 h, auf Wetter
erfolgte, dem mehrere Gebäude und auch leider einige Menschen zum
Opfer fielen, überflogen fast täglich feindliche Jabos und
Tiefflieger unser Dorf. Der Eisenbahnbrücke bei Sarnau und den
Munitionszügen auf unserer Eisenbahnstrecke (Munitionsdepot bei
Wiesenfeld für die Luftwaffe) galten meist die Angriffe. Am 29.
März 1945 erreichten die Amerikaner das hiesige Gebiet. Morgens
gegen 10 Uhr dröhnten die ersten Panzer. Ein großer Teil
fuhr auf der Hauptstraße von Wetter nach Norden. Etwa 35 - 40
kamen von Warzenbach über Oberndorf und fuhren nach Todenhausen
weiter, wo etwa 50 Minuten gekämpft wurde. Während dieser
Zeit sicherten einige überschwere Panzer auf der Straße
Wetter - Amönau, die dann auch über Amönau nach
Todenhausen abfuhren. Leider zerstörten die Ungetüme das
Geländer an der Brücke bei der Kirche. Kaum war die
kämpfende Truppe durchgezogen, da legten Nachschubeinheiten um das
Gebiet des Wollenberges ein großes Munitionsdepot an und in
einzelnen Dörfern wurden Truppen einquartiert. Die acht
Häuser an dem westlichen Ausgang des Dorfes in Richtung Wetter,
außer dem Anwesen Arnold und Mengel (Bachwellems), da Vieh im
Wohnhaus gehalten wurde, wurden belegt. Ebenso das Wohnhaus der Familie
Heinrich Otto (Auermachersch) am Ortsausgang in Richtung
Treisbach. Die Bewohner mussten räumen und durften die
Häuser nicht betreten. Keller- und Bodenräume sollten nach
den Versicherungen der Offiziere nicht betreten werden und unangetastet
bleiben. Kaum hatten die Leute die Häuser geräumt, da waren
die Schlösser gebrochen und vom 1.4. bis 16.9.1945 blieben die
Häuser beschlagnahmt. Leider wechselte die Truppe auch noch
zweimal.
Mit der Kapitulation am 08.05.1945 endete der sinnloseste
und grausamste Krieg, den Europa je erlebte und unendlich viel Leid über die
Völker Europas brachte.
Millionen von Toten, vermissten, verschollenen, geflüchteten
und vertriebenen Menschen sind zu beklagen. Auf unserem Kriegerdenkmal sind für
den II. Weltkrieg 44 Personen aus Amönau als Gefallene aufgeführt. Eine nicht
zu beziffernde Zerstörung entstand in den Dörfern und Städten in den
Kriegsgebieten.
Die Zerstörung der Wohnungen durch die Bombardierung unserer
Städte brachte es mit sich, dass während des Krieges viele Menschen auf das
Land – Dörfer und kleine Städte – flüchten mussten. So waren in den letzten
Kriegsjahren bereits mehr als 80 Personen in Amönau als Evakuierte und
Ausgebombte wohnhaft.
Die erste Flüchtlingsfamilie, die in
Amönau ankam, war die Famile Klopfstein. Sie bestand aus den
Familienmitgliedern: Frau Katharina Klopfstein, den Kindern Peter, Hans, Hilde
und Elli – jetzt Elli Theis – und der Schwiegermutter Margaretha.
Bereits Anfang Oktober 1944 flüchtete die Familie vor der
näher kommenden russischen Front aus Lenauheim im Banat, Rumänien. Über
Österreich, wo sie einige Zeit in einem Lager verbrachten, kamen sie nach
Marburg, von dort dann Ende November 1944 nach Amönau. Im Haus der Familie
Johannes Dersch (Nr. 23 ½ ) fand sie eine Unterkunft.
Im April 1945 eroberten ohne Widerstand amerikanische
Truppen unser Dorf. Die Wohnhäuser im Schääd, jetzt Raiffeisenstraße, wurden
von den Besatzungstruppen beschlagnahmt. Ihre Bewohner mussten die Wohnungen
räumen und wohnten bei anderen Familien im Dorf. Das Wohnhaus von Wiegands
(Bachwellems) und von Arnolds war von der Beschlagnahme nicht betroffen.
