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Chronik des Heimatverein Amönau e.V.
Am 4. April 1962 wurde in Amönau der Heimat- und
Verkehrsverein gegründet. In der entsprechenden Urkunde definierten die
Gründungsmitglieder die Ziele:
- Pflege der Heimatliebe und Heimatkunde
- Erschließung der heimatlichen Schönheiten, der Bauten und
Kulturstätten
- Pflege der Sitten und Gebräuche.
Der Gründungsvorstand:
1. Vorsitzender
Jakob Diehl
2. Vorsitzender
Erwin Klingelhöfer
Kassierer Michael Diehl
Der Mitgliedsbeitrag für das ganze Jahr betrug damals 2,50
DM.
Zwei Gründe standen im Vordergrund zur Vereinsgründung:
Der
Fremdenverkehr sollte Aufschwung im Ort nehmen, denn im Dorf befanden sich seit
einiger Zeit
zwei Pensionen, die der Familie Seven und von Frau Margarete Muth, Unterer
Ellenberg 4 und
die
Dorfverschönerung
Bürgermeister Diehl und Lehrer Klingelhöfer begannen schon
in den Jahren 1959 und 1960 mit den Planungen zur Dorfverschönerung. Den
Anfang machte man mit der Gestaltung
einer Grünanlage auf dem Schulhof der damaligen Hauptschule. Die Arbeiten
wurden ausschließlich durch die damalige Oberstufe der Volksschule Amönau
ausgeführt. Dieses Beispiel und die Intitiative von Lehrer Klingelhöfer führten
zu weiteren Maßnahmen im Sinne der Verschönerung des Ortes. Es entstanden die
Anlagen am sogenannten „Sonneneck“, in Amönau besser bekannt unter dem Namen
„Deutsches Eck“ und eine Grünanlage bei der Familie Grenke an der Koppe.
Neben Herrn Klingelhöfer und den Oberstufenschülern ist in
diesem Zusammenhang den Herren Fritz Fenner, Ludwig Theis und dem Sprengmeister
Otto (100) zu danken, die ihren Rat und ihre Tatkraft uneigennützig zum Wohle
des Dorfes einsetzten.
Schon im Gründungsjahr des Vereins meldete man die Teilnahme
am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ und errang auf Anhieb hinter
Mellnau und Fronhausen/Lahn den 3. Platz auf regionaler Ebene. Der Preis
bestand in einem Geldbetrag von 150 DM.
Mit welchen Beträgen man im Jahre 1962 bei allen Aktivitäten
wirtschaften musste, zeigt folgende Aufstellung:
- von der Gemeinde Amönau bekam
man
400 DM
- vom Landkreis Marburg
400 DM
- vom landwirtschaftlichen
Beratungsdienst
220
DM
- Mitgliedsbeiträge
300
DM
- Preisgeld
150
DM
Es wurden Dorf- und Hinweisschilder
gekauft bzw. selbst hergestellt.
Mit dem Erfolg beim Wettbewerb
wuchsen auch das Interesse und die Initiative der Dorfbewohner. Im März 1963 meldete der Verein
eine Teilnahme am Wettbewerb auf Landesebene an. Zuvor musste jedoch noch
manche Hürde genommen werden. Außerordentlich rege präsentierte sich die
Dorfbevölkerung und als sichtbares Zeichen der Teilnahme am
Dorfverschönerungswettbewerbs wurde eine Hinweistafel am Ortseingang aus
Richtung Wetter aufgestellt. Viele schmucke Sitzecken entstanden und 18
Ruhebänke wurden aufgestellt. Die Dorfjugend und die Anlieger übernahmen die
Patenschaften für die jeweiligen Anlagen und pflegten diese wie ihr eigenes
Kleinod.
Der Kreisentscheid im Wettbewerb
stand unmittelbar bevor und am 09. Juli 1963 errang Amönau in der Gruppe A den
1. Platz.
Am 30. Juli
1963
besichtigte eine Kommission für den Gebietsentscheid den Ort und zur großen
Freude aller Beteiligten errang auch hier Amönau den 1. Platz. Somit war die
Tür zum Landesentscheid weit aufgestoßen. Von der Rührigkeit der Bevölkerung
bewegt, schildert Lehrer Klingelhöfer in der Vereinschronik die letzten Stunden
vor dem Besuch der Landesentscheidkommission:
„ Bis zum letzten Abend waren eifrige
Kinderhände und fleißige Menschen der Einwohnerschaft zu Gange. Die in Angriff
genommenen Verschönerungsanlagen sind rechtzeitig fertig gestellt worden. Die
Herren Fritz Fenner, Michael Moog, Johann Formella, Franz Czech und Fritz
Aßmann haben die letzten Handgriffe getan. Besonderer Dank gebührt immer wieder
Fritz Fenner, der großen Anteil an der Fertigstellung hatte. Johannes Lölkes,
Helmut Rösser und Hermann Mengel haben mitgeholfen, dass Material herbei zu
holen und den Abraum beiseite geschafft, ebenso hat es sich der Bürgermeister
Peter Diehl nicht nehmen lassen, selbst die Wagen zu beladen und
abzutransportieren. Dank auch den beiden Gemeindearbeitern Ludwig Theis und
Herrn Otto und nicht zuletzt den Schulkindern, die noch am letzten Tag alle
Anlagen auffrischten. Trotz der vielen und auch harten Arbeit war es eine
unvergessene Zeit, wenn wir alle gemeinsam und fröhlich bei der Arbeit waren.
Solche Aufgaben verbinden die
Menschen, jung und alt, und führen zu herzlichen Freundschaften, ohne die ein
Werk nie gedeihen kann“
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Nach dem Besuch der Kommission bekam
Bürgermeister Diehl am 19. August 1963 ein Telegram aus Wiesbaden. In der
Mittagszeit öffnete er aufgeregt den Umschlag. Staatsminister Hacker
gratulierte dem Ort Amönau zum 1. Platz im Landesentscheid. Nach diesem
großartigen Erfolg ließen entsprechende Reaktionen nicht lange auf sich warten.
Fremdenverkehrsverbände und Kreisausschüsse besuchten den Ort und viele
Menschen aus nah und fern wollten Hessens schönstes Dorf kennenlernen. Auch das
Hessenfernsehen sagte sich an und in der Hessenschau vom 21. August 1963 zeigte man eine längere Reportage über Amönau. Durch den
Erfolg erreicht der Fremdenverkehr einen unerhörten Aufschwung. In der Chronik
sind bis zum Jahr 1965 eintausendzweiundfünfzig Gäste mit 17167 Übernachtungen vermerkt. Das ergab eine Gesamteinnahme
von 172497 DM, eine Steigerung seit 1963 um mehr als 40 %.
Für das Jahr 1965 rüstete man zum
Bundesentscheid. Kanalbauarbeiten und Straßenbau, die gesamte heutige Talstraße
war aufgerissen und unpassierbar, erforderten ein Aufschub der Teilnahme.
Aber der Initiator und Motor der
ganzen Bewegung, Lehrer Erwin Klingelhöfer, schrieb am 31. Dezember 1965 seine letzten Zeilen auf die Seite 124 der
Vereinschronik.
Aus beruflichen Gründen musste er
Amönau verlassen und mit ihm gingen die Ideen von der Teilnahme am Bundeswettbewerb
und die Ideen zur Verschönerung des Ortes. Seine Amtsnachfolger verstanden es
nicht in dem Maße, die Bevölkerung entsprechend zu motivieren und so schlief
der Verein in den folgenden Jahren einen „Dornröschenschlaf“, so formulierte es
jedenfalls Altbürgermeister Michael Moog in seinem „Brückenschlag“ zum Jahre
1980 hin, der in der Chronik beschrieben ist. Vereinsvorsitzender Jakob Diehl
und Gemeindearbeiter Otto Gnau versuchten, durch jährliche Anpflanzungen von
Rosen und Büschen Anregungen zu geben, um die Initiative wieder zu wecken, der
Elan aber war erloschen.