Familie Klopfstein musste bei Dersch (Raiffeisenstraße) ausziehen und fand eine neue Unterkunft bei
Schowwer – Ronzheimer (Nr. 17) – in der Wohnung auf dem Stall, die während des
Krieges Unterkunft (Gefangenenlager) für französische Kriegsgefangene war.
Herr Mathias Klopfstein wurde im November 1946 aus der
Kriegsgefangenschaft entlassen. Von Beruf war er Herrenschneider. Durch
Änderungsschneiderei und Nähen von Anzügen für viele Amönauer konnte er zum
Unterhalt der Familie beitragen. Anzugstoffe konnte man in den ersten
Nachkriegsjahren durch Tausch und später auch durch Kauf erwerben. Nachdem die
Schwiegermutter eine eigene Wohnung bezogen hatte und die Kinder alle
verheiratet waren, zog das Ehepaar im November 1965 nach Frankfurt, wo Herr
Klopfstein arbeitete.
In den Monaten nach Kriegsende kamen immer mehr Menschen in
Amönau an. Es waren ehemalige Kriegsgefangene, die nicht in die sowjetische
Besatzungszone oder Ostgebiete (Pommern, Schlesien, Ostpreußen u.a.) wo ihre
Heimat war, zurück wollten oder auch nicht konnten und es waren die vielen
Vertriebenen.
Auf Anordnung musste auch hier, wie in allen anderen Dörfern
und Städten, eine Wohnungskommission, die aus Flüchtlingen und Einheimischen
bestand, gebildet werden, die zusammen mit dem Bürgermeister und dem
Landratsamt für die Wohnungsbewirtschaftung zuständig war.
Die große Vertriebenen- und Flüchtlingswelle begann dann
1946. Im Februar 1946 wurden über 30 Personen aus dem Sudetenland, aus der
Umgebung von Teplitz-Schönau aufgenommen.
Es folgten Menschen aus Schlesien, Ostpreußen und anderen
Ländern des Ostens. Am 19.05.1946 kam eine Vertriebenengruppe von mehr als 40
Menschen aus Ungarn an. Die Frauen fielen durch ihre andersartige Tracht auf.
Sie unterschied sich von der bei uns getragenen Marburger Tracht bzw. der
vornehmen städtischen Kleidung. Die Ungar-Männer fielen mit ihren blauen Arbeitsschürzen
und mit den sonntags getragenen glänzenden schwarzen Schaftstiefeln auf.

Die Männer mit ihren Schaftstiefeln
Hochzeitsfoto
Fam. Schmidt
Sie kamen aus dem Dorf Harkau an der Grenze zum
österreichischen Burgenland bei Deutschkreutz, hatten zu Hause Landwirtschaft
mit Weinbau betrieben.
Sie erzählten, dass sie, bevor sie vertrieben wurden,
bereits schon einmal geflüchtet waren. Da war zum Beispiel die Familie Schmidt,
die aus dem verwundeten und auf Krücken gehenden Ehemann Mathias, der
schwangeren Ehefrau Theresia, der Schwiegermutter Theresia Gellermann und der
Schwägerin Luise bestand.
Als im Frühjahr 1945 die Kriegsfront beängstigend nahe kam, flüchteten
die Schmidts am Gründonnerstag zusammen mit vielen Bewohnern ihres Dorfes. Das
Notwendigste und dazu noch das was auf den Wagen, der mit 2 Kühen bespannt war,
passte, wurde mitgenommen. So zogen die Flüchtlinge mit 32 Gespannen in
nordwestlicher Richtung
durch Österreich und kamen nach 7 Wochen in Vöcklabruck an.
Das waren ca. 300 km Luftlinie von zu Hause. Vöcklabruck liegt ca. 80 km
südwestlich von Wels. Hier wurden sie aufgenommen und richteten sich ein,
halfen in der Landwirtschaft und gingen auch zur katholischen Messe. Als die
Einheimischen feststellten, dass die Fremden andersgläubig waren, nämlich
evangelischen Glaubens, verhielten sie sich ihnen gegenüber reservierter. Hier
blieben die Geflüchteten bis zum Spätherbst 1945. Dann machten sie sich wieder
auf den Heimweg nach Harkau, wo bereits im April 1945 die Russen eingezogen
waren. Ehefrau Theresia und ihre Mutter fuhren mit der Eisenbahn bis Neckenmark
(Österreich). Hier angekommen, machten sich beide in der Nacht zu Fuß über die
Grenze nach Harkau (Ungarn), das ja Nachbargemeinde von Neckenmark war. In der
Nacht vom 27. zum 28.11.1945 kamen sie bei den Eltern des Ehemannes, die nicht
geflüchtet waren, an.
In der darauf folgenden Nacht wurde die erste Tochter
geboren. Am nächsten Tag kam Motz, so der Rufnahme des Ehemannes, und
Schwägerin Luise mit ihrem Fuhrwerk welches jetzt von einem Pferd und einem
Muli, die in Österreich erworben wurden, gezogen wurde, nach 7tägiger Fahrt zu
Hause an.
Den nachfolgenden Winter hat man unter sowjetischer
Besatzung so schlecht und recht überstanden. Im März 1946 verstarb das
Töchterchen.
Alle Deutschen wurden im Frühjahr 1946 aus Ungarn
vertrieben. Am 13.05.1946 mussten alle Harkauer ihr Dorf verlassen. Sie wurden
in Ödenburg in Viehwaggons mit unbekanntem Ziel verladen. Sechs Tage später, am
19.05.1946, kamen sie in Münchhausen mit dem Zug an.

Die hier angekommenen Personen wurden auf die Dörfer des
Kreises Marburg verteilt. So kamen dann Teile der Harkauer Dorfbewohner nach
Amönau. Die Familie Schmidt fand in einem Zimmer bei Wetscher – Diehl (Nr. 13)
– ihre vorübergehende Zuflucht. Die Männer arbeiteten alle in der örtlichen
Landwirtschaft mit. Beim Dickwurz- und Kartoffelhacken, der Getreide- und
Hackfruchternte waren auch die Frauen gern gesehene Helferinnen und trugen so
zum Unterhalt der Familien bei.
Bei der Familie Schmidt hatte sich schon lange eine
Vergrößerung der Familie angekündigt, weshalb sie auch eine größere Unterkunft
benötigten, so bekamen sie im November 1946 im Furreschhof eine Wohnung mit
Küche und einem Schlafzimmer zugewiesen. Am 30.11.1946 wurde Tochter Waltraud
geboren.
Nach der im Juni 1948 stattgefundenen Währungsreform begann
das so genannte Wirtschaftswunder. Es wurden überall Arbeitskräfte gesucht. So
bekamen auch alle Harkauer Männer außerhalb der hiesigen Landwirtschaft
Arbeitsplätze. Einige fanden Arbeit als Waldarbeiter, andere gingen in die
Bauwirtschaft.
Motz ging von Schowwer, wo er bis dahin in der
Landwirtschaft gearbeitet hatte, für einige Jahre als Waldarbeiter in den
Staatswald und danach bis zur Altersrente zur Eisengießerei nach Buchenau.
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Im Juli 1953 waren in Amönau insgesamt 163 Personen als
Vertriebene, Flüchtlinge oder Evakuierte aus folgenden Ländern registriert:
Aus Ungarn 52 Personen
Pommern 8 Personen
Rumänien 8 Personen
Baltikum 2 Personen
Sudetenland 34 Personen
Sowjetzone 4 Personen
Schlesien 22 Personen
Evakuierte 26 Personen
Die hessische Landesregierung hatte zu Beginn der 50er Jahre
ein Programm zum Bau von kleinen Siedlungshäusern mit Nebengebäuden
eingerichtet. So fassten dann 6 in Amönau lebenden Harkauer Familien den Mut,
je ein Haus mit Nebengebäuden zu bauen. Es waren die Familien Hans Thoma, Emil
Bader, Mathias Latzko, Mathias Schmidt, Karl Latzko und Karl Tremmel. Die
Kirchengemeinde stellte die Baugrundstücke zur Verfügung. Architekt Freiling
machte die Planung und Bürgermeister Diehl unterstützte das Vorhaben so weit es
möglich war. 1953 hatte jeder etwas Geld – ca. 1.000 DM – was zu dieser Zeit
schon viel Geld war, gespart.