Erste Anzeichen einer Neubelebung des
Vereinslebens drückten sich im Jahre 1980 in einer Bestandsaufnahme des
Ortsbildes aus. Zudem in geselligen Veranstaltungen, z. B. der Fahrt zur
Bundesgartenschau nach Kassel. Während der Jahreshauptversammlung am 30. März
1984 trat der Gründungsvorstand mit den Herren Jakob Diehl, Sepp Pisarski und
Michael Diehl zurück, um jüngeren den
Vortritt zu lassen. Zum neuen Vorsitzenden wurde Heinz Aßmann gewählt,
Stellvertreter wurde Kurt Muth und Kassierer Günther Diehl. Das Amt des
Schriftführers übernahm Dieter Böttcher. In den folgenden 4 Jahren wurde die
Schleuse am Weiland restauriert, sie war beim Hochwasser 1984 fast völlig
zerstört worden. Die Chronik es Vereins wurde ergänzt durch Begebenheiten aus
dem Dorfleben. Das Backhaus in der Talstraße bekam ein neues Dach, denn es
drohte einzustürzen. Das Backhaus an der Koppe wurde mit einem neuen
Steinfußboden bedacht und betriebsfertig gemacht. Seit 1981 wurde es bei den
Dorffesten jedes Jahr genutzt. Der Verein beteiligte sich zusammen mit dem
Ortsbeirat an der Ausrichtung dieser Feste, die traditionell am ersten
Septemberwochenende eines jeden Jahres stattfinden. Sitzecken entstanden am
Bachlauf und es wurde ein Wettbewerb „der schönste Vorgarten“ ausgerichtet. Im
Jahre 1985 wurde erstmals seit 1919 wieder die Gemarkungsgrenze der ehemals
selbstständigen Gemeinde Amönau abgelaufen, also ein Grenzbegang veranstaltet.
Im gleichen Jahr kaufte man vom Verein 7 Gänse. Mit viel Mühe sorgte „Backs
Andres“ (Andreas Hilberger) für die Aufzucht und Unterbringung. Nach einiger
Zeit konnten sie auf den gestauten Bachlauf getrieben werden und boten ein Bild
wie zu alten Zeiten. Am 21. Dezember 1985 fanden sich 50 Gäste in dem Gasthaus
von Helmut und Gretel Otto ein, um die 7 Gänse beim ersten Gänsebratenessen des
Vereins zu verspeisen. Inzwischen hat sich dieses Essen unter dem Namen
„Gans-Wild-Essen“ zu einer festen Größe im Vereinsleben entwickelt. Ebenso wie
die alljährlichen Dorffeste. Radtouren zum Fronleichnamstag gehören gleichfalls
zum festen Veranstaltungskalender des Vereins. In liebevoller Kleinarbeit
arbeiteten Willi Fenner und Heinrich Peter, sowie Johann Formella an einer
Nachbildung des Lusthäuschen, auch Rapunzelhäuschen genannt, welches seither bei
Festumzügen Verwendung findet. Im Jahre 1988 änderte sich die Zusammensetzung
des Vorstandes. Kurt Muth löste Heinz Aßmann ab, der aus persönlichen Gründen
nicht mehr kandidierte, aber das Amt des Schriftführers übernahm. Zu
Stellvertretern wurden Dieter Böttcher und Gerhard Latzko gewählt. Günther
Diehl blieb Kassierer. Den Vorstand komplettierten Ernst Theis, Willi Fenner,
Wilfried Jäger, Walter Busch und Edwin Engel. In enger Zusammenarbeit mit dem
Ortsbeirat strebte man die Aufnahme des Ortes in das Dorferneuerungsprogramm
des Landes Hessen an und die erneute Teilnahmen am Wettbewerb „Unser Dorf soll
schöner werden“.
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In diesem Jahr 1988, ein Jahr später
als der offizielle Geburtstag, der schon 1987 war, feierte man mit einem
kleinen Fest „25 Jahre Heimat- und Verkehrsverein Amönau“ rund um das im Jahre
1983 eingeweihte Bürgerhaus. (Festschrift)
Viel zu tun gab es für einige
Vereinsmitglieder in den 90-er Jahren, denn Amönau hatte es geschafft als
erster Stadtteil von Wetter in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen zu
werden. Der Vorstand mit Heinz Aßmann, Kurt Muth, Dieter Böttcher und weiteren
Vereinsmitgliedern beteiligte sich in den verschiedenen Arbeitsgruppen und nach
der so genannten Vorklärungsphase, die von Dr. Theo Kinstle aus Simtshausen
geleitet wurde, stellte man in einer Prioritätenliste öffentliche Vorhaben
zusammen. (siehe auch gesonderter Abschnitt „Dorferneuerung“. Es sei
vorweggenommen, nach anfänglichen Schwierigkeiten, zum Teil auch heftigen Differenzen,
bei denen einige kurz davor waren, die gesamte freiwillige Arbeit zu beenden,
zog man im Jahre 2000 eine durchaus positive Bilanz bei den öffentlichen und