Die Sandsteine zum Bau der Keller wurden selbst in Goßfelden
gebrochen und durch Arbeiten im Sandsteinbruch bezahlt. Im Herbst 1953 war das
Kellerwerk fertig gestellt und das Geld war alle. Das war aber auch noch eine
Zeit, in der man mit den Landespolitikern reden konnte und auch einem geholfen
wurde. So bekam unser Bürgermeister Diehl und Architekt Freiling einen Termin
bei dem damaligen hier gut bekannten und verehrten Innenminister, Heinrich
Schneider aus Marbach bei Marburg.
Sie machten sich auf den Weg nach Wiesbaden und kamen mit
dem Ergebnis, dass wieder ein Teil gebaut werden konnte, zurück. So ging das
1954 weiter, bis dann so im Sommer 1955 die Häuser bezogen werden konnten. Die
Kosten für Baumaßnahmen betrugen ca. 26.000 DM bis 28.000 DM. Motz zog mit
seiner Familie, die sich durch die Geburt der Tochter Imgard vergrößert hatte,
und der Schwiegermutter in das neue Haus ein. Die Familie behalf sich mit der
unteren Etage und die kleine Wohnung unter dem Dach wurde vermietet, damit der
zu leistende Abtrag leichter möglich war. Ein Einheimischer, der an dem Bau
vorbei ging, sagte zu Motz: „Das kannst du im Leben nicht bezahlen“. Er wurde
durch die fleißigen Menschen eines bessern belehrt.
Die zu den Baumaßnahmen gehörenden kleinen
Wirtschaftsgebäude wurden als Schweine- und Holzstall genutzt. Jeder Bauherr
hatte von der Kirchengemeinde eine Ackerfläche von 0,25 ha als Pachtfläche zur
Bewirtschaftung bekommen, so dass jeder Getreide und Kartoffeln zur
Eigenversorgung und Schweinefutter anbauen konnte.
Mit dem Anstieg der Löhne, der sogenannten Lohnprogression,
stiegen die Einkommen. So konnten die Häuser schneller als gedacht bezahlt
werden.

Der Harkauer Weg in Amönau 1959
Zu den sechs Siedlungshäusern kamen in den nächsten Jahren
noch zwei hinzu. Emmerich Kolb baute auf dem hinteren Teil des
Kirchengrundstücks und Johann Siegmund gegenüber auf einem Grundstück von
seinen Schwiegereltern.
In den nachfolgenden Jahren sind bei allen diesen Häusern
Um- und Anbaumaßnahmen durchgeführt worden.
Andere Flüchtlinge, die in Amönau geblieben sind, haben im
Dorf Hofreiten gekauft und umgebaut oder auch neue Häuser gebaut.
Alle in unserem Dorf verbliebenen Menschen, ob Vertriebene oder
Flüchtlinge sind längst Amönauer geworden
Jetzt kamen Jahre, an die man sich nicht gern erinnert.
Die zivile Bevölkerung litt sehr unter Hunger, mit Ausnahme der
Landwirtschaft. Es fehlte an den notwendigsten Grundnahrungsmitteln, an
Genussmittel war überhaupt nicht zu denken. Erst 1948/1949 lockerte man die
Unterdrückungsmaßnahmen. Mit dem 20. Juli 1948 wurde die neue Währung „Die
Deutsche Mark“ eingeführt und mit dieser Maßnahme normalisierten sich die
Verhältnisse allmählich.
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Im Jahre 1950 standen die Sterne endlich günstig für den
Neubau der Schule. Bereits im Jahre 1938 hatten der Bürgermeister Heinrich
Fett und der Schulleiter Manz bei der Kirchenregierung in Kassel ein
günstiges Baugelände eingetauscht, bzw. erworben. 1939 traf der plötzlich
ausbrechende 2. Weltkrieg die ersten Schulbauvorbereitungen, die dann
abgebrochen werden mussten.
Die Gemeindevertretung nahm den ersten Plan, der nur 2
Schulsäle vorsah, nicht an, und beschloss, einen Bau mit 2 Sälen und einer
Lehrerwohnung.
Bürgermeister Dersch und Schulleiter Manz, sowie der
Architekt Freiling aus Simtshausen wurden beauftragt, diesen Plan bei der
Regierung zu unterbreiten. Er wurde genehmigt. Nachdem Antrag und Zeichnung
alle Instanzen durchlaufen hatten, wurde sofort mit den Bauarbeiten
begonnen. Die Erd- und Planierungsarbeiten wurden im Hand- und Spanndienst
von der Gemeinde übernommen. Die Maurer- und Zimmerarbeiten schritten so
gut voran, daß am 6. Oktober 1950 im Beisein von Landrat Eckel und Schulrat
Mütze das Richtfest gefeiert werden konnte.
Die Maurerarbeiten führte der Bauunternehmer Friedrich
Aßmann aus Amönau aus, die Zimmerarbeiten waren an Meister Völk von Wetter
vergeben worden. Die Dacharbeiten waren an Dachdeckermeister Hofmann aus
Wetter gefallen. Die Holzarbeiten wurden von den hiesigen Schreinermeistern
Moog und Göcking übernommen. Verputz-, Maler- und Anstreicherarbeiten durch
Christian Scherer und Hans Detsch, beide Arbeiten waren bereits am
10.04.1952 beendet, so dass am 15. April 1952 im Beisein vieler Gäste die
feierliche Einweihung stattfand.
Der Raiffeisenverein beschenkte die Schule anlässlich
der Weihe mit einem Ehren- und Gästebuch. Ebenso ließ es sich der
Buchhändler Ruhl aus Wetter nicht nehmen, die Schülerbibliothek durch eine
Gabe zu bereichern.
Leider mussten Schulleiter und Kolleginnen nach den
Osterferien feststellen, dass die Gemeindevertretung - ohne einen
entsprechenden Beschluss des Schulvorstandes herbeizuführen, oder den
Schulleiter in Kenntnis zu setzen - den Werkraum und Lehrmittelraum anders
verfügt hatten, als es die Behörden zweckbestimmend vorhatten.
Frisörmeister Dornseif, der das Amt des Hausmeisters in der neuen Schule
übernommen hatte, hatte man die Räume als Wohnung zugewiesen. Bei einer
späteren Feststellung durch die vorgesetzte Instanz erhielt der Schulleiter
den Auftrag, diese Räume wieder ihrer Zweckbestimmung zuzuführen. Es blieb
allerdings vorerst bis auf viele Jahre hinaus bei diesem Zustand.
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Im Jahre 1954 beschließt eine recht fortschrittliche
Gemeindevertretung, an der Spitze Bürgermeister Diehl, die Durchführung der
Kanalisation des Ortes und den zu erwartenden Aufbau des Straßenzuges
Wetter - Amönau - Treisbach. Nach entsprechenden Verhandlungen durch
Bürgermeister Diehl wird am 20.4.1954 mit den Arbeiten begonnen Als
erster Bauabschnitt wird der Straßenzug in Richtung Wetter in Angriff
genommen. Die Erdarbeiten, Ausheben eines bis 3 m tiefen Rohrgrabens,
wurden im Handdienst geleistet. Jeder Grundbesitzer musste 6 m öffnen.

Bislang, d.h. bis Mitte der 50er Jahre, waren die Straßen im nordwestlichen
Teil des Kreises Marburg, mit Ausnahme der Bundesstraße Marburg - Wetter -
Frankenberg, in einem solch schlechten Zustand, dass jeder, der nicht
unbedingt in diese Gegend musste, diese Straßen mied. Die Autofahrer dieses
Landesteils und der angrenzenden Gebiete kannten die unglaublichen und
nicht zu beschreibenden Zustände. Keine der ungezählten Eingaben, die in
Protestversammlungen abgefasst wurden, hatten den gewünschten Erfolg.