privaten Förderungen innerhalb des Ortes. Als herausragend ist die Aufstockung
des Bürgerhauses, die Umgestaltung der Alten Schule, die Neugestaltung des
Deutschen Ecks, die Sanierungen der Brücken in der Nähe der Kirche und die
Gestaltung des Umfeldes der Alten Schule zu nennen. Die Begrünung des
Bachlaufes und die Errichtung einer neuen Brücke von der Fugergasse zur
gegenüberliegenden Bachseite runden die öffentlichen Projekte ab. Mit einem
großen Fest setzte man den Schlusspunkt unter fast 10 Jahre Dorferneuerung in
Amönau. Viele Gruppen und Besucher zog es in diesem Jahr nach Amönau, denn von
seiten der Verantwortlichen beim Landkreis hatte man eine Menge Reklame mit
Amönau gemacht. Das Dorf und seine Bevölkerung wurden zum Vorbild für eine
gelungene Dorferneuerung. Noch heute melden sich Besucher aus Orten an, die zur
Zeit die Dorferneuerung betreiben. Aber noch eines bewegte den Zeitgeist. Auf
Initiative von Ludwig Ronzheimer trafen sich im Jahre 1999 Brunhilde Heß,
Eckhardt Scherer, Heinz Aßmann und der Hausherr selbst, um über eine Neuauflage
der Rapunzelaufführung aus dem Jahre 1988 nachzudenken. Heraus kam eine
fantastische Inszenierung und ein Musical mit Herz. Einen nie geglaubten Erfolg
brachten die 6 Vorstellungen, die im Jahre 2000 an 2 verschiedenen Wochenenden
am „Originalschauplatz“ über die Bühnen gingen. Fast 5000 Besucher strömten in
dieser Zeit nach Amönau. Als die Bühne schließlich abgebaut war, setzten sich
die Verantwortlichen zusammen und alle waren sich einig, das kann doch jetzt
nicht zu Ende gehen, da muss es doch bei einem solchen Erfolg weitergehen. Und
es ging weiter, der Verein „Turmwerkstatt – Kultur im Dorf“ wurde gegründet
(siehe dessen Geschichte an anderem Ort).
Das Jahr 1999 ist bereits erwähnt
worden, in diesem Jahr entstand die Homepage von Amönau, die zu einer wichtigen
Kommunikationsquelle wurde.
Allen Vereinen bot der Heimatverein
die Möglichkeit, sich selbst darzustellen, die Geschichte des Dorfes,
Impressionen und viele Hinweise runden das Angebot der Internetseite ab.
Anfang des Jahres 2004 kam die Stadt
Wetter auf den Verein zu und bat, sich noch einmal im Sinne der Dorferneuerung
einzubringen. Wieder war es der Vorstand und weitere Mitglieder, die sich nun
fast täglich trafen, um eine gewünschte Präsentation der Dorferneuerungsphase
für einen europäischen Wettbewerb der Dorferneuerungsorte vorzubereiten. Es
blieb nur einen knappen Monat Zeit für das Vorhaben, denn Anfang Februar
mussten alle geforderten Unterlagen in Wien sein. Dort wurden die
Präsentationen gesichtet und bewertet.
Als einziger hessischer Vertreter wurde Amönau für den Wettbewerb zugelassen.
Dieser stand unter dem Slogan „Aufbruch zur Einzigartigkeit“ (siehe auch
Broschüre der ARGE – im Archiv der Vereins).
Im Juni besuchte eine internationale Kommission unser Dorf und bewertete
den Ort nach verschiedenen Vorgaben. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Wir
landeten im vorderen Mittelfeld für Verdienste um die Gestaltung einzelner
Projekte. Eingeladen wurden alle Beteiligten im Spätsommer des Jahres 2004 nach
Marul im Großen Walsertal in Österreich. Zurück kam man mit einer Auszeichnung und
einer Urkunde. Freunde hatte man kennen gelernt und gute Erfahrungen gemacht.
Seit dem Jahre 2005 arbeiten der
Vorstand und freiwillige Helfer aus dem Dorf auf das Jahr 2008 hin. Die Urkunde
der Ersterwähnung Amönaus wird zwar immer noch nicht vom Staatsarchiv in
Marburg anerkannt und immer noch Niederohmen zugeschrieben, das hält aber die
Amönauer nicht ab, auf die 1000 Jahr – Feier in 2008 hinzuarbeiten. Unter
Federführung der Vereins und des Ortsbeirates gründete sich 2006 ein Festausschuß und auf Initiative
des Heimatvereines auch der Arbeitskreis Dorfgeschichte. Man will die
Geschichte des Dorfes Amönau aufarbeiten und Geschichten aus dem Dorf schreiben
und dazu dienen auch die vorliegenden Zeilen.
Heinz Aßmann
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