Selbst die Ärzte wollten streiken. Für Kranke, die zur Behandlung nach
Marburg transportiert werden mussten und für Frauen, die zur Entbindung
nach Marburg gebracht wurden, waren die Straßen eine außerordentliche
Gefahr. Es lagen entsprechende Berichte der Ärzte der Frauenklinik vor. Als
die Landesregierung in Wiesbaden immer noch nicht reagierte, lud man zu
einer Protestversammlung den Landtagsabgeordneten des hiesigen Bezirks der
SPD, Heinrich Schneider (Marburg), ein, der später hessischer Innenminister
wurde. In recht sachlicher Weise wurde die brennende Angelegenheit
besprochen. Der Abgeordnete versprach eine nachdrückliche Befürwortung der
berechtigten Wünsche.

Und siehe da, am 13. Juli 1954 begann die
Straßenbaufirma Weigand aus Gladenbach mit dem Ausbau an der Stadtgrenze
Wetter und beendete die Arbeiten an der alten Schule in Amönau. Am 24. Juli
1954 waren diese Arbeiten beendet. Anschließend wurde in Richtung Treisbach
noch einige 100 m weiter gebaut. Da der Hauptstraßenzug von Amönau gepflastert
war, sollte dieses Stück nach Beendigung der Kanalisationsarbeiten
ausgebaut und geteert werden. Die Arbeiten der Firma wurden in Fachkreisen
bestens beurteilt und der nun sehr gute Zustand der Straße war bald
allgemein bekannt. Die Folge war eine starke Zunahme des Verkehrs.
Der zweite Teil der Kanalisation begann im Juli 1955.
Diesmal waren als Bauabschnitte die Hauptstraße und die Nebengassen, die
zum Treisbach führten, vorgesehen. Die Firma Roth aus Wetter hob jetzt
mittels eines Baggers die Gräben aus und begann am unteren Ende, also in
Höhe der alten Schule, mit dem Einlegen der Rohre. Einige Regentage
verzögerten die Arbeiten und Eile war geboten, da das Einbringen der Ernte
bevorstand. Anfang August 1955 war bereits alles wieder eingeebnet.
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Rückkehr der Kriegsgefangenen aus Russland
Der 14. Oktober 1955 wurde für das Dorf zu einer ganz besonderen
Bedeutung:
Eine fernmündliche Voraussage hatte die ungarndeutsche Familie Latzko, die
mit einigen anderen Familien nach dem Krieg hier eine neue Heimat gefunden
hatte, in große Freude versetzt. Schon lange wartete man auf die Rückkehr
des jüngsten Sohnes, den man in Russland zurückgehalten hatte. Herr
Klingelhöfer und Herr Fritz Aßmann aus Amönau fuhren mit den Angehörigen
nach Friedland bei Göttingen, um den Spätheimkehrer schnell und in würdiger
Weise zu seinen hoch betagten Eltern zu bringen, die in dem schönen neuen
Haus bei ihrem ältesten Sohn wohnten. Gegen Abend trafen die Autos hier
ein. Die Gemeinde hatte vorzeitig die Arbeit ruhen lassen, um durch ihre
Teilnahme die Freude zu bekunden. Die Dorfbewohner, jung und alt, waren
zahlreich erschienen. Nach der Begrüßung durch die Familie hieß ihn Pfarrer
Junghans im Namen der Kirchengemeinde willkommen, nachdem ihn bereits
Bürgermeister Diehl willkommen geheißen hatte. Gemeinsam gesungene Choräle
gaben der kleinen Feier die ernste Würdigung. Abends begrüßte ihn der
Männergesangverein Sängerlust Amönau mit einem Ständchen, auch der
Posaunenchor der Kirchengemeinde.
Der Sonntag, 15. Januar 1956, wurde zu einem Freudentag
für das ganze Dorf. Immer noch fehlte der letzte ortseingesessene
Kriegsgefangene Michael Muth, Haus Nr. 4 ½, der so lange in russischer
Kriegsgefangenschaft verbleiben musste. Alle Rückkehrer berichteten von
ihm, wie er seine Leidensgenossen immer aufgerichtet habe. Er habe in
selbstloser Weise für andere gesorgt und Verzagende ermuntert. Er handelte
in Gefangenschaft so edel, wie er auch hier eingeschätzt wurde und bekannt
war. Nach langen, langen Jahren war nun die schreckliche Zeit der
Gefangenschaft beendet. Wieder fuhren zwei Autos nach Friedland, um ihn so
frühzeitig wie möglich, zu begrüßen. Am Abend, es begann bereits zu
dämmern, sah er seine geliebte Heimat, nach 11 Jahren, wieder. Die Glocken
ertönten, wie im Oktober 1955, als Hans Latzko heimkehrte. Die Gemeinde
versammelte sich um das Haus Nr. 4 1/2, so dass kaum Hof und Straße die
Menge fassen konnte. Die Oberhessische Presse berichtete von der Heimkehr.
Im Jahre 1956 wird der Wunsch vieler Amönauer
endlich erfüllt. Die Dorfwasserleitung wird gebaut. Bis dahin hatte Amönau
nur eine Genossenschaftswasserleitung, die nur den 4. Teil des Ortes und
nur den östlichen Teil, versorgte. Diese Anlage war sehr unzulänglich, das
Wasser war knapp und oft trüb. Am 4.2.1954 hatte bereits die hiesige
Gemeindevertretung den Anschluss an den Allendorfer (Stadtallendorf)
Zweckverband (Mittelhessische Wasserwerke) beschlossen, da hohe staatliche
Zuschüsse gewährt wurden. Land und Kreis begünstigten das Vorhaben. Da
Amönau Endleitung wurde, musste für den Plan auch die Stadt Wetter gewonnen
werden. Nach langen Beratungen schloss sich Wetter an, so dass nach
entsprechenden Vorbereitungen und notwendigen Planungen die Firma Rüster,
Friedberg, mit der Durchführung betraut wurde. Die Fernleitungsarbeiten
führte die Firma Roth u. Söhne aus Wetter aus. Nun schloss sich auch die
Gemeinde Oberndorf an. Die im Mai 1956 begonnenen Arbeiten, einschließlich
des Baus eines Hochbehälters in der Koppe, wurden am 15.12.1956 beendet.
Am 10. und 11. Juni 1956 feierte der Männergesangverein
Sängerlust sein 80-jähriges Bestehen. Der im Jahre 1876 gegründete Verein
zog das Jubelfest groß auf, das mit einem Wertungssingen, bzw.
Konzertsingen des Wetschaftstalsängerbundes verbunden war.

MGV
"Sängerlust" 1876 Amönau im Jahre 1956 - links Festumzug
- rechts Ständchen zur Hochzeit von Heinrich und Katharina
Wiegand am 26.05.1956
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Die Schneeschmelze im Frühjahr eines jeden Jahres brachte
die Höfe, die sich in Bachnähe des Treisbaches befanden, jeweils in schwere
Bedrängnis, denn der Treisbach trat regelmäßig über seine Ufer und teilweise
wurden die Höfe überflutet. So waren die Höfe von „Semmersch“ (Nr. 31) und
Eckerts (1) oft betroffen. Bei Eckerts, die damals im Fachwerkhaus die
Raiffeisenkasse und das Lager von Raiffeisen untergebracht hatten, wurden
deshalb die Türen am rückwärtigen Hausteil und die Haustüre bei Hochwasser geöffnet,
damit das Wasser ungehindert durch das Haus fluten konnte Auf diese Weise hatte
man weniger Schlamm wegzuräumen. Dies alles führte zu der Überlegung, den
Bachlauf des Treisbaches zu „regulieren“. Ende der 50-er Jahre wurde mit den
Arbeiten begonnen. Beiderseitig des Baches wurden Steine zu einer Mauer
aufgeschichtet, die das Wasser in „sein Bett“ zwingen sollte. Leider war auch
der Gedanke dabei, die „Rotwirtsbrücke“ abzureißen, weil sie der Regulierung
entgegen stand und ein Befahren, aufgrund ihrer Höhe, sowieso nicht geboten
war. 1959 wurde dieses einmalige Brückenbauwerk abgerissen.

die
Rotwirtsbrücke im Jahre 1916
Ansicht der Brücke 1955

Ausschnitt
aus der Berichterstattung der OP
Abriss der Brücke im Jahre 1959
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